Eines der frühesten Gemälde der Auktion ist ein Brustbild Maria Fjodorownas (geb. Sophie Dorothea von Württemberg), die ab 1796 an der Seite Zar Pauls I. Kaiserin von Russland war. Das Portrait zeigt sie als Kronprinzessin im Alter von 18 Jahren.

Ausgeführt wurde es von der Werkstatt des schwedischen Malers Alexander Rosalien, der im späten 18. Jahrhundert ein populärer Portraitist war und hauptsächlich in Paris lebte und sich von der dortigen Kunstszene beeinflussen ließ. Seine Portraits waren vor allem für die hervorragende Wiedergabe von Stoffen bekannt.

Alexander Roslin, Großfürstin Maria Fjodorowna, 1777, Eremitage, Sankt Petersburg | Abb. via Wikipedia Alexander Roslin, Großfürstin Maria Fjodorowna, 1777, Eremitage, Sankt Petersburg | Abb. via Wikipedia

Mitte der 1770er Jahre besuchte er seine Heimat und hielt sich anschließend von 1775-77 in Russland auf, wo er die Mitglieder des dortigen Adels und der Zarenfamilie malte. So auch Maria Fjodorwna, die 1776 den russischen Zarewitsch Paul geheiratet hatte. Rolin malte die Kronprinzessin als Ganzfigur in einer Robe à la française aus orangefarbener Seide. Das vorliegende Brustbild ist in Anlehnung an jenes Portrait in Roslins Werkstatt entstanden.

Zu Beginn des 20. Jahrhundert wurde die russische Kunstszene, wie auch jene in Paris oder Wien, von einer Welle der Avantgarde erfasst, die mit jeder klassischen Kunst brach und den Weg für die Moderne bereitete. Bestehend auf den Grundlagen von Futurismus und Kubismus entstände in Russland Stilrichtungen wie Neoprimitivismus, Kubofuturismus oder Suprematismus, die oft nur wenige Jahre verfolgt wurden. Einer der Hauptvertreter dieser experimentellen Stile war Kasimir Malewitsch (1878-1935), zu dessen Schülern ab 1919 auch Nikolai Michailowitsch Suetin gehörte.

Suetin, der in der Auktion mit dem Werk Dynamik des Gleichgewichts vertreten ist, wurde ein Hauptvertreter des von Malewitsch entwickelten Suprematismus, einer konsequent gegenstandslosen Kunst, die jede Art der Abstraktion ablehnte. Suetin war Mitgründer der Künstlergruppe UNOWIS, die erheblichen Einfluss auf die russische Moderne hatte, und arbeitet auch als Porzellanmaler. Als solcher nahm er mit einigen Arbeiten 1925 an der Exposition internationale des arts décoratifs et industriels modernes in Paris teil, jener Ausstellung, die dem Art déco seinen Namen gab.

Ein Zeitgenosse Suetins, der ebenfalls als Maler und Grafiker tätig war, war David Petrowitsch Shterenberg. Shterenberg entstammte einer jüdischen Familie aus der Ukraine. Nachdem er bereits in Odessa Malerei studiert hatte, ging er 1906 nach Paris, wo er den Kubismus für sich entdeckte und schließlich einen gegenstandslosen Stil verfolgte.

Nach der Russischen Revolution von 1917 kehrte er nach Russland zurück, wo seine Kunst wohlwollend aufgenommen wurde. Durch Kontakte wurde er Mitarbeiter und Leiter in verschiedenen Kunst-Kommissionen und -einrichtungen. Doch der Geschmack der neuen Sowjetregierung änderte sich mit der Zeit und ab den 1930er Jahren sah sich Shterenberg gezwungen, in einem realistischeren Stil zu malen. Seine abstrakten Arbeiten verschwanden aus den Museen.

Die Auktion, die neben Gemälden auch russische Möbel, Ikonen, Holzkästchen und das begehrte russische Silberkunsthandwerk bereithält, findet am 6. November um 14:30 Uhr in den Drouot-Auktionssälen in Paris statt. Dort können alle 289 Lose der Auktion am 5. November (11-18 Uhr) und am Auktionstag (11-12 Uhr) besichtigt werden.

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