Ein seltener Flügel von Louis Majorelle wird versteigert

Louis Majorelle gehört zu den großen Namen des französischen Jugendstils. Am 16. Mai wird bei Tajan einer der vier Flügel mit dem "sterbenden Schwan" aus Richard Wagners "Parsifal" versteigert, die der geniale Kunsttischler gemeinsam mit Victor Prouvé geschaffen hatte.

Ein seltener Flügel von Louis Majorelle wird versteigert

Obwohl er sich eigentlich der Malerei und Bildhauerei verschreiben wollte, ging Louis Majorelle als etablierter Kunsttischler in die Geschichte ein, nachdem er Ende der 1870er Jahre die Tischlerei seines verstorbenen Vaters übernommen hatte.

Schnell fand Majorelle mit seinen Holzmöbeln zu einem eigenen Stil, der mit seiner klaren Formgebung im Gegensatz zu den bevorzugten Möbelstücken seiner Zeitgenossen stand. Majorelle ließ sich in jeder Hinsicht von der Natur inspirieren, sei es bei der Fokussierung auf die natürliche Farbe der Hölzer, die er verwendete oder bei den gebogenen Formen, die er manchmal mit ebenso geformten Bronzen ergänzte. Es waren Möbelstücke von höchster Qualität, die den "natürlichen" Luxus des Jugendstils verkörperten.

Louis Majorelle (1859-1926) & Victor Prouvé (1858-1943), Flügel "La Mort du Cygne", Mahagoni, Obsthölzer, vergoldete Bronze, datiert 1903 | Foto: © TajanLouis Majorelle (1859-1926) & Victor Prouvé (1858-1943), Flügel "La Mort du Cygne", Mahagoni, Obsthölzer, vergoldete Bronze, datiert 1903 | Foto: © Tajan

Nachdem er 1900 bei der Weltausstellung in Paris große Erfolge hatte feiern können, präsentierte er vier Jahre später im Salon de la Société des Beaux-Arts einen Flügel aus Holz, dessen aufwändige Marketerie das Thema des sterbenden Schwans ("La Mort du Cygne") aufgriff. Der Entwurf der Marketerie stammte vom Maler Victor Prouvé. Das Motiv ist Ende des 19. Jahrhunderts in der Kunst interdisziplinär verbreitet und kommt sowohl in der Dichtung Baudelaires als auch in den Kompositionen Tschaikowskis vor. 1905 kam schließlich noch das ergreifende Tanz-Solo der Primaballerina Anna Pawlowa hinzu.

Die für den Flügel verwendete Szene war jedoch von der 1882 uraufgeführten Wagner-Oper Parsifal inspiriert, jenem Monat im 1. Aufzug, in dem der junge Parsifal einen als heilig angesehen Schwan erlegt.

Louis Majorelle (1859-1926) & Victor Prouvé (1858-1943), Flügel "La Mort du Cygne", Mahagoni, Obsthölzer, vergoldete Bronze, datiert 1903 | Foto: © TajanLouis Majorelle (1859-1926) & Victor Prouvé (1858-1943), Flügel "La Mort du Cygne", Mahagoni, Obsthölzer, vergoldete Bronze, datiert 1903 | Foto: © Tajan

Seine gesamte Linienführung zeichnet den Flügel mit Erard-Mechanik als ein emblematisches Objekt des Jugendstils aus, das bei privaten Musikabenden glänzen konnte. Für Louis Majorelle war die Arbeit an dem Musikinstrument äußerst wichtig, sodass er auch beim Entwurf des Schwanenmotivs keine Abstriche machen wollte. Daher beauftragte er damit den Maler Victor Prouvé, einer bedeutenden Persönlichkeit der École de Nancy, deren Leitung er 1904 nach dem Tod Émile Gallés übernahm.

Das auf den ersten Blick dramatische Motiv ist gleichsam ein Hinweis auf die hohe Klangqualität des Musikinstruments, da in der Mythologie der Gesang eines sterbenden Schwans als besonders melodisch angesehen wird.

Zeit ihres Lebens große Förderer der École de Nancy waren die Kaufleute Eugène Corbin und Charles-Auguste Masson, die den Künstlern der Schule regelmäßig Aufträge gaben. Der vorliegende Flügel war zunächst Teil der Sammlung Masson bevor weitere Besitzer in den Vereinigten Staaten und Japan folgten.

Der seltene Flügel ist nicht das einzige Möbelstück von Louis Majorelle, das in der Auktion aufgerufen wird. Ein weiteres ist ein zwischen 1900 und 1903 geschaffenes Bureau aux Nénuphars ("Seerosen-Sekretär") aus Mahagoni, dessen Bronzeverzierungen die Form der Wasserpflanzen aufgreifen.

Louis Majorelle (1859-1926), Bureau aux Nénuphars, Mahagoni, vergoldete Bronze c.a 1900-1903 | Foto: © TajanLouis Majorelle (1859-1926), Bureau aux Nénuphars, Mahagoni, vergoldete Bronze c.a 1900-1903 | Foto: © Tajan

Louis Majorelle betätigte sich nebenbei auch als Kunstschmied und widmete sich dabei auch Welt der Beleuchtung. Ein Ergebnis dieser Bemühungen ist dieser Deckenleuchter aus vergoldeter Bronze und Glas, der in Zusammenarbeit mit Daum Nancy entstanden war. Ein schönes Beispiel dafür, wie die technischen Neuerungen jener Epoche in den Dienst der von der Natur inspirierten Kunst gestellt wurden.

Louis Majorelle (1859-1926) & Daum Nancy, Großer Leuchte raus vergoldeter Bronze und Glas | Foto: © TajanLouis Majorelle (1859-1926) & Daum Nancy, Großer Leuchte raus vergoldeter Bronze und Glas | Foto: © Tajan

Der Auktionskatalog umfasst Stücke des Jugendstil, des Art Déco und weitere dekorative Objekte des 20. Jahrhunderts, die von Künstlern wie Louis Majorelle, Émile Gallé, Louis Comfort Tiffany, Jean Royère und Paul Dupré-Lafon sowie der Glasmanufaktur Daum Nancy stammen. Versteigert werden die 146 Lose der Auktion am 16. Mai um 18 Uhr bei Tajan in Paris.

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