Die diesjährige Herbstauktion der Hermann Historica findet in zwei Auktionsblöcke aufgeteilt im November statt: 5.-10. November sowie 20.-23. November. Das interessierte Publikum darf sich auf eine gewohnt spannende Offerte mit historisch und militärhistorisch bedeutenden Objekten freuen, die durch herausragendes Kunsthandwerk ergänzt wird.

Antiken

In den meisten Fällen müssen für die Datierung von vor- und frühgeschichtlichen Objekten vergleichende Methoden herangezogen werden, die lediglich eine relative Einordnung erlauben. Bei schriftführenden Völkern wie den Griechen und Römern kann es aber auch anders aussehen. Dies ist bei dem vorliegenden spätrömischen Messbecher der Fall, der anhand seiner Inschrift auf den Zeitraum zwischen 402 und 408 datiert werden kann (Los 3076). In jenen Jahren regierten drei Kaiser im Römischen Reich, das soeben in einen Ost- und einen Westteil aufgeteilt worden war: Arcadius und sein Sohn Theodosius II. im Osten sowie Honorius im Westen. Die Büsten der drei Kaiser zieren auch den Griff des Messbechers, dessen Abnutzungsspuren auf einen zeitweiligen Gebrauch als Mörser hindeuten.

Sozusagen von der anderen Seite des Murus Gallicus stammen die Beschläge eines keltischen Prunkgürtels aus Silber, dessen quadratisches Element einen Krieger zu Pferd darstellt (Los 3132). Als Herkunftsgebiet kommt der ostkeltische Raum zwischen Balkan und Schwarzem Meer infrage. Der quadratische Beschlag stellen hervorragende Beispiele für die hochqualitative Silbertoreutik der jüngeren Eisenzeit in jenem Gebiet dar.

Kunsthandwerk

Von handwerklich höchster Qualität sind auch eine Tapisserie und eine vergoldete Miniaturkassette aus dem 17. Jahrhundert. Bei der Kassette handelt es sich um eine der hochwertigen Arbeiten der Werkstatt des Kunstschlossers und Büchsenmachers Michael Mann, der vor allem in Nürnberg, aber auch in Augsburg und Fürth tätig war. Die Wände sowie den Boden und den Deckel aus vergoldetem Messingblech zieren feine Gravuren (Los 3376).

Rund ein halbes Jahrhundert jünger ist eine in Farbe und Qualität hervorragend erhaltene Tapisserie aus der flämischen Stadt Audenarde (Oudenaarde). Umgeben von einer Bordüre aus Ranken und Früchten ist eine Szene mit dem siegreichen David zu sehen, der den Kopf des Goliath in seinen Händen hält (Los 3489).

Beachten Sie auch eine hochinteressante Sammlung von historischen Messinstrumenten, die in der Auktion zum Aufruf kommen wird.

Alte Waffen

Rüstungen aus Metallplatten, die ab dem 13. Jahrhundert nach und nach das Kettenhemd ersetzten oder ergänzten, hatten die Aufgabe, ihrem Träger im Kampf sowohl Schutz als auch Beweglichkeit zu bieten. Die Lösung war ihre Anfertigung aus mehreren Teilen, die mit Riemen oder Haken und Ösen miteinander verbunden wurden. Ein interessantes Beispiel kommt in der Auktion mit einem gotischen Feldharnisch zum Aufruf, der im späten 15. Jahrhundert in Süddeutschland und Innsbruck gefertigt wurde (Los 4715).

Waffenarsenale mit wortwörtlich immer höherer Durchschlagskraft ließen die Ritterrüstungen immer schwerer werden - so schwer, dass die Reiter teilweise mit einem Kran auf ihr tapferes Ross gehoben werden mussten. Steigbügel fanden natürlich auch weiterhin Verwendung.  Ein sehr schönes Prunkpaar aus teilvergoldetem Schmiedeeisen liegt mit einer Arbeit des Münchner Eisenschneiders Caspar Spät aus dem 17. Jahrhundert vor (Los 4705). Zu dieser Zeit waren Rüstungen bereits obsolet und die Steigbügel kamen wieder ihrer namengebenden Funktion nach.

Asien, Orient und Afrika

Faszinierende Stücke aus fernen Ländern haben ebenfalls ihren Weg in das Münchner Auktionshaus gefunden. Aus dem Persien der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts stammt eine geschnittene und goldtauschierte Rüstungsgarnitur, die aus dem für die Region typischen Wootzdamast hergestellt wurde (Los 3975).

Wenige Jahre später wurde in China eine flache Flasche aus Kupfer geformt, die mit einem bezaubernden Blüten- und Blätterdekor aus polychromem Cloisonné-Emaille verziert wurde (Los 4293). Zusätzlich verfügt sie über eine feuervergoldete Montierung, die zu beiden Seiten des gebauchten Halses die Form eines Drachen hat.

Historische und militärhistorische Objekte

Ein Objekt, das einst einer bekannten Persönlichkeit gehört hat, sein Eigen nennen zu dürfen, ist für so manchen ein erstrebenswertes Ziel. Eine historische Person, die in heutiger Zeit viele Bewunderer hat, ist die österreichische Kaiserin Elisabeth („Sisi“), die für ihre Schönheit und ihr zurückgezogen geführtes Leben bekannt ist. Auf ihren vielen Reisen wurde Elisabeth von einer besonderen Vorliebe für Griechenland erfasst. Das prunkvolle Petschaft mit der silbernen Figur der Göttin Pallas Athene, die um 1889 vom kaiserlich-königlichen Hofgraveur Heinrich Jauner angefertigt wurde, greift diese Vorliebe auf (Los 6577).

Aus dem Besitz von Elisabeths Großvater mütterlicherseits, König Maximilian I. Joseph von Bayern, stammt ein einzigartiges Kaffe- und Teeservice, das um 1810/20 in der Manufaktur Nymphenburg angefertigt wurde (Los 6954). Die Papageienmotive des Dekors stammen aus dem ornithologischen Werk Histoire Naturelle des perroquets von Francois Levaillant und Jacques Barraband. Eine Ausgabe dieses Werks soll der bayrische Monarch, dessen älteste Tochter Auguste mit dem Stiefsohn Napoléon Bonapartes verheiratet worden war, vom Kaiser der Franzosen erhalten haben.

Ein weiteres Los aus der napoleonischen Ära kommt mit einer venezianischen Uniform zum Aufruf (Los 6362). Die in Grün, Weiß und Rot gehaltene Uniform wird durch den Degen des Kommandanten der Ehrengarde der Lagunenstadt ergänzt, die zwischen 1805 und 1814 Teil des damaligen Königreiches Italien war.

Auch einer der seltensten Helme überhaupt, ist in der Auktion vertreten (Los 6560). Dabei handelt es sich um einen Helm der Palastgarde des Kaisers Maximilian I. von Mexiko, einem der jüngeren Brüder des österreichischen Kaisers Franz Joseph I. Maximilians Herrschaft dauerte lediglich drei Jahre, und auch die Anzahl der Helme seiner Garde war mit nur etwa 40 Stück rar gesät, noch weniger haben die Jahrzehnte überdauert.

Des Weiteren kommt eine interessante Auswahl an Schusswaffen aus fünf Jahrhunderten zum Aufruf, außerdem die Sammlung Johann Lux, die viele seltene moderne Waffen umfasst.

Sehen Sie hier die Auktionstermine im Überblick:

  • 5.-7. November: Schusswaffen auf fünf Jahrhunderten
  • 8. November: Die Sammlung Lux - Ordonnanzrevolver und -pistolen aus aller Welt
  • 9.-10. November: Alte Waffen, Jagdliches und Kunsthandwerk, Antiken
  • 20.-21. November: Orden und militärhistorische Sammlungsstücke (inkl. Deutschland bis 1918)
  • 21. November: Bedeutende italienische Sammlung militärischer Kopfbedeckungen 1848 - 1945
  • 22.-23. November: Deutsche Zeitgeschichte ab 1919

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