Rund 6.500 Lose aus allen Themengebieten des Hauses – Antiken, Alte Waffen, Kunsthandwerk, Jagdliches, Orden sowie historische und militärgeschichtliche Objekte – kommen in der diesjährigen Frühjahrsauktion vom 1. bis 11. Mai zum Aufruf. Groß und qualitätsvoll ist wie gewohnt das Angebot an Kostbarkeiten aus vielen Zeiten und Regionen.

Im Kapitel der Antiken finden sich wieder einzigartige, feinst gearbeitete und teils langjährig in namhaften Sammlungen dokumentierte Objekte aus den begabten Händen archaischer Schmiede. Herausragend ist hier aus dem fünften bis frühen vierten Jahrhundert vor Christus ein illyrischer Bronzehelm mit Punzenverzierung an Wangenklappen und Gesichtsausschnitt. Aus einem Stück gefertigt und mit Taxe von 12.000 Euro beeindrucken an ihm nicht nur der belegte Werdegang, sondern auch die Erhaltung.

Das seldschukische Räuchergefäß aus Bronze, dessen Korpus aus drei identischen Gesichtern geformt ist, ist ein wunderbarer Beleg orientalischer Kunstfertigkeit. Dem Betrachter von allen Seiten zugewandt, sind die Antlitze markant mit hervortretenden Wangen, spitzem Kinn, Augen, Nase und Mund ausgearbeitet. Stilisierte Kreuze weisen zudem auf eine Herkunft aus dem Spannungsfeld zwischen christlicher und orientalischer Kultur. Das singuläre Stück in exzellentem Zustand kann eine neue Kollektion ab 18.000 Euro bereichern.

Im renommierten Germanischen National Museum in Nürnberg befindet sich ein Vergleichsstück zu der gotischen Zimmertür, die um 1400 in eben dieser Stadt gefertigt wurde. Vorderseitig präsentiert die eindrucksvolle mittelalterliche Arbeit schräg überlappende Eisenbänder mit erhabenen, blütenförmigen Nietköpfen. Gemodelte Bleche, mal das Stadtwappen von Nürnberg, mal heraldische Adler und Löwen zeigend, füllen die rautenförmigen Zwischenräume. Ein handwerkliches Meisterstück für das Gebote ab 9.000 Euro willkommen sind.

Eine grandiose Arbeit höchster Uhrmacherkunst aus jüngster Zeit ist mit der Ulysse Nardin, Modell Astrolabium Galileo Galilei im Aufruf. Mit 21 Komplikationen, unter anderem Monats- und Datumsanzeige, Tierkreiszeichen, Anzeige verschiedener Planeten- und Sternenbahnen, Sonnen- und Mondfinsternis fand sie 1989 Einzug in das Guinness Buch der Rekorde als die Armbanduhr mit der größten Anzahl von Zusatzmechanismen. Ein wahres Wunderwerk der Technik, das einem neuen Besitzer mindestens 19.000 Euro wert sein muss.

Jedes Detail des dekorativen deutschen Turnierharnisches im Augsburger Stil aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts ist genauestens durchdacht, einer Funktion geschuldet und dazu noch kunstvoll verarbeitet. Bestmöglichen Schutz und größtmögliche Beweglichkeit sollten die mittelalterlichen Rüstungen ihrem Träger bieten. So lenkten Brechränder die Angriffe vom Körper ab und die Verarbeitung in Schüben erlaubte das Beugen der Gelenke. Komplettiert mit einem geschlossenen Helm kann der zusammengesetzte Harnisch ab 25.000 Euro ersteigert werden.

Vergleichsstücke zu dem deutschen Degen aus den ersten Dekaden des 17. Jahrhunderts finden sich in den Militärmuseen von Stockholm und Paris. Besonders augenfällig ist das auf geschwärztem Grund fein tauschierte, silberne Dekor von Blütenranken und Cherubim am Bügelgefäß sowie am achtfach gerippten Knauf. Die heute kaum noch beherrschte Tauschiertechnik, die Intarsienarbeit der Metallkünstler, fand nur bei hochwertigen Objekten Anwendung und lässt den auf 14.000 Euro taxierten Reiterdegen zu einem sehr besonderen Sammlungsobjekt werden.

In Qualität und Vielfalt gewohnt überzeugend ist erneut das Angebot an Losen aus China, Japan, Indien, dem Osmanischen Reich und Afrika. Der Reigen der seltenen, prunkvollen und erhabenen Lose in diesem Kapitel wird eröffnet mit einem bedeutenden, chinesischen Lanzenschuh aus Bronze mit Gold- und Silbereinlagen aus der Zeit der Streitenden Reiche im vierten und dritten Jahrhundert vor Christus. Ab 27.000 Euro steht das reich mit stilisierten Vogelköpfen dekorierte und langjährig für eine Sammlung dokumentierte Stück zur Versteigerung.

Nicht nur als Beleg der Vorgänge ihrer Zeit und damit historisch bedeutsame Sammlungstücke, sondern dazu auch noch kunstfertigst gestaltet, fallen Urkunden eine besondere Aufmerksamkeit zu. Eigenhändig vom großen preußischen König Friedrich II. unterzeichnet, ist die Stiftungsurkunde für das Ordenskreuz des „adelichen freyweltlichen Fräuleinstiftes St. Marien Minden“ von 1778 ein seltenes wie schönes Dokument. Die Pergamenturkunde mit kunstvoll kreiertem Stiftungstext und handkolorierten Abbildungen der Ordensinsignien steht ab 12.500 Euro zur Versteigerung.

Unter den angebotenen Kostbarkeiten aus dem persönlichen Besitz europäischer Herrscher ist in diesem Frühjahr ein mit Monogramm, Königskrone und Lorbeerkranz graviertes Teleskop-Fernrohr aus der privaten Verwendung von König Ludwig II. (1845 - 1886). Aus Messing fünfschübig gefertigt und ab 7.500 Euro zu ersteigern, lässt sich das Fernrohr auf eine Gesamtlänge von 55 Zentimeter ausziehen. Ein Vergleichsstück wird in Schloss Hohenschwangau verwahrt, von wo aus der König bis zu seinem Tode 1886 die Baufortschritte von Schloss Neuschwanstein beobachtete.

Große Namen und singuläre historische Belegstücke aus deren Besitz eröffnen den Reigen der russischen Militär-Objekte. Glanzvolle Höhepunkte dieses Kapitels sind außerordentlich seltene Blankwaffen. So ein auf 1844 datierter, in Solingen bei P.W. Knecht gefertigter Geschenk-Pallasch, der von Zar Nikolaus I. von Russland (1796 - 1856) an Prinz Georg von Hessen-Darmstadt (1780 – 1856) übergeben wurde. Gebote ab 15.000 Euro werden für den überaus raren Pallasch mit zweischneidiger Klinge und dreispangigem feuervergoldeten Messing-Gefäß gefordert.

Teils einzigartig und museal können dem interessierten Fachpublikum auch in der Frühjahrsauktion wieder ausgewählte Orden und Ehrenzeichen präsentiert werden. Darunter brillieren phaleristische Sensationen, wie das Set der 1. Klasse mit Brillanten des St.-Anna-Ordens, das unzweifelhaft seit Dekaden als eine der besten russischen Ordensgarnituren auf dem Markt zu werten ist. Seltenheit und Erhaltung finden Niederschlag im Preis und so muss für das transluzid-rot emaillierte Kreuz auf graviertem Golduntergrund mit feinster Emaillemalerei mindestens 30.000 Euro geboten werden.

Wahre Sammlerträume komplettieren das Angebot im Kapitel der antiken Schusswaffen. Ein Paar unvergleichlicher Luxus-Steinschlosspistolen aus der Waffenkammer der Fürsten von Lobkowitz gereichte in Wertigkeit und Eleganz fraglos seinem Besitzer und dessen Stellung zur Ehre. 1730 in der Prager Werkstatt des überaus begabten Paul Ignazius Poser gefertigt, wurde jedes Metallelement vom nicht minder berühmten Franz Matzendorf mit feinster Eisenschnittarbeit veredelt. 60.000 Euro müssen für diese Meisterwerke aufgebracht werden.

Die Auktionen der Hermann Historica finden vom 1.-11. Mai in München statt. Die Ausstellung zur Auktion ist für Besucher am 26., 27. und 30. April sowie am 7. Mai jeweils von 14-18 Uhr geöffnet.

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