Highlights moderner Dekoration bei Lempertz

Mit der fulminant bestückten Auktion "The Modern Style" läutet Lempertz seine Herbstsaison ein und präsentiert Möbel und Dekoratives aus den Anfängen moderner Raumgestaltung. Im September außerdem dabei: Gemälde aus fünf Jahrhunderten.

Sèvres/Jacques-Émile Ruhlmann/Irène Roy-Chambon, Vase Ruhlmann N°3 sur socle carré en bronze, Porzellan, teilvergoldet, 1926/1932 | Foto: Lempertz
Sèvres/Jacques-Émile Ruhlmann/Irène Roy-Chambon, Vase Ruhlmann N°3 sur socle carré en bronze, Porzellan, teilvergoldet, 1926/1932 | Foto: Lempertz

Zum ersten Mal widmet das Auktionshaus Lempertz eine ganze Auktion Möbeln und dekorativen Objekten der 1920er und 1930er Jahre - eine Epoche, in der sich die moderne Einrichtungsweise etablierte. Die Versteigerung mit 134 traumhaften Möbeln, Vasen, Skulpturen und Glasarbeiten findet am 17. September in Brüssel statt.

Wegweisend für die 1920er und 1930er Jahre waren die Möbel und Dekorationen des französischen Innenarchitekten Jacques-Émile Ruhlmann, die den Geist des Art Déco in vollen Zügen atmeten. Originale Stücke von Ruhlmann kommen unter drei Losnummern zum Aufruf.

Jacques-Émile Ruhlmann, Bibliotheksschrank Bibol trois pleines, Elsbeere auf Mahagoni, Elfenbein, Metall, um 1923 | Foto: Lempertz
Jacques-Émile Ruhlmann, Bibliotheksschrank Bibol trois pleines, Elsbeere auf Mahagoni, Elfenbein, Metall, um 1923 | Foto: Lempertz

Ein geradezu exemplarisches Beispiel für den Ruhlmann-Stil kommt mit dem um 1923 entworfenen Bibliotheksschrank Bibol trois pleines zum Aufruf, der unter Verwendung von Elsbeere, Mahagoni, Elfenbein und Metall ausgeführt wurde.

Jacques-Emile Ruhlmann/Alfred Porteneuve, 6 Clubsessel, Holz, Leder, Entwurf 1917 | Foto: Lempertz
Jacques-Emile Ruhlmann/Alfred Porteneuve, 6 Clubsessel, Holz, Leder, Entwurf 1917 | Foto: Lempertz

Aus der Frühzeit des Art Déco, von dessen Formgebung jedoch beirrest ganz durchdrungen, stammt ein weiteres Highlight von Ruhlmann: Ein Satz seltener Clubfauteuils mit Lederbezügen aus dem Jahr 1917. Sowohl die Sessel als auch der Bibliotheksschrank wurden vermutlich von Ruhlmanns Neffen und Mitarbeiter Alfred Porteneuve ausgeführt.

Sèvres/Jacques-Émile Ruhlmann/Irène Roy-Chambon, Vase Ruhlmann N°3 sur socle carré en bronze, Porzellan, teilvergoldet, 1926/1932 | Foto: Lempertz
Sèvres/Jacques-Émile Ruhlmann/Irène Roy-Chambon, Vase Ruhlmann N°3 sur socle carré en bronze, Porzellan, teilvergoldet, 1926/1932 | Foto: Lempertz

Eine Gemeinschaftsarbeit von Ruhlmann (Form), Irène Roy-Chambon (Dekor) und der Porzellanmanufaktur Sèvres (Ausführung) ist die Vase Ruhlmann N°3 sur socle carré en bronze, die 1926 entworfen und 1932 ausgeführt wurde.

Vom "König der Jugendstil-Glasvase" Émile Gallé kommt eine frühe Arbeit aus den 1880er Jahren zum Aufruf, die bereits Gallés Motivsuche in der Natur verdeutlicht. Die Vase mante religieuse aus schräg geripptem Klarglas zieren Chrysanthemenzweige sowie eine große Gottesanbeterin.

Links: Émile Gallé, Vase mante religieuse, Klarglas mit polychromem Reliefemaille, um 1880-90 || Rechts: Haagsche Plateelbakkerij Rozenburg, Deckelvase aus Eierschalenporzellan mit Clematisranken, Den Haag, 1899 | Fotos: Lempertz
Links: Émile Gallé, Vase mante religieuse, Klarglas mit polychromem Reliefemaille, um 1880-90 || Rechts: Haagsche Plateelbakkerij Rozenburg, Deckelvase aus Eierschalenporzellan mit Clematisranken, Den Haag, 1899 | Fotos: Lempertz

Die Liebe des Jugendstils zur Natur kommt auch bei einer bedeutenden Deckelvase mit Clematisranken von 1899 zum Ausdruck. Ausgeführt wurde das Stück aus Eierschalenporzellan von der Haagsche Plateelbakkerij Rozenburg in Den Haag.

Lucien Gaillard, Schale aus Vermeil, Elfenbein und Steinzeug mit tannengrüner Verlaufglasur, 1901 | Foto: Lempertz
Lucien Gaillard, Schale aus Vermeil, Elfenbein und Steinzeug mit tannengrüner Verlaufglasur, 1901 | Foto: Lempertz

Ein weiteres bedeutendes Stück der Offerte ist eine figürlich-vegetabile Schale aus Vermeil, Elfenbein, Steinzeug und tannengrüner Verlaufglasur, die der französische Goldschmied und Juwelier Lucien Gaillard 1901 ausgeführt hat - ein Jahr nachdem er für seine gefassten Keramiken den Großen Preis der Pariser Weltausstellung einheimsen konnte.

Am 20. September folgt in Lempertz' Stammhaus in Köln die traditionelle Herbstauktion mit knapp 200 Gemälden des 15.-19. Jahrhunderts. Angeführt wird diese Offerte von einem ihrer ältesten Objekte: Madonna mit Kind wurde Ende des 15. Jahrhunderts von einem Niederrheinisch-Kölnischer Meister in Öl und Tempera auf Holz ausgeführt. Das Gemälde befand sich einst im Besitz des Porträtmalers Franz von Lenbach.

Niederrheinisch-Kölnischer Meister Ende 15. Jahrhundert, Madonna mit Kind, Öl u. Tempera/Holz | Foto: Lempertz
Niederrheinisch-Kölnischer Meister Ende 15. Jahrhundert, Madonna mit Kind, Öl u. Tempera/Holz | Foto: Lempertz

Aus dem Umkreis des flämischen Stilllebenmalers Ossian Beert stammt ein Stillleben mit Früchten in einer Porzellanschale, Gläsern und einem Brot, das mit seiner reich bestückten Obstschale ausgezeichnet zur aktuellen Jahreszeit passt.

Ossian Beert (um 1580 Antwerpen 1623) Umkreis, Stillleben mit Früchten in einer Porzellanschale, Gläsern und einem Brot, Öl/Kupfer | Foto: Lempertz
Ossian Beert (um 1580 Antwerpen 1623) Umkreis, Stillleben mit Früchten in einer Porzellanschale, Gläsern und einem Brot, Öl/Kupfer | Foto: Lempertz

Unter einer gemeinsamen Losnummer kommen zwei Arbeiten eines holländischer Meisters der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts zum Aufruf, die jeweils ein Stillleben mit einem Kücheninterieur miteinander verbinden.

Holländischer Meister der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts, Zwei Kücheninterieurs, Öl/Lwd. | Fotos: Lempertz
Holländischer Meister der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts, Zwei Kücheninterieurs, Öl/Lwd. | Fotos: Lempertz

Eines ebenso feines wie intimes Mutter-Kind-Bild des 19. Jahrhunderts wird dem englischen Porträtmaler James Sant zugeschrieben. Bei den dargestellten Personen handelt es sich um Elizabeth, die Frau des Malers, und die gemeinsame Tochter Mary Edith. Weniger akademisch denn locker-impressionistisch führte Josef Kühn der Jüngere hingegen ein lichtdurchflutetes Interieur mit Dame bei der Handarbeit aus.

Links: James Sant (1820 Croydon-1916 London) attr., Elizabeth Sant, die Frau des Malers, mit Tochter Mary Edith, Öl/Lwd. || Rechts: Josef Kühn d. J. (1872 Mannheim-1933 München), Interieur mit Dame bei der Handarbeit, Öl/Lwd., signiert | Fotos: Lempertz
Links: James Sant (1820 Croydon-1916 London) attr., Elizabeth Sant, die Frau des Malers, mit Tochter Mary Edith, Öl/Lwd. || Rechts: Josef Kühn d. J. (1872 Mannheim-1933 München), Interieur mit Dame bei der Handarbeit, Öl/Lwd., signiert | Fotos: Lempertz

1913 reiste der Landschaftsmaler Paul Müller-Kaempff an Bord eines Schiffes der Oldenburgisch-Portugiesischen Reederei auf die Kanarischen Inseln und führte dort 24 Ansichten der Landschaft aus, die in den Salons der Schiffe der Reederei aufgehängt wurden.

Paul Müller-Kaempff (1861 Oldenburg-1941 Berlin), Ansicht von Teneriffa, Öl/Lwd., signiert | Foto: Lempertz
Paul Müller-Kaempff (1861 Oldenburg-1941 Berlin), Ansicht von Teneriffa, Öl/Lwd., signiert | Foto: Lempertz

Der Verbleib der meisten dieser Gemälde ist unbekannt, weshalb das vorliegende Werk, bei dem es sich vermutlich um eine Ansicht von Teneriffa handelt, um eine äußerst seltene Gelegenheit.

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