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Typisch für die Herstellung von Mobiliar im alpinen Raum sind Weichhölzer (meist Nadelhölzer), die noch knapp unter der Baumgrenze vorkommen. Sie wurden für Schrägpfostentische, Brettstühle oder doppeltürige, oft datierte Schränke, wie beispielsweise der Bodenseeschrank, verwendet.

Von dem tiefen christlichen Glauben der alpinen Bewohner im 19. Jahrhundert zeugen die "Herrgottsecken" mit Kruzifixen, die in keiner Stube fehlen durften. Aber auch andere Objekte wurden für religiöse Zwecke angefertigt, wie der "Suppenbrunzer". Das Innere dieser auch "Heiliggeistkugel" genannten Glaskugeln wurden mit religiösen Figuren und Szenen bestückt. Sie gehen auf die auch andernorts bekannten "Geduldsflaschen" zurück.

"Schöne Kammer" im Obergeschoss mit Brautmöbel

Als ab der Mitte des 18. Jahrhunderts der Rokokostil aus den Schlössern des Adels zugunsten eines schlichteren Klassizismus weichen musste, setzte der Trend der geschwungenen Linien und bunten Farben in den alpinen Bauernstuben erst so richtig ein, bevor auch er im Laufe des 19. Jahrhunderts von naturbelassenem Mobiliar abgelöst wurde.

Zur Aussteuer einer bayerischen Braut gehörten eine verzierte Truhe und ein Wäscheschrank. Diese Möbelstücke wurden am Tag der Hochzeit auf dem sogenannten "Kammerwagen" durch das Dorf gefahren und so der Dorfgemeinschaft präsentiert.

Interessanterweise ist der Schrank aus Schwaben, den Sie oben rechts im Bild sehen, mit maritimen Motiven bemalt worden. Er zeigt, dass man auch im Süden Deutschlands "Lust auf Meer" hatte.

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Die Tage in den ländlichen Gebirgsregionen waren vor allem vom harter körperlicher Arbeit geprägt, sowohl auf den Wiesen als auch in den Häusern. Flachs, die harte Faser des Leins, wurde zu Stoffen verarbeitet, bevor er gegen Ende des 19. Jahrhunderts von der Baumwolle weitestgehend verdrängt wurde.

Im Bild sehen Sie eine Flachsbreche, die ihr Hersteller und/oder Eigentümer mit seinen Initialen "R.K." versehen und datiert hat. Ein beinahe identisches Modell verwendet die Bäuerin in der Fotografie von Ludovico Wolfgang Hart.

Das Hinterglasbild zeigt eine Darstellung der Notburga von Rattenberg. Die Tiroler Volksheilige wird als Patronin der Landwirtschaft und der Dienstmägde sowie der Arbeitsruhe und des Feierabends verehrt. Ihr typisches Attribut ist die Sichel.

Ludovico Wolfgang Hart - Bäuerin in Baldingen auf der Baar beim Flachsbrechen, 1864 Ludovico Wolfgang Hart - Bäuerin in Baldingen auf der Baar beim Flachsbrechen, 1864

Alle vorgestellten Bauernmöbel werden am 15. Juli vom Auktionshaus Eppli in der Auktionshalle in Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart versteigert. Ebenfalls zum Aufruf kommen, Spielzeug, Schmuck, Uhren, Porzellan, Asiatika und Kunst. Auktionsbeginn ist um 11 Uhr.

Entdecken Sie das gesamte aktuelle Angebot von Eppli hier bei Barnebys.

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