Die Entwicklung des Interieurs in den Salons von Adel und Bürgertum unterscheidet sich von jener, die in den bäuerlichen Stuben vonstatten ging. Allerdings ließ sich letztere gerne von ersterer inspirieren, weshalb sie immer ein wenig "hinterher hinkte", sich dafür aber auch länger treu blieb.

Im Verlauf des 17. Jahrhunderts begann der Adel bei der Einrichtung seiner Räumlichkeiten zunehmend Wert auf Raffinesse zu legen. Gleichzeitig war er dabei verstärkt internationalen Modeerscheinungen unterworfen, die bestimmten, was "in" war. Von Frankreich aus, eroberte der prunkvolle Barockstil ganz Europa, seine Raffinesse beschränkte sich nicht nur auf die Formgebung, sondern verlangte auch nach qualitätsvollen Materialien.

Auch den damaligen Bauern, die den bei weitem größten Teil der Bevölkerung ausmachten, gefiel der Stil der oberen Schichten und sie begannen ihn zu imitieren. Da sich ein Bauer so teure Möbel niemals hätte leisten können, machte er sich einfach selbst ans Werk und verwendete das, was er sozusagen vor der Haustür fand.

Im alpinen Raum griff man für die Möbelherstellung auf Weichhölzer, vor allem Kiefer und Tanne, zurück, denn Nadelbäume wachsen auch noch in höher gelegenen Regionen bis zur Baumgrenze. Eine hohe Vielfalt an Möbelstücken konnte man im ländlichen Bereich ebenfalls nicht erwarten. Die Auswahl beschränkte sich vor allem auf Truhen, Tische, Stühle, Betten und Schränke. Die Funktionalität spielte eine gewisse Rolle.

Die Blütezeit der Bauernmöbel war im 18. Jahrhundert. Die geschwungenen Formen, verschnörkelten Beschläge und reichen Intarsien erreichten auch außerhalb der Schlösser und Bürgerhäuser ihre "Fans". Auch die prächtig im Rokokostil ausgeschmückten Kirchen in Oberbayern und Österreich taten jeden Sonntag ihr Übriges, um die Landbevölkerung zu inspirieren.

Um die aufwändigen Dekors der oberen Schichten zu imitieren, griff man auf farbenfrohe Malerei zurück - übrigens nicht nur auf den Möbeln, sondern auch an den Wänden. Als Anstrichmittel diente die Kaseinfarbe, eine Art der Temperafarbe auf Magermilch- oder Quarkbasis. Dieser Grundmasse wurden Kalk sowie Pigmente aus Pflanzensaft beigemischt, u.a. von Beeren, Blumen oder auch Erbsen.

Während sich Adel und Bürgertum Ende des 18. Jahrhunderts, einer Trendwende folgend, bereits wieder den strengen Formen der klassischen Antike zugewendet hatten, blieben die Bauern ihren bunten Rokokoformen noch weit bis ins 19. Jahrhundert treu. Das Aussehen der Möbel unterschied sich von Region zu Region, sodass sie sich oft klar zuordnen lassen. Da die Möbelstücke zudem oftmals als Geschenk zu einem besonderen Anlass, wie einer Hochzeit, dienten, sind sie nicht selten mit der entsprechenden Jahreszahl versehen.

Im fortschreitenden 19. Jahrhundert machte die Industrialisierung aber auch vor den Bauernmöbeln nicht halt. In einigen Regionen, die besonders berühmt für ihre individuellen Dekors gewesen waren und ihre Möbel auch überregional verkaufen konnten, kam es zu Serienproduktionen, durch die das vormalige Interesse zunehmend abnahm.

Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts erlebten Bauernmöbel eine Renaissance und bilden heute eine interessante Ergänzung zu einem von modernen Linien geprägten Interieur.

Die vorgestellten Möbel kommen in der Osterauktion des Dorotheums in Salzburg (27.-29. März) sowie in einer Auktion mit Möbeln und dekorativer Kunst im Palais Dorotheum in Wien (29. März) zum Aufruf.

Das gesamte aktuelle Angebot des Dorotheums können Sie gleich hier bei Barnebys entdecken.

Kommentar