Im Mai berichteten wir von der Versteigerung des ersten Teils der Sammlung Hofstätter im Wiener Dorotheum. Die Auktion war ein voller Erfolg. „Die Auktion hat gezeigt, dass antike Möbel nach wie vor sehr gefragt sind, wenn die Kriterien von hoher Qualität und namhafter Provenienz zusammenspielen", erklärt Dorotheum-Experte Alexander Doczy. Das Highlight war eine außergewöhnliche Zitronenpresse aus Nussholz in Form eines Löwen, die mit einem Ergebnis von 11.607 Euro ihren Schätzpreis von 1.000-1.600 Euro weit übertraf.

Auch die ca. 400 Objekte des zweiten Teils der Sammlung überzeugen mit Qualität und Außergewöhnlichkeit, Sie stammen aus Reinhold Hofstätters Wohnsitz, einem Palais an der Strudlhofstiege, sowie seinem ehemaligen Geschäftslokal in der Wiener Innenstadt.

Die breitgefächerte Offerte zeugt von Hofstätters erlesenem Geschmack für Objekte der unterschiedlichsten Epochen. Neben Gemälden Alter Meister, gotischen Skulpturen und barocken Möbel ist ein Fokus der Auktion auf die exquisiten Stücke des Jugendstils und des Art Déco der Sammlung gerichtet. Vertreten sind Arbeiten von Josef Frank, Josef Hoffmann, Dagobert Peche und Otto Prutscher.

Der außergewöhnliche Keramibrunnen von Otto Prutscher hatte bereits vor Reinhold Hofstätter einen prominenten Besitzer: Burgschauspieler Josef Meinrad (1913-1996), der dem Filmpublikum vor allem durch seine Rolle als "Unglücksmensch" Oberst Böckl in der Sissi-Trilogie mit Romy Schneider in Erinnerung geblieben ist.

Das endzeitliche Werk Der jüngste Tag des österreichischen Architekten und Malers Oskar Laske liegt hier in seiner 2. Fassung vor. Insgesamt existieren drei Ausführungen des Werkes. Eine weitere von 1927 befindet sich in Wiener Privatbesitz, die andere wird in der Ostdeutschen Galerie in Regensburg ausgestellt und stammt aus dem Jahr 1920.

Der Elefantenrüsseltisch von Adolf Loos ist auch für Vegetarier geeignet. Seinen Namen verdankt er nicht seinem Material, sondern der Form seiner Tischbeine. Der Elefantenrüsseltisch war eines der wichtigsten Designs des Wiener Jugendstils und wurde mit sechs oder acht Beinen ausgeführt.

Seine Künste der optischen Täuschung hat Victor Vasarely 1971 in Gestalt einer hochinteressanten Tapisserie ausgelebt. Die Arbeit aus Wolle und goldenem Garn wurde von einem Atelier in Aubusson ausgeführt. Der Ort in Zentralfrankreich ist berühmt für seine dort ansässigen Tapisserie-Werkstätten. Der Name wurde praktisch zum Synonym für Erzeugnisse dieses Kunsthandwerks.

So üppig wie die Sammlung Hostätter ist auch dieses Stillleben der Deutschen Schule aus dem frühen 17. Jahrhundert. Ein interessantes Detail ist die Pfauenpastete rechts oben. Während das Fleisch des Vogel zu einer Pastete verarbeitet wurde, dienen seine primären Merkmale als Dekoration des Gerichts. Derartige Prunkaufbauten, die heute eher makaber wirken, waren bei einer Festtafel der Renaissance stets das Highlight.

Viele interessante Stücke des Kunsthandwerks runden das Angebot der Auktion ab. Sei es ein chinesischer Porzellancachepot mit nachträglicher europäischer Montur aus vergoldeter Bronze, ein reich bemaltes Hochzeitskästchen, das vermutlich aus dem 18. Jahrhundert stammt oder ein frühes Werk von Émile Gallé aus Fayence. Zwei skurille Objekte sind die bronzene Pfeife, die vollplastisch in Form eines Affen angefertigt wurde sowie ein frühes Heizgerät aus Frankreich, das sehr "kafkaesk" daherkommt.

Die Auktion mit Möbeln und dekorativer Kunst findet am 26. September um 16 Uhr im Wiener Dorotheum statt. Die Ausstellung zur Auktion kann dort vom 20. bis 26. September besucht werden.

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