Im 18. und 19. Jahrhundert war die Handwerkskunst in Europa auf ihrem absoluten Höhepunkt. Kunsttischler, Maler, Bronze- und Silberschmiede bedienten das Verlangen ihrer betuchten Kunden mit herausragenden Arbeiten, die sowohl repräsentativ und von ausgesuchter Qualität waren, aber auch einen Hauch von eleganter Intimität auszustrahlen vermochten.

Im Zuge seiner Auktion mit Möbeln, Skulpturen, Porzellan und Silber am 21. September, präsentiert das Zürcher Auktionshaus Koller eine großartige Offerte von Stücken, die nicht nur in ihrer Qualität und Seltenheit einzigartig sind, sondern auch in ihrer Provenienz.

Angeführt wird die spezielle Offerte von einem Paar Empire-Fauteuils, die der Pariser Möbeltischler Pierre-Benoît Marcion Anfang des 19. Jahrhunderts für das französische Kaiserhaus anfertigte. Die Sessel wurden nach Rom geliefert, wo sie im heutigen Palazzo Quirinale im Salon von Napoléon Bonapartes zweiter Gemahlin Marie-Louise von Habsburg platziert wurden. Der Palazzo diente zur Zeit des Ersten Kaiserreichs als repräsentative Residenz des Kaiserpaares in Italien und wurde dementsprechend prunkvoll ausgestattet. Nach der Verbannung Napoléons und der Restauration der Bourbonen-Dynastie in Frankreich, kehrten die Sessel nach Paris zurück und wurden Teil der Einrichtung des Tuilerien-Palastes.

Nicht von kaiserlicher aber von königlicher Herkunft ist ein eleganter Salontisch, dessen Schwanendekor ihm seinen Beinamen "aux cygnes" gab. Die rechteckige Tischplatte ist von einer durchbrochen gearbeiteten, vergoldeten Galerie umgeben. Der Tisch war ursprünglich Teil der Sammlung der niederländischen Königin Juliana (1909-2004).

Zurück nach Italien führt uns eine fantastische Lack-Kommode, die um 1730/40 in Venedig im damals vorherrschenden Louis XV-Stil angefertigt wurde. Die feine und originelle Chinoiserie-Malerei des reich beschnitzten Möbelstücks deutet auf einen venezianischen Kaufmann als Auftraggeber hin, der Handelsbeziehungen zum fernen China betrieb.

Ehemals im Besitz des Modezaren Karl Lagerfeld befand sich dieses Paar schwarz patinierter Bronzebüsten des französischen Bildhauers Simon Louis Boizot. Die dargestellten Iphigenie und Chrysos sind beide Figuren der griechischen Mythologie. Zur Zeit des Entstehens der Büsten war Iphigenie "up-to-date", nachdem der österreichische Komponist Christoph Willibald Gluck mit Unterstützung von Königin Marie Antoinette das Pariser Publikum mit seiner Oper Iphigenie auf Tauris begeistert hatte.

Ebenfalls aus Bronze, jedoch vergoldet und nicht patiniert, ist diese außergewöhnliche Pendule, deren Beiname "Au manège" nicht von Ungefähr kommt. Auf dem oktogonalen Uhrengehäuse wurde eine kannelierte Säule installiert, die gemeinsam mit drei auf Schwänen reitenden Putti ein sich drehendes Karussell bildet. Dieser Mechanismus wird jeweils zum Stundenschlag ausgelöst.

Viele Objekte der Auktion entführen uns ins alte Russland und zu den Künstlern des Zarenreiches. Ein schönes Schreibtischensemble aus Silber stammt aus dem renommierten Hause Fabergé. Das Encrier "Aux mattes de lion" wurde im Stil des Empire angefertigt und besteht aus einer Tischglocke, je einem Deckelgefäß für Tinte und Löschsand sowie einem Tablett, das auf vier Löwenpfoten ruht.

Mit weiteren hervorragenden Arbeiten ist Russland auch in den Auktionen mit Gemälden Alter Meister und des 19. Jahrhunderts (beide am 22. September) vertreten. Unter letzteren finden wir zwei Werke mit stimmungsvoller Lichtwirkung des auf der Krim geborenen Malers Ivan Konstantinovich Aivazovsky. Dem als Marine- und Landschaftsmaler sehr erfolgreichen Aivazovsky bot das Baltikum auf seinen Studienreisen immer wieder ein Motiv. Vorliegend sehen wir eine Ansicht von Reval, das unter dem Namen Tallinn heute die Hauptstadt Estlands ist.

Der tief in der russischen Seele verankerte orthodoxe Glaube wird in der Auktion der Alten Meister durch eine höchst interessante Ikonostase repräsentiert. Die vorliegende Reise- oder Faltikonostase aus der oberen Wolgaregion zeigt eine Vielzahl an Schutzpatronen und Gnadenbildern in Tempera auf Holzgrund. Faltikonostasen kamen auf Reisen, bei den Feldgottesdiensten des Militärs oder in den Sommerhäusern des Adels zum Einsatz.

Verweilen wir noch ein wenig bei den Alten Meistern und werfen einen Blick auf das Stillleben mit Blumenarrangements, Früchten und Insekten des Flamen Osias Beert d.Ä., der neben Jan Brueghel d.Ä. einer der bedeutendsten Stilllebenmaler zu Beginn des 17. Jahrhunderts war. Bei dem vorliegenden Werk wird die Meisterschaft Beerts nicht zuletzt durch die optisch korrekte, vergrößerte Wiedergabe der Pflanzenstengel im Wasser der Glasvase deutlich.

Auch am Ende des 17. Jahrhunderts war das Interesse an Blumen und Insekten noch immer ungebrochen. Eine große Forscherin in diesem Gebiet war die in Frankfurt geborene Maria Sibylla Merian, die 1699 für Aufsehen sorgte, als sie zu einer Forschungsreise nach Surinam aufbrach, um die dortigen Pflanzen und Insekten in kolorierten Zeichnungen festzuhalten (Bücher-Auktion am 18. September).

Zwei weitere Gemälde des 19. Jahrhunderts führen uns die große Bandbreite der Malerei vor Augen, die in jener Epoche herrschte. In gewohnt humorvoller Weise hat Carl Spitzweg eine Alltagssituation in Szene gesetzt. Mit Vorliebe hielt er die Sitten und Gebräuche seines biedermeierlichen Umfeldes fest. Im vorliegenden Werk kombiniert er es mit einer Portion Historismus, der durch die Kleidung der dargestellten Personen deutlich wird.

François Gérards bezauberndes Bildnis von Amor und Psyche ist bis heute ein gern zitiertes Motiv, wenn es um die Darstellung zarter Liebesbande geht. Das Gemälde entstand 1798 und ist in seiner Gestaltung und Ausführung ganz dem Klassizismus zuzuordnen, der im frühen 19. Jahrhundert vorherrschte. Das vorliegende Werk ist eine Kopie aus der Werkstatt Gérards. Das Original, das in dunkleren Farben ausgeführt wurde, kann im Pariser Louvre bewundert werden.

Neben den Gemälden des 19. Jahrhunderts, Alten Meistern, Büchern und Kunsthandwerk kommen im Auktionshaus Koller zwischen dem 18. und 22. September auch Autographen, Schmuck, Teppiche sowie Alte Grafik und Zeichnungen zum Aufruf - mehr als 2000 Objekte von ausgesuchter Qualität, die sich kein Sammler und Liebhaber schöner Dinge entgehen lassen darf!

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