Chanel Haute Couture Frühjahr/Sommer 2015 Chanel Haute Couture Frühjahr/Sommer 2015

Haute Couture wird oft als etwas Magisches, Unerreichbares und Einzigartiges betrachtet - in einigen Fällen auch als etwas Merkwürdiges, Unbekanntes oder nur schwer Einzugrenzendes. Oft sind diese Design überbordend verziert oder von raffinierter Gradlinigkeit. Sie ist ein Symbol des ultimativen Luxus und Extravaganz, das allein für die Oberen Zehntausend bestimmt ist.

Der Begriff Haute Couture wurde 1908 vom Chambre Syndicale de la Haute Couture geschaffen, direkt übersetzt bedeutet er gehobene Schneiderei. Das Cambridge Dictionary definiert Haute Couture als teure Kleidung mit originellen Designs und hoher Qualität. Tatsächlich ist der Begriff jedoch viel komplexer und sollte nicht zu unbedacht verwendet werden, da der Begriff tatsächlich durch das französische Gesetz geschützt ist. Aber fangen wir von vorne an.

Charles Frederick Worth

Französischer Name, französische Regeln - aber mit der Handwerkskunst des Engländers Charles Frederick Worth wurde die Haute Couture geboren. Zu dieser Zeit wurden Näherinnen angeheuert, um auf Nachfrage Kleidungsstücke zu nähen. Worth begann mit dem Nähen in der Mitte des 19. Jahrhunderts und eröffnete schließlich sein eigenes Atelier in Paris. Was viele nicht wissen, ist, dass auch ein Schwede an der Entstehung der Haute Couture beteiligt war. Es war der Geschäftsmann Otto Gustav Brobergh, der zusammen mit Worth das erste Modehaus der Welt gründete und aufbaute: House of Worth.

Charles Frederick Worth Charles Frederick Worth

Worth wurde der erste Schöpfer von Kleidungsstücken, der ähnlich wie der Künstler arbeitete. Dies erreichte er, indem er neue Designs auf eine Art und Weise präsentierte, die der Vernissage eines Künstlers glich. Und statt auf Nachfrage zu nähen, basierten die Designs nun auf eigenen Ideen und kreativer Tiefe. Die Kunden wählten dann ihr Lieblingsstück aus der Kollektion, das dann an die jeweilige Person angepasst wurde - eine Tradition, die noch heute bei den jährlichen Haute Couture-Shows im Januar und Juli zum Tragen kommt.

So wurde der Titel Modedesigner geboren, und Charles Frederick Worths Designs wurden gleichermaßen von den Mitgliedern der europäischen Königshäuser als auch von der Pariser Gesellschaft geschätzt. Worth hat nicht nur die Begriffe Modedesigner und Modehaus geprägt, er hat auch diese ehemals von Frauen dominierte Handwerkskunst in ein rein männliche Feld verwandelt. Die Frauen wurden so von der Kunstform des Nähens ausgeschlossen, obwohl es eigentlich ihre Domäne war. Sie wurden zu "Petits mains" reduziert, kleine Hände, die perfekt für erbärmliche Arbeiten waren, während die Männer als die kreativen Genies auftraten.

Haute Couture von Worth Haute Couture von Worth

Chambre Syndicale de la Haute Couture

In Frankreich wird das Reglement der Haute Couture von der Chambre Syndicale de la Haute Couture kontrolliert. Gegründet im Jahr 1868, hat die Chambre Syndicale die Aufgabe zu entschieden, welche Modehäuser ihre Arbeit Haute Couture nennen dürfen. Nur die Häuser, die sie auf ihrer Liste führt, sind echte Couture-Häuser.

Im Jahr 1945 schuf die Kammer die strengen Voraussetzungen für die Qualifikation: Die Häuser entwerfen und nähen auf Wunsch Kreationen für Privatkunden. Die Modehäuser müssen in Paris ein Atelier mit mindestens 15 Angestellten haben. Zu jeder Jahreszeit präsentieren die Häuser eine Sammlung von mindestens 50 Kreationen. Die Kollektionen müssen sowohl Tages- als auch Abendkleider enthalten.

Die Nachwirkungen des Zweiten Weltkriegs

Mitte des 20. Jahrhunderts entstanden die Modehäuser, die zum Synonym für Haute Couture wurden: Chanel, Balmain, Balenciaga und Christian Dior standen an der Spitze. Bei ihnen wurde die hohe Kunst des Nähens geformt, entwickelt und verfeinert.

Kreation von Balenciaga Kreation von Balenciaga

Aber wie viele andere Bereiche wurde die Modewelt durch den Zweiten Weltkrieg erschüttert. Es gab einen Mangel an Ressourcen, der die Herstellung von Konsumgütern einschränkte. Vielmehr mussten alte Kleidungsstücke abgeändert, ausgebessert, gehegt und gepflegt werden. Darüber hinaus verhinderte die Besatzung Frankreichs die Produktion und den Export von Haute Couture.

Im Jahr 1947 erlebte die Haute Couture jedoch eine Renaissance, als der Franzose Christian Dior seinen bahnbrechenden New Look mit schmalen Taillen, engen Bleistiftröcken oder ausladenden Petticoats präsentierte. Der Nachkriegsglamour war geboren!

Der New Look von Christian Dior Der New Look von Christian Dior

In diesen legendären Haute Couture-Häusern begannen die Karrieren Couturiers der Zukunft. Die nächste Generation von Modeschöpfern, die schließlich ihre eigenen Modehäuser gründeten, sollten in den 1960er und 1970er Jahren zu den einflussreichsten zählen. Yves Saint Laurent wurde bei Christian Dior ausgebildet, Pierre Cardin arbeitete mit Elsa Schiaparelli und der damals 22-jährige Emanuel Ungaro zog nach Paris, um für Cristóbal Balenciaga zu arbeiten.

Kleid von Yves Saint Laurent Kleid von Yves Saint Laurent

In den 1970er Jahren gab es weniger aktive Couture-Häuser als je zuvor. Nur 19 Modehäuser wurden genehmigt, ein großer Unterschied zu den 1940er Jahren, als 106 Häuser den Houte Couture-Status erhielten. Die strengen Vorschriften des Chambre Syndiclae de la Haute Couture wurden als Ursache für diese erhebliche Verringerung angesehen. Die Zeit brachte auch eine wachsende Massenproduktion mit billigen Materialien und geringeren Qualitätsanforderungen mit sich. Darüber hinaus führte die Rezession zu einem Rückgang des Interesses an Haute Couture. In dieser Zeit verließen Giganten wie Thierry Mugler und Christian Lacroix das Syndikat.

Wie sieht es heutzutage aus?

Giambattista Valli Haute Couture Frühjahr/Sommer 2018 Giambattista Valli Haute Couture Frühjahr/Sommer 2018

Eine immer stärkere Wirtschaft und die zunehmende Globalisierung haben zu einem erneuten Interesse an Haute Couture geführt. Unter den zugelassenen Couture-Häusern gibt es mittlerweile mehrere internationale Akteure. Die Klientel besteht immer noch aus Mitgliedern der französischen Highsociety und der Königshäuser, aber ein großes Interesse kommt auch aus China, dem Nahen Osten und Russland. Haute Couture steht immer noch für gehobene Nähkunst und exquisite Designs. Aber die Modeschöpfer haben nun die Chance, ihre Kreativität auch auf anderen Gebieten unter Beweis zu stellen. Die Designer können in den Shows ihre Intension vor allem durch die Kollektion, aber auch mit Hilfe von Kunst, Choreografie und Szenografie ausdrücken.

Iris Van Herpen Haute Couture Herbst/Winter 2017 Iris Van Herpen Haute Couture Herbst/Winter 2017

In einer Welt der Massenproduktion, Billigketten und Kleidern von der Stange, können teure und langwierig anzufertigende Kreationen übertrieben erscheinen. Aber genau sie erlauben den Modedesignern, kommerzielle Anforderungen zu ignorieren und zum eigentlichen Handwerk zurückzukehren. Es gibt ihnen die Chance, sich der magischen Welt zu widmen, die Haute Couture genannt wird - der Punkt, an dem sich Mode und Kunst treffen und überschneiden.

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Quellen: Harpers Bazaar, Eluxe, Cambridge Dictionary, Sven Harrys Konstmuseum

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