Von Ballerinen, Nägeln und Feuer: Contemporary Week im Dorotheum

Nach der herausragenden Auktionswoche mit Alter Kunst im April setzt das Wiener Dorotheum seinen Erfolgskurs fort und präsentiert Anfang Juni die Kunst des 20. Jahrhunderts in seiner Contemporary Week.

Von Ballerinen, Nägeln und Feuer: Contemporary Week im Dorotheum

Vom 4.-7. Juni öffnet das Dorotheum in Week seine Tore noch ein wenig weiter als gewöhnlich und lädt zur nächsten Auktionswoche ein. Nachdem die erste Auktionswoche im April mit mehr als nur einem neuen Weltrekord abgeschlossen werden konnte (Martin van Meytens, Joost van de Hammes), darf man gespannt sein, welche Highlights nun auf uns warten. Einige davon haben wir für Sie einmal zusammengestellt.

Die Contemporary Week, die der Kunst des 20. Jahrhunderts gewidmet ist, beginnt am 4. Juni um 17 Uhr mit der Klassischen Moderne.

Man Ray (1890 Philadelphia – 1976 Paris), Revolving doors II long distance, Öl/Lwd., betitelt, signiert und datiert, 1917-42 | Foto: © Dorotheum
Man Ray (1890 Philadelphia – 1976 Paris), Revolving doors II long distance, Öl/Lwd., betitelt, signiert und datiert, 1917-42 | Foto: © Dorotheum

long distance ist ein Ölgemälde des vor allem als surrealistischer Fotograf bekannten Künstlers Man Ray. Es basiert auf der Collagenserie Revolving Doors, die er 1916/17 ausgeführt hatte und mit der er das Verhältnis von Mensch und Maschine innerhalb des damals unglaublich rasanten technologischen Fortschritts beleuchtete. 1942 setzte er die Collagen in Ölgemälde um.

In zwei Werken von Paul Cézanne und Giacomo Balls ist jeweils der Weg das Ziel. Cézanne, einer der Begründer der modernen Kunst, legte in seinen Arbeiten Wert auf einen kompositorischen Aufbau, der das Auge des Betrachters führt. Dies ist auch in dem vorliegenden Aquarell L’Allée des Marronniers au Jas de Bouffan zu bemerken.

Links: Paul Cézanne (1839 Bouches du Rhone 1906), L’Allée des Marronniers au Jas de Bouffan, Aquarell, Gouache/Montgolfier Bütten, ca. 1890-95 || Rechts: Giacomo Balla (1871 Turin – 1958 Rom), Primavera a Villa Borghese, Tempera, Pastell, Öl/Naturleinwand, betitelt und signiert, ca. 1918 | Fotos: © Dorotheum
Links: Paul Cézanne (1839 Bouches du Rhone 1906), L’Allée des Marronniers au Jas de Bouffan, Aquarell, Gouache/Montgolfier Bütten, ca. 1890-95 || Rechts: Giacomo Balla (1871 Turin – 1958 Rom), Primavera a Villa Borghese, Tempera, Pastell, Öl/Naturleinwand, betitelt und signiert, ca. 1918 | Fotos: © Dorotheum

Cézannes Werk entstand in Jas de Bouffan in der Provence, wo der Maler vor allem seine späteren Jahre verbrachte und die Natur vor der Kulisse der Montagne Sainte-Victoire portraitierte. Ähnlich bedeutsam war für Giacomo Balla der Garten der Villa Borghese in Rom, nachdem er 1904 in die italienischen Metropole gezogen war. Die vorliegende Arbeit Primavera a Villa Borghese widerspiegelt eine wichtige Zeit im Schaffen des Künstlers, als sich dieser noch nicht ganz vom Jugendstil gelöst, aber auch noch nicht ganz der von ihm propagierten "Futuristischen Rekonstruktion" zugewendet hatte.

Gustav Klimt (1862 Wien 1918), Liebespaar, Kreide/Papier, signiert, 1903 | Foto: © Dorotheum
Gustav Klimt (1862 Wien 1918), Liebespaar, Kreide/Papier, signiert, 1903 | Foto: © Dorotheum

Mit vier Zeichnungen ist auch Gustav Klimt in der Auktion vertreten, von denen Liebespaar besonders eindringlich ist. Das mit der typischen Signatur Klimt versehe Werk, war in seinem Entstehungsjahr 1903 in der Zeitschrift der Wiener Secession Ver Sacrum abgebildet worden - dort allerdings noch unsigniert.

Hermann Max Pechstein (1881 Zwickau – 1955 Berlin), Junges Mädchen am Meer, Öl/Lwd., signiert und datiert, 1923 | Foto: © Dorotheum
Hermann Max Pechstein (1881 Zwickau – 1955 Berlin), Junges Mädchen am Meer, Öl/Lwd., signiert und datiert, 1923 | Foto: © Dorotheum

Vom deutschen Expressionisten Hermann Max Pechstein liegt das Ölgemälde Junges Mädchen am Meer von 1923 vor. Das Bild entstand in Leba an der Ostseeküste, wo Pechstein ab 1921 seine Sommer verbrachte. Bei dem Mädchen handelt es sich um Pechsteins bevorzugtes Modell Marta Müller, die im September 1923 den um 24 Jahre älteren Maler heiratete.

So international besetzt wie die Auktion der Klassischen Moderne sind auch jene, die der Zeitgenössischen Kunst gewidmet sind: 5. Juni, 17 Uhr und 6. Juni, 16 Uhr. Hier mit von der Partie ist auch der aktuell teuerste lebende Künstler der Welt, Jeff Koons. Die Rückeroberung des Titels sicherte dem amerikanischen Künstler ein Hase aus Stahl.

Jeff Koons (*1955 York, Pennsylvania), Seated Ballerina, 21/50, Öl/geschnitzte Holzskulptur, signiert und datiert, 2015 | Fotos: © Dorotheum
Jeff Koons (*1955 York, Pennsylvania), Seated Ballerina, 21/50, Öl/geschnitzte Holzskulptur, signiert und datiert, 2015 | Fotos: © Dorotheum

Im Dorotheum ist er mit einer sitzenden Ballerina auch bemaltem Holz vertreten. Eine gigantische aufblasbare Version der Tänzerin zog vor zwei Jahren alle Blicke vor dem New Yorker Rockefeller Center auf sich.

Andy Warhol (1928 Pittsburgh – 1987 New York), Judy Garland und Liza Minelli, synthetische Polymerfarbe und Siebdrucktinte/Lwd., nummeriert, Stempel The Estate of Andy Warhol, 1978 | Foto: © Dorotheum
Andy Warhol (1928 Pittsburgh – 1987 New York), Judy Garland und Liza Minelli, synthetische Polymerfarbe und Siebdrucktinte/Lwd., nummeriert, Stempel The Estate of Andy Warhol, 1978 | Foto: © Dorotheum

Ungewöhnlich persönlich ist diese Siebdruck-Collage von Andy Warhol, die 1978 nach Fotografien von Judy Garland und deren Tochter Liza Minelli entstanden war. Judy Garland war zu jenem Zeitpunkt bereits neun Jahre tot. Die Intimität, die das Werk im Gegensatz zu Warhols anderen Siebdrucken ausstrahlt, ist zum einen in der tiefen Freundschaft begründet, die den Künstler und die Sängerin Liza Minelli verband, zum anderen in den verwendeten Fotos, die viele private Momente zwischen Mutter und Tochter zeigen.

Jean Dubuffet (1901 Le Havre – 1985 Paris), Bon Espoir (Paysage avec personnages), Öl/Lwd., betitelt, signiert und datiert, 1955 | Foto: © Dorotheum
Jean Dubuffet (1901 Le Havre – 1985 Paris), Bon Espoir (Paysage avec personnages), Öl/Lwd., betitelt, signiert und datiert, 1955 | Foto: © Dorotheum

Weniger deutlich als in Warhols Serigrafie sind die Personen in Jean Dubuffets Bon Espoir (Paysage avec personnages) zu erkennen, es gleicht eher einem Suchspiel in einem Rätselheft. Die Arbeit zählt zu Dufuffets Art Brut, jener "rohen Kunst", mit der der Künstler immer wieder vom gängigen Schönheitsideal abweichen möchte, indem er das Material in den Mittelpunkt stellt und dieses eher auf der Leinwand modelliert als es aufträgt und so einen skulpturalen Effekt erzeugt, der den Rand des Bildes (oder der Gesellschaft) jederzeit sprengen könnte.

Otto Piene (1928 Bad Laasphe – 2014 Berlin), Ohne Titel, Feuergouache mit Perle/Lwd., bezeichnet, signiert und datiert, 1964 | Foto: © Dorotheum
Otto Piene (1928 Bad Laasphe – 2014 Berlin), Ohne Titel, Feuergouache mit Perle/Lwd., bezeichnet, signiert und datiert, 1964 | Foto: © Dorotheum

Sie seien "Überlebensstudien, Geformtes aus dem privaten Fegefeuer. Die elementaren Gegensätze von fester Materie" sagte Otto Piene über seine Feuerbilder, die er ab 1960 erschuf. Vorbild dieser Arbeiten war die Sonne, das ultimative Symbol der Symbiose von Leben und Zerstörung. Zieht die mystische schwarze Bildmitte auch die Blicke auf sich, erzeugt die sie umgebene rote Farbe eine Art visuelles Wärmeempfinden.

Günther Uecker (*1930 Wendorf), Reihung, Nägel, Graphit/Lwd./Holz, bezeichnet, betitelt, signiert und datiert, 1970 | Foto: © Dorotheum
Günther Uecker (*1930 Wendorf), Reihung, Nägel, Graphit/Lwd./Holz, bezeichnet, betitelt, signiert und datiert, 1970 | Foto: © Dorotheum

Dass man solche Gegensätzlichkeiten auch mi anderen Mitteln ausdrücken kann, beweist Günther Uecker mit Reihung, bei der er Heilung, Neuschöpfung und Reinheit Vernichtung, Tod und Dunkelheit gegenüberstellt. Und zwar mithilfe von 1089 regelmäßig in eine Leinwand eingeschlagene Nägel, die durch das Prinzip von Licht und Schatten eine Bewegung erzeugen.

Abgerundet wird die Offerte der Auktionswoche durch die Versteigerungen von Juwelen (5. Juni, 13 Uhr) sowie Armband- und Taschenuhren (7. Juni, 16 Uhr).

Links: Weißgoldring mit Brillantsolitär von ca. 6,68 ct II Rechts: Audemars Piguet Royal Oak Offshore Quantieme Perpetual Chronograph Ref. ST25854, Edelstahl | Fotos: © Dorotheum
Links: Weißgoldring mit Brillantsolitär von ca. 6,68 ct II Rechts: Audemars Piguet Royal Oak Offshore Quantieme Perpetual Chronograph Ref. ST25854, Edelstahl | Fotos: © Dorotheum

Unter den Losen der Juwelenofferte sticht vor allem der qualitativ hochwertige Diamantschmuck hervor, darunter ein Weißgoldring mit Brillantsolitär von ca. 6,68 ct. Zu den Highlights des Uhrenkatalogs zählt eine Audemars Piguet Royal Oak Offshore aus Edelstahl, die aus einer limitierten Ausgabe stammt.

Alle Versteigerungen der Auktionswoche finden im Palais Dorotheum in der Dorotheergasse 17 in Wien statt. Dort kann auch ab dem 25. Mai die Ausstellung besucht werden.

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