Diese Auktion verspricht wirklich sensationell zu werden: Am 7. November wird im Auktionshaus Lempertz der erste Teil der Twinight Collection versteigert, eine Sammlung mit bedeutendem Porzellan aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die ihresgleichen sucht. Zusammengetragen wurde sie über viele Jahre vom New Yorker Geschäftsmann Richard Baron Cohen, der sie in seinem Anwesen auf Long Island aufbewahrte. Das Domizil, das  nach dem Vorbild von Marie Antoinettes Trianon-Schlösschen im Park von Versailles gestaltet worden war und bereits vor einigen Jahren verkauft wurde, trägt den Namen Twinight. 

Das Treppenhaus von "Twinight" mit einem Teil der Porzellan-Sammlung von Richard Baron Cohen | Foto: NY Daily News Das Treppenhaus von "Twinight" mit einem Teil der Porzellan-Sammlung von Richard Baron Cohen | Foto: NY Daily News

Nun ist also die fantastische Porzellan-Sammlung von Richard Baron Cohen "an der Reihe". Sie umfasst bedeutende Stücke der KPM Berlin und der Manufakturen in Sèvres und Wien. Zum Vergleich: außer der Twinight Collection gibt nur noch die Sammlung der Eremitage in Sankt Petersburg einen vergleichbar guten Einblick in die Porzellanherstellung der Epoche zwischen Klassizismus und Biedermeier.

Eines der frühesten Objekte der Auktion ist ein Tête à tête von 1799-1802 der Wiener Manufaktur Sorgenthal. Sie verdeutlicht, wie schnell aktuelles Geschehen auch von den Porzellanmanufakturen aufgegriffen wurde. Gestaltet wurde das Ensemble im ägyptischen Stil, der nach Napoleons Feldzug ins ehemalige Reich der Pharaonen (1798-1801) in ganz Europa en vogue war.

Auch ein weiteres Tête à tête der Auktion, dieses Mal aus der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin, ist um 1810 im ägyptischen Stil gestaltet worden.

Klassisch klassizistisch ist hingegen ein Service aus Berlin, das um 1815 den Brennofen verließ. Seine feine Mikromosaikmalerei mit Vogelmotiven ist eine Reminiszenz an die Kunst des Römischen Reichs.

Zu den besten Kunden der Königlichen Manufaktur un Berlin gehörte natürlich das Haus Hohenzollern, dessen Mitglieder regelmäßig großartige Stücke in Auftrag gaben. Dies trifft auch auf die Vase mit der Schlacht von Vitoria aus dem Jahr 1817 zu, von der ein ähnliches Exemplar dem in Waterloo siegreichen Herzog von Wellington geschenkt worden war.

Wie alle preußischen Prinzessinnen erhielt auch Prinzessin Luise zu ihrer Hochzeit mit Prinz Friedrich der Niederlande im Jahr 1825 ein umfangreiches Tafelservice der KPM mit Berliner Ansichten geschenkt. In der Auktion kommen aus diesem Service drei Paar Weinkühler zum Aufruf.

1838 durfte sich auch der angeheiratete Kronprinz Maximilian von Bayern, der spätere König Maximilian II. Joseph, über ein herausragendes Geschenk aus Berlin freuen. Zum Geburtstag bekam er eine bedeutende Vase mit acht Berliner Ansichten überreicht, die jetzt das teuerste Objekt der Auktion darstellt.

Eine weitere Spezialität der KPM in jener Epoche war das Dekor en camée, also eine Bemalung, die das Aussehen von Gemmen imitierte. Sehr beliebt waren hierbei Darstellungen von antiken Göttern und Helden. In der Auktion liegt eine Tasse mit einer derart gestalten Profilbüste des russischen Zaren Alexander I. vor, der wie ein römischer Triumphtor dargestellt wurde.

Ein seltener Teller aus Sèvres mit der Ansicht eines Pariser Brunnens fand nach seiner Fertigstellung zunächst keinen Besitzer. Das Service, zu dem er gehört, sollte erst an Charles X. und dann an Louis-Philippe I. geliefert werden. Da jedoch beide französischen Könige abdanken mussten (1832 bzw. 1848), verblieb das Service des Départements im Depot.

Zu den jüngsten Stücken der Auktion gehört eine Porzellanplatte der KPM Berlin aus dem Jahr 1846, die eine Ansicht des Rittersaals im Berliner Stadtschloss zeigt. Die äußerst fein ausgeführte Malerei stammt von dem schwedischen Künstler Theophron Kjellberg, der Auftrag dazu von König Friedrich Wilhelm IV.

Die Versteigerung des ersten Teils der Twinight Collection findet am 7. November um 18 Uhr in der Berliner Niederlassung des Auktionshauses Lempertz statt. Dort, in der Poststraße 22, kann auch vom 2.-6. November täglich von 11-17 Uhr die Ausstellung zur Auktion besucht werden.

Bereits am 24. November hält Lempertz in Brüssel die Auktion A Sculptor's Eye ab, in der afrikanische und ozeanische Kunst aus einer bedeutenden Privatsammlung zu Aufruf kommt.

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