Das 18. Jahrhundert war die Zeit großer Entdeckungen. Durch die Weltumseglungen von James Cook und Louis Antoine de Bougainville wurde die Welt allmählich kleiner, die Kolonien und die Ostindienkompanien brachten exotische Produkte und Einflüsse nach Europa.

Neben den Gewürzen hatte es vor allem die fernöstliche Kunst dem europäischen Adel angetan. Elegante Möbel mit zart geschwungenen Chinoiserien lösten den schweren Prunk des Barockzeitalters ab und hauchten der Inneneinrichtung neues Leben ein.

Das 18. Jahrhundert war aber auch eine Zeit der Gegensätze, in der man gleichzeitig fromm und lasterhaft sein konnte, die Religion und die Aufklärung um den Vorrang stritten und in den Salons nichts so sehr geschätzt wurde wie ein mit einem Hauch Ironie gewürztes, geistreiches Bonmot. Und es muss wohl der Sinn für (Selbst-) Ironie gewesen sein, der einen noch exotischeren Trend heraufbeschwor.

Das Ergebnis war die sogenannte "Singerie". Das Wort leitet sich vom französischen Wort "singe" für "Affe" ab. Und genau diese stehen im Fokus dieses Trends des Innendesigns in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die Affen wurden jedoch nicht einfach als Affen auf Wänden, Möbeln und Teppichen abgebildet. Vielmehr agierten sie als Menschen, trugen deren Kleidung und machten all das, was die (wohlhabenden) Menschen damals auch taten, wie singen, tanzen, malen oder auf Pferden reiten. Dass diese alltäglichen Dinge von Affen ausgeführt wurden, sollte dem Betrachter die eigenen Marotten vor Augen führen.

La Grande Singerie im Château de Chantilly mit Malereien von Christophe Huet von 1737 La Grande Singerie im Château de Chantilly mit Malereien von Christophe Huet von 1737

Zwei schöne Beispiele für ein Raumdekor im Stil einer Singerie befinden sich im Château de Chantilly nördlich von Paris, das den Fürsten von Condé, einem Nebenzweig der französischen Herrscherfamilie, als Wohnsitz diente. 1735 und 1737 erhielt der Tiermaler Christophe Huet (1700-1759) den Auftrag, jeweils einen Raum im Schloss zu gestalten - und zwar als Singerie. Huet platzierte seine Affen, die u. a. als Soldaten und Seiltänzer agieren, in exotische Landschaften, die von vergoldeten Rocaillen eingerahmt wurden.

Zwei Bilder aus der Grande Singerie im Château de Chantilly Abbildungen: Pinterest Zwei Bilder aus der Grande Singerie im Château de Chantilly
Abbildungen: Pinterest

Christophe Huets grandiose Raumgestaltung wurde auch über die Grenzen Frankreichs hinaus bekannt. Zeichnungen davon gelangten bis ins sächsische Meißen, wo seit 1710 die Porzellanproduktion florierte. Die Zeichnungen kamen auch Johann Joachim Kaendler vor Augen, der als Modellmeister in der Manufaktur arbeitete. Kaendler erkannte den aufklärerischen Geist in den lustigen, aber auch mahnenden Figuren und beschloss, etwas derartiges auch aus dem ihm anvertrauten Rohmaterial anzufertigen.

1753 konnte er seine Affenkapelle vorstellen, die sofort sehr populär wurde. Eine der ersten Kundinnen, die eine Affenkapelle erstand, war die damalige Maitresse des französischen Königs, Madame de Pompadour. Die skurrile Kapelle gehörte fortan zum festen Repertoire der Manufaktur und wird auch heute noch produziert.

Ein komplettes Ensemble mit 24 Figuren und einem Notenpult der Produktion des 19. und 20. Jahrhunderts wird am 16. September im Stuttgarter Auktionshaus Eppli versteigert. In zwei weiteren Losen kommen "Affe als Gitarrist" und "Affe als Trommler" zum Aufruf.

Links: "Affe als Gitarrist" Rechts: "Affe als Trommler" Beide 20. Jh. Links: "Affe als Gitarrist"
Rechts: "Affe als Trommler"
Beide 20. Jh.

Die Auktion umfasst mehr als 600 Objekte der Kategorien Kunst, Antiquitäten und Schmuck. Beginn der Versteigerung in der Auktionshalle in Leinfelden-Echterdingen ist um 11 Uhr.

Das gesamte aktuelle Angebot des Auktionshauses Eppli finden Sie hier bei Barnebys.

Kommentar