Kaum war das Geheimnis des Weißen Goldes 1708 entdeckt und Porzellanmanufakturen in ganz Europa gegründet worden, begann eine umfangreiche Produktion von Porzellanobjekten. Dabei lag des Hauptaugenmerk der Hersteller gar nicht auf Vasen oder Tafelservicen, die zunächst noch mit chinesischen und japanischen, später mit europäischen Mustern versehen wurden, sondern auf der Formung figürlichen Porzellans.

Figürliches Porzellan war, bevor es zum Sammelobjekt wurde, das so manche Kommode oder Vitrine ziert, ebenfalls für die prunkvolle Tafel bestimmt. Die einzelnen Figuren oder auch Gruppen sollten die am Tisch versammelten Gäste zur Konversation anregen. Figürliches Porzellan war also wie geschaffen für das 18. Jahrhundert, das die Kunst der Konversation geradezu perfektionierte hatte.

Die Figuren wurden gern dem Anlass entsprechend gewählt. Der "Jäger mit zwei Hunden und erlegtem Reh", dessen Modell 1745 von Johann Gottlieb Ehder für die Manufaktur in Meißen entworfen worden war, dürfte zur Zierde des Tisches einer Jagdgesellschaft gedient haben. Interessant ist die Doppelfunktion des Objektes, das sowohl als Deckel als auch als Tafelzier dienen konnte. Ein schönes Bespiel für die ursprüngliche Funktion des figürlichen Porzellans.

Die erste Blüte erlebte das figürliche Porzellan im 18. Jahrhundert. Wahre Meister der Plastik schufen aufwändige und oftmals galante Figuren und Gruppen, die den Zeitgeist des Rokoko auf hervorragende Weise wiederspiegeln: Johann Joachim Kändler in Meißen oder Franz Anton Bustelli in der Nymphenburger Manufaktur.

Nach einem Rückgang im 19. Jahrhundert, wurden während des Jugendstils neue Modelle entwickelt, die die Porzellanproduktion belebten. Die Figuren wurden nun zu Sammelobjekten. Bekannte Serien dieser Zeit waren die "Hentschel-Kinder" aus Meißen und später die "Hummel-Figuren" der Porzellanfabrik W. Goebel in Oberfranken.

Alle vorgestellten und mehr als 250 weitere Objekte aus den Bereichen Kunst, Schmuck, Uhren und Antiquitäten versteigert das Auktionshaus Rütten am 27. Mai ab 13 Uhr in München. Mitgeboten werden kann vor Ort sowie live via Internet.

Die Vorbesichtigungen finden vom 22. bis 25. Mai statt. Alle Objekte können Sie sich aber auch gleich hier ansehen.

 

 

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