Die Schwarzburger Werkstätten wurden 1909 als Kunstabteilung der Unterweißbacher Werkstätten in Thüringen gegründet, wo seit 1882 Gebrauchsgeschirr aus Porzellan angefertigt wurde. Die Leitung übernahm Max Adolf Pfeiffer (1875-1957), der drei Jahre später als kaufmännischer Leiter an die Meißner Manufaktur wechselte ("Pfeiffer-Zeit").

Für die außergewöhnlichen Entwürfe der Porzellanfiguren konnte Pfeiffer die besten Bildhauer der damaligen Zeit gewinnen, darunter Ernst Barlach, Arthur Storch, Paul Scheurich oder Gerhard Marcks.

Ebenso konnten viele Künstlerlinnen verpflichtet werden. Die Arbeiten der in Odessa geborenen Dorothea Charol (1889-1963) sind ganz im Stil des Art Déco gestaltet. Claire Volkhart (1886-1935) arbeitete von 1913 bis 1929 für die Schwarzburger Werkstätten. Ihr Oeuvre umfasst hauptsächlich als Tänzerinnen dargestellte Mädchen und Frauen.

Mit Etha Richter (1883-1977) beschäftigte die Porzellanmanufaktur die erste Tierbildhauerin Deutschlands. Da sie als Frau an der Dresdner Kunstakademie nicht zugelassen war, sammelte sie anatomische Kenntnisse über die Fauna als erste weibliche Hörerin an der Tierärztlichen Hochschule Dresden.

Durch die Verpflichtung vieler verschiedener Bildhauer ist das Oeuvre der Manufaktur sehr breitgefächert und widerspiegelt die unterschiedlichen Kunstströmungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert, wie Jugendstil und Art Déco, Abstraktion, Expressionismus oder die Neue Sachlichkeit.

Veranschaulicht wird das beispielsweise beim Vergleich dieser beiden Raubkatzenfiguren. Während das Leopardenpaar von Etha Richter sehr naturalistisch gestaltet ist, weist die Schreitende Löwin von Gerhard Marcks sehr moderne, beinahe abstrakte Züge aufweist.

Obwohl die Erzeugnisse der Schwarzburger Werkstätten schnell berühmt wurden, unter anderem durch die Teilnahme an der Weltausstellung in Brüssel 1910, ging das Unternehmen 1930 in den Konkurs. 1940 wurde es vom Porzellan-Unternehmer Heinz Schaubach übernommen, der es bis zur Enteignung durch die DDR 1953 betrieb.

Das Werksverzeichnis der Schwarzburger Werkstätten umfasst 1900 Modelle. Viele von ihnen werden heute in den Gebäuden der Aeltesten Volkstedter Porzellanmanufaktur - ebenfalls in Thüringen - wieder ausgeformt. Auch bei ihnen steht der hohe Qualitätsanspruch an oberster Stelle. Die Fertigung einer Figur kann daher bis zu drei Monate dauern.

Bleibt noch eine Frage zu klären: Was ist denn nun ein "schnürender Fuchs", den sich die Schwarzburger Werkstätten als Logo wählten? Als Schnüren wird in der Jägersprache die normale langsame Gangart eines Fuchses bezeichnet.

Alle vorgestellten Arbeiten der Schwarzenburger Werkstätten kommen in der Herbstauktions des Nürnberger Auktionshauses Franke zum Aufruf. Die Auktion, die vom 19. bis 21. Oktober stattfindet, umfasst fast 4000 Objekte aus unterschiedlichen Kategorien wie Gemälde, Glas, Möbel, Schmuck, Uhren, Historika und Porzellan. Auktionsbeginn ist am 19. Oktober um 14 Uhr und an den beiden folgenden Tagen jeweils um 10 Uhr. Besichtigt werden können die Objekte vom 14. bis 18. Oktober.

Entdecken Sie alle Objekte der Auktion gleich hier bei Barnebys.

Kommentar