Bei Sotheby's Impressionist & Modern Art Evening Sale, der am 12. November in New York stattfand, war das enteignete Werk aus dem Moderna Museet in Stockholm die Nummer 1 einer beeindruckenden Offerte, die nicht nur einige der großen Namen des 20. Jahrhunderts umfasste, sondern am Ende der Versteigerung für mehr als nur einen Künstlerrekord sorgte.

Oskar Kokoschkas, Marquis Joseph de Montesquiou-Fezensac (1910) | Abb.: Sotheby's Oskar Kokoschkas, Marquis Joseph de Montesquiou-Fezensac (1910) | Abb.: Sotheby's

Oskar Kokoschkas Werk Marquis Joseph de Montesquiou-Fezensac (1910) war 1934 vom Nationalmuseum in Stockholm erworben worden. Verkäufer war der Düsseldorfer Galerist und Kunsthändler Alexander Vömel, der als Mitglied der NSDAP ein Jahr zuvor die Sammlung seines jüdischen Kollegen Axel Flechtheim konfisziert hatte.

Die moderne Sammlung des Nationalmuseums wurde 1958 in das Moderna Museet übertragen, darunter auch Kokoschkas Portrait des Marquis Joseph de Montesquiou-Fezensac.

Wie viele andere Museen, muss sich auch das Moderna Museet seit 1945 mit der Restitution von Nazi-Raubkunst auseinandersetzen. Kokoschkas Gemälde ist nicht das erste, das das Museum an die Familie seiner ursprünglichen Besitzer zurückgeben musste.

Emil Noldes Blumengarten | Abb. via Moderna Museet. Emil Noldes Blumengarten | Abb. via Moderna Museet.

2009 wurde ein erbitterter Streit zwischen dem Museum und den Erben des jüdischen Geschäftsmannes Otto Nathan Deutsch beigelegt, die die Rückgabe von Emil Noldes Werk Blumengarten gefordert hatten. Wie auch das Potrait des Joseph de Montesquiou-Fezensac war es von den Nazis gestohlen und nach Schweden verkauft worden.

Im September dieses Jahres stand fest, dass das Moderna Museet das Portrait des Marquis an die Nachkommen Flechtheims zurückgeben würde. Rund zwei Monate später kam es bereits in New York unter den Hammer. Mit einem Schätzpreis von 15-20 Millionen USD war es das Top-Los der Auktion.

Das Portrait ist ein hervorragendes Beispiel für die Veränderung in Richtung Expressionismus die Kunst der k.u.k.-Monarchie noch vor dem Ersten Weltkrieg durchlebt hatte. Kokoschka hatte es 1910 während eines Sanatoriumaufenthaltes in den Schweizer Alpen gemalt, wo er den zukünftigen Herzog von Fezensac kennengelernt hatte.

Als der Hammer fiel, war das Endergebnis fünfmal höher als Kokoschkas bisheriger Rekordpreis: 20,4 Millionen USD. Flechtheims Erben wollen den Auktionserlös nutzen, um gemeinnützige Organisationen zu unterstützen.

Doch hatte der Impressionist & Modern Art Evening Sale noch mehr zu bieten und Kokoschkas neuer Rekordpreis sollte nicht der einzige bleiben.

René Magritte, Le Principe du Plaisir (1937) | Abb.: Sotheby's René Magritte, Le Principe du Plaisir (1937) | Abb.: Sotheby's

Mit dem Verkauf von Le Principe du Plaisir (1937) gab es ebenfalls einen neuen Rekord für den Surrealisten René Magritte. Das Portrait des Surrealisten-Mäzens Edward James war von diesem selbst in Auftrag geben worden. Magritte malte es nach einem Foto seines Künstlerkollegen Man Ray. Die Idee zu dem Portrait hatte Magritte bereits im Jahr davor gehabt, jedoch mit dem Schriftsteller Paul Éluard als - mehr oder weniger - dargestellte Person, wie eine Zeichnung von 1936 in einem Éluard gewidmeten Buch belegt.

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Nach einem intensiven Bietergefecht zwischen sieben Parteien wurde das Portrait schließlich für 26,8 Millionen USD verkauft - ein neuer Rekord für den belgischen Surrealisten.

Ludwig Meidner, Apokalyptische Landschaft (1912) | Abb.: Sotheby's Ludwig Meidner, Apokalyptische Landschaft (1912) | Abb.: Sotheby's

Einen weiteren neuen Künstlerrekord gab es für den deutschen Expressionisten Ludwig Meidner und seine Apokalyptische Landschaft von 1912. Es war eines der ersten düsteren und prophetischen Werke Meidners, in denen er die Gräuel, die die Kriege des 20. Jahrhunderts mit sich bringen würden, vorausahnte und dokumentierte.

Der Endpreis von rund 14,1 Millionen USD übertraf den bisherigen Rekord für ein Werk von Meidner, der bei 3,1 Millionen Euro gelegen hatte, um Längen.

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