Schaut man sich einmal in unserer Datenbank mit erzielten Preisen die Kategorie "Schmuck und Edelsteine" an, wird deutlich, dass der Diamant noch immer der begehrteste unter den Edelsteinen ist. Ebenso wird deutlich, dass die farbigen Varianten gegenüber ihren weißen Verwandten enorm an Popularität dazu gewonnen haben.

Die Popularitätssteigerung der Farbdiamanten, nach dem Gemological Institute of America auch Fancy Diamonds genannt, begann etwa um die Jahrtausendwende. Ob der 1997 erschienene Film Titanic, in dem ein blauer herzförmiger Diamant eine Hauptrolle spielt, dazu beigetragen hat? Vielleicht ein wenig. Entscheidender ist aber die Tatsache, dass Farbdiamanten unter den ohnehin nicht massenhaft anzutreffenden Diamanten, nur sehr selten sind und die weltweite Nachfrage nach exklusiven Raritäten, die nebenbei möglichst eine gute Investition darstellen, gestiegen ist.

Unter 100.000 Diamanten ist gerade einmal ein Stein ein echter Farbdiamant, der eine intensive natürlich Tönung aufweist. Daher spielen für den Verkaufspreis von Fancy Diamanten weniger das Gewicht oder die Klarheit die entscheidende Rolle, sondern die Farbintensität.

Auch sind die Auktionspreise für Diamanten seit der Jahrtausendwende extrem angestiegen. Tatsächlich findet sich in unserer Datenbank der erste Stein, der vor dem Jahr 2000 versteigert wurde, erst auf Platz 89 (ein weißer Diamant, den Christie's im November 1993 in Genf für 8,84 Millionen Euro verkaufte).

Rosa Diamanten

Auf Platz 1 der Liste ist ein rosa Diamant anzutreffen, sogar gleich zweimal. Der Pink Star, ein Fancy Vivid Pink-Diamant im facettenreichen Ovalschliff von 59,60 ct war bereits 2013 von Sotheby's in der Schweiz angeboten worden. Da der damalige Käufer den Endpreis von rund 70 Millionen Euro dann doch nicht aufbringen konnte, musste das Auktionshaus den in einen Platinring gefassten Stein übernehmen.

Deiser rosa Diamant ist derzeit das teuerste Schmuckstück bei einer Auktion (Foto: Sotheby's) Deiser rosa Diamant ist derzeit das teuerste Schmuckstück bei einer Auktion (Foto: Sotheby's)

Im April 2017 bot Sotheby's den Pink Star erneut an, dieses Mal in Hongkong, wo für 63,3 Millionen Euro ein neuer Besitzer gefunden wurde. Ein Preis, der Weltrekord bedeutet. Jedoch nicht was den Preis pro Karat betrifft. Die Rekordsumme wurde gezahlt, weil eine solche Intensität und Reinheit der Farbe nur äußerst selten anzutreffen sind. Auch die Firma Steinmetz Diamonds war sich der Bedeutung des Steins bewusst und investierte ganze zwei Jahre, um ihn aus einem 132,5 ct schweren Rohdiamanten zu schleifen.

Links: Der zartrosa Grand Mazarin (19,07 ct) gehörte im 17. Jh. dem Minister Kardinal Mazarin bevor er bis ins 19. Jahrhundert Teil der französischen Kronjuwelen war. Verkauft wurde er 2017 für 12,4 Millionen Euro (Foto: Christie's) Rechts: Mit diesem rosa Diamantring machte ein Milliardär aus Hongkong seiner Tochter 2015 für 24,7 Millionen Euro eine Freude (Foto: Christie's) Links: Der zartrosa Grand Mazarin (19,07 ct) gehörte im 17. Jh. dem Minister Kardinal Mazarin bevor er bis ins 19. Jahrhundert Teil der französischen Kronjuwelen war. Verkauft wurde er 2017 für 12,4 Millionen Euro (Foto: Christie's) Rechts: Mit diesem rosa Diamantring machte ein Milliardär aus Hongkong seiner Tochter 2015 für 24,7 Millionen Euro eine Freude (Foto: Christie's)

Die bedeutendste Quelle für rosa und rote Diamanten ist die Argyle-Mine in Australien, aus der 90% des weltweiten Vorkommens stammen, wobei rote Steine wesentlich seltener gefunden werden solche in Rosatönen. Ihre Farbe erhalten die Steine durch einen Defekt in ihrer Kristallstruktur - man muss eben nicht perfekt sein!

Blaue Diamanten

Blaue sind neben rosa Diamanten die beliebtesten unter den Farbdiamanten, was durch ihre Anzahl unter den vorderen Plätzen der teuersten Juwelen bewiesen wird. Blaue Diamanten erhalten ihre Farbe durch natürliche Beimengungen des chemischen Elements und Halbmetalls Bor.

Der teuerste blaue Diamant in einer Auktion ist der 2016 durch Christie's versteigerte Oppenheimer Blue. Der Diamant in der Nuance Fancy Vivid Blue hat ein Gewicht von 14,62 ct und wurde im Treppenschliff bearbeitet. Neben seiner intensiven Farbe besticht er auch durch seine enorme Reinheit, die fast keine Einschlüsse aufweist. Benannt wurde der Stein nach seinen Vorbesitzern, der britischen Juwelierfamilie Oppenheimer.

Links: Der Oppenheimer Blue ist der teuerste blaue Diamant (Foto: Christie's) Rechts: Der aktuell teuerste blaue Diamant pro Karat war ein Geschenk für ein siebenjähriges Mädchen (Foto: Sotheby's) Links: Der Oppenheimer Blue ist der teuerste blaue Diamant (Foto: Christie's) Rechts: Der aktuell teuerste blaue Diamant pro Karat war ein Geschenk für ein siebenjähriges Mädchen (Foto: Sotheby's)

Der Oppenheimer Blue ist zwar allgemein der teuerste blaue Diamant der Auktionsgeschichte, jedoch nicht wenn es um das Verhältnis Preis - Gewicht geht. Dieser Rekord wurde im November 2015 bei Sotheby's in der Schweiz aufgestellt. Dort erstand der Milliardär Joseph Lau den in einen Ring gefassten Stein von 12,03 ct in der Farbe Fancy Vivid Blue für 44,8 Millionen Euro. Gedacht war das Juwel als Geschenk für die siebenjährige Tochter Laus, weshalb der ursprüngliche Name The Blue Moon in Blue Moon of Josephine geändert wurde. Josephine durfte sich zudem über einen Ring mit einem 16,08 ct schwerem rosa Diamant (siehe oben) freuen, der fortan Sweet Josephine hieß.

Links: Rechts: Der Blaue Wittelsbacher sah ursprünglich anders aus (Foto: Christie's) Links: Rechts: Der Blaue Wittelsbacher sah ursprünglich anders aus (Foto: Christie's)

Über eine royale Provenienz verfügt der facettenreich geschliffene Blaue Wittelsbacher von 31,06 ct. Der graublaue Diamant stammt vermutlich aus einer indischen One und war im 17. Jahrhundert Teil der Mitgift der spanischen Königstochter Margarita Teresa (bekannt durch Gemälde von Diego Velázquez), als diese Kaiser Leopold I. heiratete. Seit der Hochzeit der österreichischen Erzherzogin Maria Amalia mit dem bayerischen Kurfürsten Karl Albrecht im Jahr 1722 befindet sich der Diamant nachweislich im Besitz des Hauses Wittelsbach. Nach einer ersten Auktion im Jahr 1951 und diversen Besitzern, wurde der Blaue Wittelsbacher 2008 vom englischen Juwelier Laurence Graff für 18,4 Millionen Euro ersteigert. Graff arbeitete den ursprünglich 35,56 ct schweren Stein zu seiner heutigen Form um.

Gelbe Diamaten

Gelbe und orangene Diamanten erhalten ihre Farbe durch Stickstoff. Neben Braun und Weiß ist Gelb die häufigste Farbe bei den Fand Diamonds, was sich durch ihre spärliche Anwesenheit unter den teuersten Juwelen der Auktionsgeschichte bemerkbar macht.

Da Orange seltener anzutreffen ist als Gelb, hat es dennoch ein solcher Stein auf Platz 9 der Liste geschafft: The Orange wurde 2013 bei Christie's für rund 30 Millionen Euro versteigert. Der tropfenförmige Stein verdankte seinen Erfolg der Tatsache, dass er mit seinen 14,82 ct der größte Diamant in der Farbe Fancy Vivid Orange war, der jemals bei einer Auktion angeboten wurde.

Der bislang teuerste Diamant in Orange wurde 2013 versteigert (Foto: Christie's) Der bislang teuerste Diamant in Orange wurde 2013 versteigert (Foto: Christie's)

Die beiden nächst teuersten Vertreter der gelb-orangen Farbfamilie weisen die Nuance Fancy Vivid Yellow auf und gingen jeweils mit über 100 ct an den Start. 2011 erzielte der tropfenförmige The Sun-Drop Diamond bei Sotheby's stolze 10,3 Millionen Euro, was damals dem Weltrekord für einen gelben Diamanten entsprach. Gebrochen wurde dieser Rekord drei Jahre später ebenfalls bei Sotheby's, als ein gelber Diamant, der vom Juwelier Graff in einen Ring gefasst worden war, 13,3 Millionen Euro den Besitzer wechselte.

Links: The Sun-Drop Diamond (Foto: Sotheby's) Rechts: Der Diamant im Kissenschliff ist der derzeit teuerste gelbe Diamant in einer Auktion (Foto: Sotheby's) Links: The Sun-Drop Diamond (Foto: Sotheby's) Rechts: Der Diamant im Kissenschliff ist der derzeit teuerste gelbe Diamant in einer Auktion (Foto: Sotheby's)

Grüne Diamanten

Neben roten Diamanten sind auch grüne Diamanten sehr selten. Ihre außergewöhnliche Farbe ist vermutlich auf durch natürliche radioaktive Strahlung verursachte Defekte zurückzuführen. Unter den ersten 100 Plätzen der Datenbank findet sich lediglich ein einziges Los mit einem grünen Diamanten. Der rechteckig geschliffene Stein in der Farbe Fancy Vivid Green von 5,03 ct war umgeben von rosa Diamanten im Rundschliff in einen Ring gefasst, der bei einer Auktion von Christie's im Mai 2016 14,2 Millionen Euro erzielte.

Grüne Diamanten sind eine echte Seltenheit (Foto: Christie's) Grüne Diamanten sind eine echte Seltenheit (Foto: Christie's)

Der Stein ist der größte in der Farbe Fancy Vivid Green. Der allgemein größte grüne Diamant ist jedoch der Dresdner Grüne Diamant von 41 ct. Das Juwel im pendeloqueförmige Diamant war im 18. Jahrhundert vom sächsischen Kurfürsten und polnischen König August III. erworben worden und wird heute im Grünen Gewölbe in Dresden ausgestellt.

Weiße Diamanten

Und die weißen Diamanten? Natürlich sind auch sie von den vorderen Plätzen der teuersten Diamanten in einer Auktion nicht wegzudenken. Zwar wurde für den weißen Lesedi La Rona, den größten seit 1905 gefunden Rohdiamanten 2016 bei Sotheby's kein Käufer gefunden, aber vielleicht fühlten sich die möglichen Interessenten von den unglaublichen 1109 ct auch ein wenig überfordert.

Der 1109 ct schwere Lesedi La Rona blieb unverkauft (Foto: Sotheby's) Der 1109 ct schwere Lesedi La Rona blieb unverkauft (Foto: Sotheby's)

Tatsächlich versteigert wurde 2017 ein Collier von Grisogono, das neben kleineren Diamanten und Smaragden ein rechteckig geschliffener Diamant von 163,41 ct ziert. Das Collier mit seinem beeindruckenden Anhängsel fand einen Käufer, der 28,8 Millionen Euro dafür bezahlte. Ähnlich geschliffen und ähnlich klar, konnte ein etwa walnussgroßer weißer Diamant von 100,20 ct 2015 bei Sotheby's ein Ergebnis von 19,7 Millionen Euro erzielen.

Links: Dieses Collier ziert der aktuell teuerste weiße Diamant (Foto) Rechts: So große wie eine Walnuss ist dieser Diamant (Foto: Sotheby's) Links: Dieses Collier ziert der aktuell teuerste weiße Diamant (Foto) Rechts: So große wie eine Walnuss ist dieser Diamant (Foto: Sotheby's)

Auch unter den teuersten weißen Diamanten finden sich Exemplare mit interessanter Provenienz. Der Erzherzog Joseph Diamant von 76,02 ct hatte seinen Platz ursprünglich in der Sammlung des österreichischen Erzherzog Joseph August aus der ungarischen Linie des Hauses Habsburg. 2012 löste der Stein ein Bietergefecht bei Christie's aus, durch den der Sieger 18,6 Millionen Euro auf den Tisch legen musste. Gegenüber all den zweistelligen Millionenbeträgen war der Beau Sancy mit seinem ebenfalls 2012 erzielten Auktionspreis von 8,25 Millionen Euro das reinste Schnäppchen. Nachweislich getragen wurde der unregelmäßig geschliffene Stein von 34,98 ct bereits zu Beginn des 17. Jahrhunderts von der französischen Königin Maria von Medici. Später war Teil der Kronjuwelen der Hohenzollern.

Links: Aus kaiserlichem Besitz: Der Erzherzog Joseph-Diamant (Foto: Christie's) Rechts: Der Beau Sancy verfügt über eine royale Provenienz, die sich lange zurückverfolgen lässt (Foto: Sotheby's) Links: Aus kaiserlichem Besitz: Der Erzherzog Joseph-Diamant (Foto: Christie's) Rechts: Der Beau Sancy verfügt über eine royale Provenienz, die sich lange zurückverfolgen lässt (Foto: Sotheby's)

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