Ein sehr interessantes Los ist jenes mit zwei Goldarmreifen, die zwischen dem 1. Jahrhundert v. Chr. und dem 1. Jahrhundert n. Chr. gefertigt wurden. Die Armreifen sind mit aufwändigem Filigrandekor und mit jeweils zwei Granatcabochons verziert. Die beweglichen Schließen am oberen Teil der Reifen sind mit ovalen Kameen aus fein geschnittenem grau-weißen Onyx besetzt. Sind die Armreifen auch sonst vollkommen identisch, was die Vermutung nahe legt, dass sie als Paar angefertigt wurden, unterscheidet sich das erhabene Bild der Schmucksteine.

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Während einer der Armreifen von einem nach rechts schreitenden Löwen geschmückt ist, ziert den anderen ein nach links gewandter Delfin. Weshalb ein Löwe und ein Delfin als Motive für das Armreif-Paar gewählt wurden, ist nicht ganz eindeutig. Löwe und Delfin galten im antiken Griechenland jedoch als Herrscher über Land bzw. Meer. Dies ist durch die Fabel "Der Löwe und der Delfin" des griechischen Dichters Aesop (vermutlich 6. Jahrhundert v. Chr.) belegt. In der Fabel bietet der Löwe einem Delfin die Freundschaft an, da sie sich als Herrscher über Land und Meer gegenseitig helfen könnten. Als der Löwe in einen Kampf mit einem wilden Stier gerät, kann der Delfin jedoch nicht helfen, da er das Meer nicht verlassen kann. Die Armreifen könnten ein Symbol darstellen, dass ihren Besitzer bzw. den Mann ihrer Besitzerin als Herrscher über Land und Meer ausweist.

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Eine andere Deutungsweise ist in der Astronomie zu suchen, da Löwe und Delfin jeweils ein Sternbild darstellen. Die Einteilung der Gestirne in Wesen der Mythologie war in der Antike besonders stark verbreitet und ist auch heute noch gültig. Die Einteilung nahm in Babylonien und Ägypten mit 12 Bildern ihren Anfang. Die antiken Griechen erweiterten die Sternbilder um weitere 48. Erst ab dem 17. Jahrhundert wurden weitere Sternbilder eingeführt.

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Schmuck mit wie vorliegend gestaltetem filigranem Dekor war im hellenistischen Griechenland weit verbreitet. Als Hellenismus wird die Epoche nach dem Tod Alexanders des Großen (356-323 v. Chr.) bezeichnet, als seine Erben, die Diadochen, sein erobertes Großreich unter sich aufteilten. Die hellenistische Epoche endete mit der Eroberung Ägyptens durch die Römer im Jahr 30 v. Chr. Ähnlicher Schmuck aus jener Zeit wurden sowohl in Italien als auch auf der ukrainischen Halbinsel Taman am Schwarzen Meer gefunden.

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Da bei jenen Beispielen jedoch keine Kameen vorkommen, ist das vorliegende Paar Goldreifen etwas später zu datieren. Betrachtet man die filigranen Verzierungen genauer, fallen Parallelen zum Schmuck der Sarmaten jener Epoche auf. Die Smarten waren ein Reiternomadisches Volk, das ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. die Steppen nördlich des Schwarzen Meeres bevölkerte. Die Armreifen zeigen, dass es einen kulturellen Austausch zwischen dem hellenistischen Griechenland und Völkern in nördlicheren Gebieten gegeben hat.

Zwei weitere Lose mit bedeutenden antiken Schmuckstücken der Auktion sind diese beiden, die mit Schätzpreisen von jeweils 100.000-150.000 Euro zugleich die teuersten sind. Auch sie wurden wie die Armreifen aufwändig mit filigranem Dekor verziert, sind jedoch rund 200 bis 300 Jahre älter. Während das Diadem (links) hauptsächlich florale Ornamente aufweist, ziert das Collier (rechts) ein sogenannter Herakles-Knoten aus zwei miteinander verknoteten Schlaufen, ein Element, das im antiken Griechenland und Rom weit verbreitet war. Im Römischen Reich verschloss eine Braut ihr Gewand mit einem solchen Knoten, der nur von ihrem Ehemann gelöst werden durfte.

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Leckere versteigert insgesamt 13 Lose mit hochinteressantem antiken Goldschmuck am 6. Oktober um 15 Uhr in Paris. Die Möglichkeit einer Vorbesichtigung aller Objekte besteht am 4. und 5. Oktober.

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