Es war im Jahr 1961, als in der Anfangssequenz von Frühstück bei Tiffany die Schaufensterscheiben des berühmten Juweliergeschäftes nicht nur Audrey Hepburns bezauberndes Gesicht widerspiegelten, sondern auch die Vorstellung der amerikanischen Jugend von französischer Finesse und Luxus.

Audrey Hepburn in "Frühstück bei Tiffany" | Foto via fabaudrey.com Audrey Hepburn in "Frühstück bei Tiffany" | Foto via fabaudrey.com

Als der Film in die Kinos kam, hatte Charles Lewis Tiffany, der Gründer des Geschäfts, diese Welt bereits vor 60 Jahren verlassen. Seinen Erben  hinterließ er ein Vermögen von geschätzten 35 Millionen Dollar, sowie den Grundstein zu einem Schmuckimperium, dessen Anfänge teilweise auf dem Verkauf der französischen Kronjuwelen basierten.

Gründer Charles Lewis Tiffany (1812-1902) | Foto via Tiffany & Co. Gründer Charles Lewis Tiffany (1812-1902) | Foto via Tiffany & Co.

Im Jahr 1887 galt Charles Lewis Tiffany in den Vereinigten Staaten bereits als König der Diamanten. Doch es war die in jenem Jahr stattfindende Auktion im Louvre, die seinen Ruf als visionärer Geschäftsmann auch international festigte. Tiffany erwies sich als geschickter Käufer des angebotenen Diamant- und Perlschmucks aus der Zeit der Restauration (1814-30) und des Zweiten Kaiserreichs (1852-70).

Eine Auswahl der Kronjuwelen, die bei der Auktion von 1887 angeboten wurden | Foto via angelsmyth.com Eine Auswahl der Kronjuwelen, die bei der Auktion von 1887 angeboten wurden | Foto via angelsmyth.com

Auch dieses royale Schmuckstück erwarb Tiffany 1887 | Foto via i.pinimg.com Auch dieses royale Schmuckstück erwarb Tiffany 1887 | Foto via i.pinimg.com

Mit 70.000 Objekten war das Angebot der Auktion so zahlreich, dass die Preise dafür nicht in dem Maße stiegen, wie es sich die Französische Republik erhofft hatte. Hier schlug die Stunde von Charles Lewis Tiffany: Er schnappte sich die feinsten Stücke, arbeitete sie um oder verwendete die Edelsteine für neue Kreationen und verkaufte diese an die amerikanische High Society.

Der richtige Riecher

Charles Lewis Tiffany wurde am 15. Februar 1812 in Connecticut geboren und hatte nur 1.000 Dollar in der Tasche, als er gemeinsam mit seinem Jugendfreund John B. Young in Manhattan einen Schreibwarenladen eröffnete. Die Zeiten waren hart - Amerika befand sich gerade im Krieg mit England - und der Erfolg für ein Geschäft für Schreibwaren und Geschenkartikel dementsprechend gering.

Am 14. September 1837 eröffneten Tiffany und seine Geschäftspartner den ersten Laden am Broadway. Die ersten Tageseinnahmen lagen bei 4,98 USD | Foto via Tiffany & Co. Am 14. September 1837 eröffneten Tiffany und seine Geschäftspartner den ersten Laden am Broadway. Die ersten Tageseinnahmen lagen bei 4,98 USD | Foto via Tiffany & Co.

Die drei Geschäftspartner (mittlerweile war Charles' Cousin J. L. Ellis zu den beiden Gründern hinzugestoßen), auf hochwertigere Waren umzusteigen: Böhmisches Kristall, chinesisches Porzellan und indisches Silber, das Charles zu einem guten Preis im Hafen von New York hatte erwerben können.

Eine Werbeanzeige von Tiffany, Young & Ellis | Foto via timeandwatches.com Eine Werbeanzeige von Tiffany, Young & Ellis | Foto via timeandwatches.com

Der Erfolg ihrer neuen luxusorientierten Strategie gab ihnen Recht und Tiffany, Young & Ellis beschloss 1845 auch Diamanten und Schmuck nach eigener Kreation ins Sortiment aufzunehmen.

Die Kunst der Inszenierung 

Das Entwicklungspotential dieses noch relativ konkurrenzlosen Tätigkeitsbereiches war enorm. Charles Lewis Tiffany, der bereits in jungen Jahren sein Gespür für Marketing zugunsten der Baumwollspinnerei und des Gemischtwarenladens seines Vaters bewiesen hatte, ließ immer wieder neue Werbestrategien einfallen, um seine Kollektionen zu verkaufen. So kaufte er 1858 etwa 20 Kilometer Telegraphenkabel, das er, in kleine Stücke zerschnitten, in Kupferringen verarbeitete, um die erste Unterwasserverbindung zwischen Amerika und Europa zu feiern. Die Kundschaft war begeistert und riss ihm die Ringe förmlich aus den Händen.

Tiffany kreierte nicht nur Ringe, um die Verlegung des Telegraphenkabels zu feiern, sondern fertigte auch Medaillen zu diesem denkwürdigen Ereignis an | Foto via atlantic-cable.com Tiffany kreierte nicht nur Ringe, um die Verlegung des Telegraphenkabels zu feiern, sondern fertigte auch Medaillen zu diesem denkwürdigen Ereignis an | Foto via atlantic-cable.com

Zu diesem Zeitpunkt war Charles bereits alleiniger Eigentümer des nun Tiffany & Company benannten Unternehmens - seine beiden Geschäftspartner hatte er fünf Jahre zuvor ausbezahlt.

Als talentierter Designer überwachte er nicht nur die Qualität der Steine, die für die Kreationen seiner Firma verwendet wurden, auch was die Gestaltung der Verpackungen und der seit 1845 existierende Versandkataloge betraf, bewies er seine Liebe zum Detail. Zum Markenzeichen wurde die Farbe Blau. Blue Box und Blue Book sind bis heute untrennbar mit Tiffany & Co. verbunden.

Tiffanys "Blue Book" war der erste Bestellkatalog in den USA | Foto via medium.com Tiffanys "Blue Book" war der erste Bestellkatalog in den USA | Foto via medium.com

1851 übernahmen Tiffany & Co. den 925er Sterling-Silber-Reinheitsstandard, eine internationale Norm, die sich ansonsten erst 1926 in den Vereinigten Staaten etablierte.

Eckpfeiler

1902 zog das Juweliergeschäft vom Broadway in das berühmte Gebäude auf der Fifth Avenue um, um für seine wohlhabende Klientel leichter erreichbar zu sein, die auf französischen Chic schwor. In den 1960er Jahren wurde das Gebäude zum "Historic Monument" erklärt.

Der Flagship-Store von Tiffany & Co. an der Fifth Avenue in Manhattan | Foto via Tiffany & Co. Der Flagship-Store von Tiffany & Co. an der Fifth Avenue in Manhattan | Foto via Tiffany & Co.

Tiffany zeigte seit 1850 auch in Paris Präsenz. Man präsentierte der dortigen Oberschicht seine Kreationen und kaufte gleichzeitig dem europäischen Adel seinen Familienschmuck ab. Eine eigene Pariser Filiale eröffnete Tiffany 1868 auf der Place de l'Opéra, eine weitere im selben Jahr in London. Heute betreibt Tiffany & Co. 80 Filialen in den Vereinigten Staaten und weitere 200 auf der ganzen Welt.

Erbe

1839 heiratete Charles Lewis Tiffany Harriet Young, die Schwester seines damaligen Geschäftspartners John Young. Als ältestes von sechs gemeinsamen Kindern kam 1848 Louis Comfort Tiffany zur Welt, der mit sich seinen Glaswaren und Lampen im Jugendstil einen Namen machen sollte.

Louis Comfort Tiffany (ganz links) mit seinen Eltern Charles Lewis und Harriet (sitzend) und der Familie | Foto via Wikipedia Louis Comfort Tiffany (ganz links) mit seinen Eltern Charles Lewis und Harriet (sitzend) und der Familie | Foto via Wikipedia

Louis Comfort Tiffany revolutionierte die Glaskunst. Seine Lampen sind bis heute legendär | Foto via jsouthernstudio.com Louis Comfort Tiffany revolutionierte die Glaskunst. Seine Lampen sind bis heute legendär | Foto via jsouthernstudio.com

Charles Lewis Tiffany behielt bis zu seinem Tod im Jahr 1902 das Szepter in der Hand. Nebenbei betätigte er sich außerdem als Kunstmäzen. Er war Patron des Metropolitan Museum of Art und trug in den 1890er Jahren zur Gründung der New Yorker Fine Arts Society bei.

Tiffany & Co.'s von Asien inspirierte "Conglomerate Vase" sorgte für Aufsehen bei der Pariser Weltausstellung von 1878 | Foto via coma.org Tiffany & Co.'s von Asien inspirierte "Conglomerate Vase" sorgte für Aufsehen bei der Pariser Weltausstellung von 1878 | Foto via coma.org

Eine weitere Legende ist der "Tiffany Diamond". Charles Lewis erwarb den gelben Diamanten von 287 ct im Jahr 1878 und ließ ihn zu einem Prachtstück im Cushion Cut von 128.54 ct schleifen. Der Diamant ist unverkäuflich | Foto via Tiffany & Co. Eine weitere Legende ist der "Tiffany Diamond". Charles Lewis erwarb den gelben Diamanten von 287 ct im Jahr 1878 und ließ ihn zu einem Prachtstück im Cushion Cut von 128.54 ct schleifen. Der Diamant ist unverkäuflich | Foto via Tiffany & Co.

Nach dem Tod des Firmengründers arbeitete Tiffany & Co. mit vielen renommierten Künstlern und Designern zusammen, die Kreationen entwarfen, die dessen geistiges Erbe fortführen sollten: Jean Schlumberger, Paloma Picasso, Frank Gehry und Elsa Peretti.

Mit dem richtigen Gespür für Trends und Marketing konnte der Diamanten-König Charles Lewis Tiffany den Grundstein für ein weltweites Imperium legen. Ob ihm der Film Frühstück bei Tiffany gefallen hätte? Was den Werbeeffekt für sein Unternehmen betrifft, garantiert.

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