luke honey
Luke Honey

Sie haben einen großen Erfahrungsschatz aus der Kunst- und Antiquitätenwelt. Wie hat es angefangen?

Meine Großeltern waren großartige Sammler und hatten die schönsten Häuser. Ich war immer fasziniert von Antiquitäten, man muss das im Blut haben. Mit 14 habe ich angefangen die Zeitschrift The World of Interiors zu abonnieren. Was ja nicht unbedingt ein sehr normales Verhalten für einen 14-jährigen ist. Ich studierte Geschichte an der UCL, ich war immer von der Vergangenheit besessen. Dann hatte ich große Pläne Anwalt zu werden, trank Port im Inner Temple, aber ich kämpfte damit die Geheimnisse des Bodenrechts zu verstehen.

Nach einer kurzen Affäre mit der Verlagsbranche Anfang der 90er Jahre, dazu gehörte auch ein Abstecher zu Foyle's Buchhandlung in der Charing Cross Road, gelang es mir einen Job als Lastwagenfahrer für den alten Showroom von Bonhams in der Lot's Road zu ergattern, was dann zu Phillips in der New Bond Street führte. Da war ich zwei Jahre lang Möbelträger, bevor ich als Spezialist und Registrator in die Abteilung für europäische Kunstwerke kam. Hier traft ich zum ersten Mal auf antike Schachspiele. Wir hielten regelmäßig Auktionen seltener Schachsets und –spiele im Bond Street Salesroom und auch in New York. Ich habe dann in die Schätzungsabteilung gewechselt und leitete schlussendlich die Abteilung im Phillips Bayswater Salesroom.

Ich habe Phillips 2001 verlassen und ging dazu über als Kunsthändler für Moderne Britische Gemälden, Zeichnungen und Drucke zu arbeiten, während ich gleichzeitig die antike Spielauktionen für Freeman's in Philadelphia, Bloomsbury (Auktionatoren für seltene Bücher) und Bonhams katalogisierte und leitete. Ich schätzte auch Antiquitäten und Gemälde für Seymour's Art Advisors. Ach ja, Natural History sollten wir nicht vergessen – ich habe auch mit diesem Bereich jetzt für einige Zeit zu tun gehabt. Seit zwei Jahren habe ich jetzt in Vollzeit als Kunsthändler gearbeitet. Ich habe endlich den Übergang vom Auktionsspezialisten und –berater zu einem Vollzeit Online-Antiquitätendealer gemacht. Es macht sehr viel Spaß und es ist eine außerordentlich kreative aber auch herausfordernde Arbeit.

Was begeistert Sie besonders bei Messen und Auktionen? Wonach halten Sie im Bereich „decorative arts" Ausschau?

Die Jagd. Es gibt immer etwas neues um die Ecke, immer etwas spannendes zu entdecken. Es hat sich so ergeben, dass ich mich in den Attributen einer sogennanten „Gentleman's Bibliothek", dh. Buchregalleitern, Globi, phrenologische Köpfe, konvexe Spiegel, Glücksspiel- und Rennsportsachen, grafische Poster, Zigarrenschränke und dergleichen, spezialisiert habe. „Mantiques", ist das aktuelle Modewort. Ich war natürlich schon sehr bekannt im Business für den Verkauf von alten Backgammonbrettern und Schachsets, aber jetzt interessiere ich mich für alles, was irgendwie eigen und ungewöhnlich ist, besondern, wenn es ein wenig ursprüngliche Patina trägt.

Nichts zu glänzendes oder glitzerndes, keine James Bond Schleudersitze in glänzend neuem Chrom. Ich bin da etwas mehr „Old School". Aber es hilft auch, wenn man etwas Modern der Jahrhundertmitte oder Festival of Britain in ein traditionelles Clubinterieur mixt. Das gibt dem ganzen dann etwas mehr Charakter". Es ist ein kreativer Nischenmarkt der sehr viel Freude bringt.
Ich stelle zweimal jährlich in der Battersea Decorative Antiques & Textiles Fair aus. Es ist meiner Meinung nach eine der besten Messen Londons, das sie eine breite Auswahl an stylischen und innovativen Händlern bietet und die Atmosphäre ist entspannt und freundlich, was ich auch sehr schätze. Zudem ist sie optisch herausragend.

Ich versuche, sofern möglich, nicht zu restaurieren. Ich bevorzuge es die Dinge in ihrem Originalzustand zu behalten und ich fasziniere mich für Dinge, die eine Geschichte erzählen. Wie zum Beispiel etwas sonderbare Magiposter der Illusionisten des goldenen Zeitalters. Unvollkommenheit birgt eine besondere Schönheit.

Welches Ihrer Ankäufe ist Ihr Lieblingsstück?

Oh das ist gar nicht so einfach. Ich habe vor kurzem ein großes Modell eines Goodyear Zeppelin Luftschiffs an einen anderen Kunsthändler verkauft. Es war fabelhaft. Es war ein Schaufenstermodell aus einer Amerikanischen Garage aus den 20er oder 30er Jahren, aus der Zeit von Bonnie und Clyde. Es gab auch ein tolles Originalposter des amerikanischen Bühnenzauberers, Hypnotisten und Schurken Claude Alexander Conlin, der angeblich 14 Frauen gehabt haben soll. Es war innerhalb von ein paar Minuten verkauft. Ein aktueller Favorit, den ich im Angebot habe ist eine Kollotypie, die von Orpen stammt und seine Muse Vera Hone in einer Uniform der Roscommon Dragoons, eines irischen Regiments, zeigt. Ihr Gesicht ist sehr eindringlich, kein Wunder, dass er so hingerissen war.

Was ist das nächste große Dinge auf dem "Mantiques" Market?

„Eklektizismus" ist derzeit groß im Gespräch. Ich bin ein großer Befürworter des Epochenmixes. Wenn die Qualität stimmt, funktioniert es auch. Es dreht sich alles um Schichten und Assoziationen, man muss ein Auge dafür entwickeln, was mit was funktioniert. Räume kann man neu anordnen, damit sie nicht langweilig werden, wie wäre es zum Beispiel ein wundervolles Backgammonset aus dem 18. Jahrhundert mit einem modernen Kaffeetisch oder einen eigenartigen, viktorianischen Kopf eines Phrenologen auf einem Battle of Britain Tisch aus dem Luftfahrtsministerium zu zeigen? Diese Herangehensweise war natürlich schon in den 60ern mit David Hicks beliebt.

Vintage-Backgammonsets sind derzeit sehr angesagt, bei Bankern sowie mathematisch veranlagten Personen besonders. Und natürlich Mahjong, ich verkaufe nur Sachen mit einer Geschichte, Dinge mit Charakter.

Und außerhalb von Antiquitäten? Was haben Sie sonst für Interessen, wir haben gehört Sie sind ein passionierter Foodie:..

Seit sieben Jahren schreibe ich einen Essensblog (The Greasy Spoon). Ein Liebesdienst. Damals gestand man irgendeinem Mädchen bei einer Cocktailparty, dass man ein "Blogger" ist und ihre Augen wurden ganz glasig vor Entsetzen, aber jetzt lache ich zuletzt und jeder will dabei sein. Es ist eine bereichernde und therapeutische Tätigkeit. Ich habe auch für The Spectator, The Dabbler und Homes & Antiques magazine gebloggt. Es sind die frühen Morgenstunden für mich, alle Ideen kommen mit den Cornflakes.

Ich bin auch ein Amateurkoch, oder versuche es zumindest zu sein. Derzeit kommt am ehesten das Gericht "Kedgeree" aus meiner Feder. Ein absoluter anglo-indischer Klassiker. Ich bin sowieso sehr von authentischem indischen Essen angetan. Lassen Sie mich bloß nicht weiter daran denken. Ich bin unglaublich verfressen.

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Luke Honey stellt vom 21. bis 26. April auf der Battersea Decorative Antiques & Textile Fair aus. Mehr Infos finden Sie dazu hier.

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