Das Schachspiel entstand vermutlich zwischen dem 3. und 6. Jahrhundert in Indien und soll auf das dort verbreitete Würfelspiel Ashtapada zurückzuführen sein, das auf einem Spielbrett mit 8x8 Feldern gespielt wurde. Aus Ashtapada entwickelte sich Chaturanga, das "Protoschach", das zunächst mit vier und schließlich mit zwei Spielern gespielt wurde.

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Chaturanga gelangte nach Persien und wurde dort Chatrang genannt. Die eigentliche Erfolgsgeschichte des Schachspiels begann mit der Eroberung persischer Gebiete durch die Araber ab dem 7. Jahrhundert. Für die neuen Herrscher wurde das Schachspiel zum "Spiel der höchsten Klasse". Die weitere Verbreitung erfolgte über den Handel auf der Seidenstraße. So finden sich Varianten des frühen Schachspiels in der Mongolei, in China, Tibet oder Japan. Und natürlich gelangte das Spiel auch nach Europa.

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Die Verbreitung in Europa erfolgte über Konstantinopel, das damals noch Hauptstadt des Oströmischen Reiches war. Die Waräger genannten skandinavischen Händler im Osten Europas brachten das Spiel im 8. Jahrhundert nach Russland. Mit den Mauren und deren Eroberung der iberischen Halbinsel gelangte Schach nach Spanien und von dort nach Italien und Südfrankreich. Im europäischen Hochmittelalter gehörte die Beherrschung des Schachspiels zu den Tugenden der Ritter.

Die Regeln des Schachspiels, wie wir es heute kennen, entstanden jedoch erst am Ende des Mittelalters. Die entscheidendste Veränderung war, dass die Dame nun zur wichtigsten Figur auf dem Spielbrett wurde. Diese modernen Entwicklungen des Schachspiels gingen im späten 15. Jahrhundert von Spanien aus. Dort fand ein Jahrhundert später auch das erste internationale Schachturnier statt. Sieger wurde der Sizilianer Giovanni Leonardo da Cutro, der den bis dato besten Schachspieler, einen Spanier namens  Ruy López de Segura, schlagen konnte.

Luigi Mussini - Das erste internationale Schachturnier am Hofe König Philipps II. von Spanien 1575, 1886 Luigi Mussini - Das erste internationale Schachturnier am Hofe König Philipps II. von Spanien 1575, 1886

Im Laufe des 18. und 19. Jahrhundert eroberte das Schachspiel auch das Bürgertum. Schach wurde nicht nur daheim, sondern auch in Cafés und Parks gespielt. Schachverbände wurden gegründet und nationale und internationale Turniere ausgetragen. Die erste offizielle Schachweltmeisterschaft fand 1886 in New York, New Orleans und St. Louis in den USA statt.

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Seit die Waräger das Schachspiel in Russland einführten, erfreut sich dieser Denksport dort enormer Beliebtheit. Während der sowjetischen Zeit wurden Schachschulen staatlich gefördert, um russische Spieler an die Weltspitze zu bringen - was sehr gut funktionierte. Der in Baku geborene Garri Kasparow war zwischen 1985 und 1993 Weltmeister des Weltschachbundes FIDE und gilt als der stärkste Spieler aller Zeiten.

Der amtierende Schachweltmeister ist übrigens der Norweger Magnus Carlsen, der den Titel seit 2013 innehat.

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Abhandlungen und theoretische Schriften über das Schachspiel existieren seit dem 9. Jahrhundert. Doch auch auf anderem Weg hat es seinen Weg in die Literatur gefunden. Sehr bekannt ist natürlich die Schachnovelle von Stefan Zweig, die dieser zwischen 1938 und 1941 verfasste. Ein jüngeres Publikum kommt dem Schachspiel im ersten Band der Harry Potter-Reihe - und natürlich dem Film dazu - näher. Harry und seine Freunde Ron und Hermine müssen eine mörderische Schachpartie mit lebensgroßen Schachfiguren antreten, um den Stein der Weisen zu finden.

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Die kürzeste Schachpartie war bereits nach drei Zügen beendet. Die längste Partie dauerte 24 Stunden und wurde 1990 in Tel Aviv ausgetragen. 193 Züge wurden dabei gemacht. Dies ist allerdings kein Rekord, dieser liegt bei 300 Zügen in einer einzigen Partie. Übrigens sollen insgesamt 5899 Züge in einer Partie theoretisch möglich sein.

Mit der Erfindung des Fernschachs kann eine Partie natürlich noch wesentlich länger dauern, hier spricht man dann schon von Jahren. Die erste Partie Fernschach wurde 1804 zwischen den Städten Breda und Den Haag ausgetragen. Damals noch mittels Postkarten, auf denen die Spieler ihren Zug für den Gegner notierten. Heute im Computerzeitalter geht die Übermittlung etwas schneller oder man tritt direkt gegen den Computer an.

Ein Vorläufer des Schachcomputers war der sogenannte "Schachtürke", ein Schachautomat, der 1769 vom österreichischen Mechaniker Wolfgang von Kempelen gebaut wurde. Der Automat schien selbstständig in der Lage zu sein, auf die Züge seiner Gegner zu reagieren. Kempelen ging mit seiner Erfindung auf Europatournee und erregte überall große Aufmerksamkeit. Man mag sich die Enttäuschung des Publikums vorstellen, als sich herausstellte, dass in der Maschine eine Mensch aus Fleisch und Blut saß...

Joseph Racknitz - Kupferstich des "Schachtürken", 1789 Joseph Racknitz - Kupferstich des "Schachtürken", 1789

Obwohl Schach ein eher theoretischer Denksport ist, regt es die Fantasie an. Sein allgemingültiges Prinzip macht es zudem äußerst variabel. Kein Wunder also, dass das Spiel mittlerweile in unzähligen Varianten zu haben ist. Fans von Salvador Dalí können ihre Partie mit surrealistischen Figuren antreten, Verehrer Napoleons stellen die Schlacht von Waterloo im Jahre 1815 nach. Oder man gibt sich als Star Wars-Fan einer neuen Hoffnung hin und lässt das Imperium zurückschlagen.

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Eine variantenreiche Schachauktion findet zurzeit im Onlineauktionshaus Catawiki statt. Dort können Sie noch bis Montag, den 9. Oktober auf ganz unterschiedlich gestaltete Schachspiele zu Themen aus Geschichte, Kunst und Merchandising mitbieten. Die Auktion endet um 20 Uhr. Wie einfach Sie mit nur wenigen Zügen mitbieten können, erfahren Sie hier.

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