Schwierige Anfänge

Apollonia Margarete Steiff wird am 24. Juli 1847 als drittes von vier Kindern im baden-württembergischen Giengen an der Brenz geboren. Im Alter von eineinhalb Jahren wird bei ihr Kinderlähmung diagnostiziert, durch die sie Zeit ihres Lebens auf einen Rollstuhl angewiesen sein wird.

Auch die Beweglichkeit ihrer rechten Hand ist durch die Krankheit eingeschränkt. Dennoch beginnt sie eine Schneiderlehre, die sie im Alter von 17 Jahren erfolgreich abschließt. Zu diesem Zeitpunkt führen ihre Schwestern Pauline und Marie eine kleine Damenschneiderei, in der Margarete nun zeitweise mithilft.

Margarete Steiff | Foto via medienwerkstatt-online.de Margarete Steiff | Foto via medienwerkstatt-online.de

Nachdem ihre Schwestern aus Giengen weggezogen waren, machte Margarete alleine weiter. In ihrem Elternhaus richtete Margaretes Vater ihr ein Arbeitszimmer ein, das Margarete mit einer Nähmaschine ausstatte, die sie von ihrem selbst verdienten Geld bezahlte. Da sie das Schwungrad der Maschine mit ihrer rechten Hand nur schwer bedienen konnte, drehte sie sie einfach um.

Ein kleiner Elefant sorgt für den Durchbruch

Mit 30 Jahren wagt Margarete Steiff den Schritt in die Selbstständigkeit und gründet ein Filzkonfektionsgeschäft, in dem sie Kleidung und Haushaltsartikel aus dem Festen Stoff herstellt.

Eine zufällige Entdeckung im Jahr 1879 sollte ihren Durchbruch bedeuten. In einer Zeitschrift für Damenmode entdeckt Margarete das Schnittmuster für einen Elefanten. Sie greift dieses auf und macht daraus einen Haushaltsartikel - ein Nadelkissen aus Filz.

Mit diesem zufällig entdeckten Stoffmuster begann 1879 die Erfolgsgeschichte | Foto via steifftiere.de.tl Mit diesem zufällig entdeckten Stoffmuster begann 1879 die Erfolgsgeschichte | Foto via steifftiere.de.tl

Eigentlich als Nadelkissen konzipiert, wurde das "Elefäntle" schon bald zum beliebten Kinderspielzeug | Foto via Margarete Steiff GmbH Eigentlich als Nadelkissen konzipiert, wurde das "Elefäntle" schon bald zum beliebten Kinderspielzeug | Foto via Margarete Steiff GmbH

Margaretes jüngerer Bruder Fritz verkauft einige der Elefäntle auf einem Markt in der Nähe und es kommt zu einer Überraschung: Die weichen Figuren machen nicht als Nadelkissen Karriere sondern als beliebtes Kinderspielzeug! Damit sind die Weichen für die zukünftige Richtung, die Margaretes Unternehmen in Zukunft einschlagen soll, gestellt.

Ein Familienunternehmen

1890 vollzieht Margarete die (räumliche) Trennung von ihrer Familie. Ihr jüngerer Bruder Fritz hilft ihr dabei, ein Wohn- und Geschäftshaus in der heutigen Margarete-Steiff-Straße zu beziehen. Während sich ein Laden mit Werkstatt im Erdgeschoss befindet, ist die obere Etage behindertengerecht für die Unternehmerin eingerichtet.

Durch den Erfolg ihres Elefäntle, von dem bereits 1886 5000 Exemplare verkauft wurden, bestärkt, lässt Margarete ihre kleine Firma am 3. März 1893 als "Margarete Steiff, Filzspielwarenfabrik Giengen/Brenz ins Handelsregister eintragen. Bereits im Jahr zuvor hatte sie ihren ersten bebilderten Katalog veröffentlicht. Margaretes Stofftiersortiment umfasst Vertrautes wie Hunde und Pferde, aber auch eine exotische Fauna mit Affen und Giraffen.

Margarete Steiff in ihrer Werkstatt | Foto via Pinterest Margarete Steiff in ihrer Werkstatt | Foto via Pinterest

Durch den Erfolg ihrer Produkte kann (und muss) Margarete vier Näherinnen in ihrer Werkstatt und 10 weitere in Heimarbeit beschäftigen.

Nach und nach steigen auch einige Familienmitglieder in das Unternehmen mit ein. Es waren die Söhne von Margaretes jüngerem Bruder Friedrich (Fritz), die ihre Talente und ihr Können der Firma ihrer Tante zur Verfügung stellten: Paul, Richard, Franz, Hugo, Otto und Ernst.

Margaretes jüngerer Bruder Fritz mit seinen Söhnen | Foto via steifftiere.de.tl Margaretes jüngerer Bruder Fritz mit seinen Söhnen | Foto via steifftiere.de.tl

Ein Bär macht Weltkarriere

Es ist Neffe Richard Steiff (1877-1939), der das Stofftier erfinden sollte, das am meisten mit der Firma Steiff assoziiert wird: Der Teddybär. Richard, der Kunst studiert hatte, tritt 1897 in die Firma seiner Tante ein, wo er Entwürfe für neue Stofftiere liefert. 1902 präsentiert er Margarete die Skizze für einen Bären mit beweglichen Armen und Beinen, der eine Hülle aus Mohair-Plüsch bekommen soll: Bär 55 PB, wobei die 55 für die Höhe von 55 cm, das P für "Plüsch" und das B für "beweglich" stehen.

Margarete ist zunächst skeptisch. Dennoch geht der Bär in Produktion und wird 1903 auf der Leipziger Spielwarenmesse der Öffentlichkeit vorgestellt. Erst schient es so, als sollte Margarete mit ihrer negativen Prognose Recht behalten. Aber dann, am allerletzten Tag der Messe, wird ein amerikanischer Händler auf Bär 55 PB aufmerksam und bestellt gleich 3000 Exemplare.

Franz Steiff und sein "Bär 55 PB" | Foto via Margarete Steiff GmbH Franz Steiff und sein "Bär 55 PB" | Foto via Margarete Steiff GmbH

Der Erfolg in den Vereinigten Staaten war phänomenal, denn der Zufall will es, das der amtierende Präsident Theodore "Teddy" Roosevelt zur gleichen Zeit in eine Geschichte mit einem Jungbären verwickelt war, den er auf einem Jagdausflug nicht hatte erschienen wollen. Die Geschichte wurde populär und in Karikaturen aufgegriffen, der Name "Teddy" war schon bald das Synonym für einen kleinen niedlichen Bären.

Durch diese Geschichte haben Stoffbären, allen voran natürlich Bär 55 PB, den Namen Teddybär erhalten, der schon bald auch im Heimatland von Richard Steiffs Erfindung verwendet wird.

Auszeichnungen und Markenschutz

Auch auf der Weltausstellung in St. Louis im Jahr 1904 ist der Teddybär der Hit. Weitere 12.000 Stück können verkauft werden. Dafür erhält die Firma Steiff, vertreten durch Margaretes Neffen Franz (1878-1908), den Grand Prix. Eine weitere Goldmedaille folgt sechs Jahre später auf der Weltausstellung in Brüssel, wo Steiff ein breites Sortiment seiner beweglichen Stofftiere präsentiert.

Steiff - Knopf im Ohr: Das berühmte Markenzeichen der Firma Steiff | Foto via martyns-store.co.uk Steiff - Knopf im Ohr: Das berühmte Markenzeichen der Firma Steiff | Foto via martyns-store.co.uk

1904 ist jedoch nicht nur ein hervorragendes internationales Verkaufsjahr für die Firma Steiff, sondern auch die Geburtsstunde ihres Markenzeichens: Der Knopf im Ohr mit einem gelben Fähnchen, das die Originale von Fälschungen unterschieden soll. Zwei Jahre später wird der Firmenname in Margarete Steiff GmbH umgewandelt - der Name, den die Firma auch heute noch führt.

Nachleben

Nach einem bewegten Leben schließt Firmengründerin Margarete Steiff am 9. Mai 1909 ihre Augen für immer. Sie erliegt im Alter von nur 61 Jahren den Folgen einer Lungenentzündung. Sie hinterlässt ein Unternehmen mit 400 Mitarbeitern in den Werkshallen und weiteren 1800, die als Heimarbeiter angestellt sind. Jährlich werden nun rund 1 Million Teddybären und 1,7 Millionen Spielartikel hergestellt.

Margarete Steiff (1847-1909) Foto via alchetron.com Margarete Steiff (1847-1909) Foto via alchetron.com

Das Erbe treten Margaretes Steiffs Neffen an, die das Unternehmen auch weiterhin international platzieren und vermarkten können. Ein faszinierende Geschichte, die in einem kleinen Arbeitszimmer ihren Anfang genommen hatte.

Stofftiere der Margarete Steiff GmbH finden Sie selbstverständlich auch hier bei Barnebys!

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