Vom Fin de Siècle zum Art déco - Die spannende Epoche, in der sich die Kunst neu erfand

Tauchen Sie ein in die Welt der Belle Époque und ihrer Nachfolger. Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert bekam das Kunsthandwerk neue Impulse und viele Designs haben bis heute nichts an ihrer Aktualität verloren.

Vom Fin de Siècle zum Art déco - Die spannende Epoche, in der sich die Kunst neu erfand

Am Ende des 19. Jahrhunderts blickten die Menschen positiv in die Zukunft. Die industrielle Revolution und der fortdauernde technische Aufschwung machten das Leben so komfortabel wie es noch nie zuvor gewesen war. Die wachsenden Städte boten mit ihren eleganten Straßen, Parks und Unterhaltungsmöglichkeiten Zerstreuung für jedermann und in London und Paris gab es die ersten großen Kaufhäuser, die dem Begriff Konsum eine völlig neue Dimension gaben.

Links: GEORG EGMONT OEHME (1890 Dresden 1955) - Damenbildnis (Frau mit Buch), Öl/Lwd., signiert und datiert, 1934 Rechts: MAX KONER (1854 Berlin 1900) und SOPHIE KONER (1855 London - 1929 Berlin) - Reichsgräfin Gabriele von Moltke, Öl/Lwd., bezeichnet und signiert, 1900/01
Links: GEORG EGMONT OEHME (1890 Dresden 1955) - Damenbildnis (Frau mit Buch), Öl/Lwd., signiert und datiert, 1934 Rechts: MAX KONER (1854 Berlin 1900) und SOPHIE KONER (1855 London - 1929 Berlin) - Reichsgräfin Gabriele von Moltke, Öl/Lwd., bezeichnet und signiert, 1900/01

Natürlich waren es vor allem die Frauen, die sich von diesen Geschäften in erster Linie angezogen fühlten. Dabei ging es nicht  nur um den Konsum allein, sondern auch um die Möglichkeit, als Frau alleine ausgehen zu können, um sich an einem Ort aufzuhalten, der sicher und respektabel war.

In dieser Epoche begannen Frauen sich vermehrt um ihre Freiheit und persönlichen Rechte Gedanken zu machen und traten dafür auch öffentlich ein. Sie wollten, im eigentlichen und im übertragenen Sinn, ihr enges Korsett sprengen. Vor allem war es aber der Erste Weltkrieg, der die Frau endgültig vom Korsett befreite, da sie in dieser Zeit vermehrt körperlicher Arbeit nachgehen musste.

Joseph Maria Olbrich - Notenschrank, Wurzelholz, um 1905
Joseph Maria Olbrich - Notenschrank, Wurzelholz, um 1905

Die Industrialisierung hatte neue Möglichkeiten der Serien- und Massenproduktion eröffnet. An einigen Orten begannen nun Künstler und Kunsthandwerker, diese Entwicklung in Frage zu stellen. Sie wünschten sich ein neues, frisches Design, das zudem von hoher Qualität war und nichts mehr mit den schwerfälligen und überladenen Formen des Historismus, der viele Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts geprägt hatte.

Zwei Zentren dieser neuen Bewegung befanden sich mit der Wiener Werkstätte in der Hauptstadt der damaligen k.u.k. Monarchie Österreich-Ungarn sowie mit der Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe in Darmstadt.

Links: Bücherschrank, Mahagoni, England um 1890 Rechts: Jugendstil-Kaffeekanne aus Silber
Links: Bücherschrank, Mahagoni, England um 1890 Rechts: Jugendstil-Kaffeekanne aus Silber

Genau wie bei Kleidung, Möbeln und Kunsthandwerk, vollzog sich auch beim Schmuck ein Wandel im Design. Das Blumige, das zuvor Mode gewesen war, wurde nun abgelöst durch nach wie vor verspielte, aber nicht mehr überladen wirkende Kreationen.

Links: Belle Époque-Collier, RG und Silber mit Diamanten, um 1890 Rechts: Art Déco-Damenarmbanduhr aus Platin mit Diamanten
Links: Belle Époque-Collier, RG und Silber mit Diamanten, um 1890 Rechts: Art Déco-Damenarmbanduhr aus Platin mit Diamanten

Ein absoluter Meister seines Faches und stilprägend für die Epoche, war der französische Schmuck- und Glashersteller René Lalique, der sich von einer "persönlichen Dreifaltigkeit" inspirieren ließ: Femme, faune, flore (Frau, Tierwelt, Blume). Zudem war es die Verwendung neuer, oft durchscheinender Materialien wie Glas oder Perlmutt, die völlig neue Effekte erzielten.

Der irisierende Effekt, den Lalique bei einigen seiner Schmuckkreationen anwendete, kam auch in der Glasherstellung zum Einsatz. 1894 hatte der Amerikaner Louis Comfort Tiffany das Favrile-Glas erfunden, das über eine irisierende Oberfläche verfügte und wie Perlmutt schimmerte.

Oben: LOUIS COMFORT TIFFANY - 4 Gefäße aus Favrile-Glas, New York um 1905 Links: Aufsatzschale aus Glas mit Metallmontierung, Böhmen um 1900 Rechts: ÉMILE GALLÉ - Vase mit Hortensien, Nancy 1920-26
Oben: LOUIS COMFORT TIFFANY - 4 Gefäße aus Favrile-Glas, New York um 1905 Links: Aufsatzschale aus Glas mit Metallmontierung, Böhmen um 1900 Rechts: ÉMILE GALLÉ - Vase mit Hortensien, Nancy 1920-26

Allgemein kam der Geist des Jugendstils in der Glaskunst gut zur Geltung. Neben Lalique und Tiffany waren es Künstler wie die Brüder Daum und Émile Gallé in Frankreich oder die Firma Johann Loetz Witwe in Böhmen, die sich von der Natur inspirieren ließen und in ihren fragilen Meisterwerken festhielten.

Links: Anhänger, GG teilw. versilbert mit Diamanten und Saphiren, Russland um 1890 Rechts: Belle Époque-Brosche/Anhänger aus Platin/GG mit Diamanten, um 1900
Links: Anhänger, GG teilw. versilbert mit Diamanten und Saphiren, Russland um 1890 Rechts: Belle Époque-Brosche/Anhänger aus Platin/GG mit Diamanten, um 1900

Mit dem Fortschreiten des Jugendstils wurden die Formen immer schlichter und geometrischer. Dieser neue Stil erlebte seinen Höhepunkt in den 1920er und 1930er Jahren und wurde Art déco genannt. Diese Bezeichnung existiert jedoch erst seit den 1960ern. Davor waren Begriffe wie Moderner Stil oder Französischer Stil gebräuchlich gewesen.

Aber wie man sie auch nennen möchte, die Designs aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sind irgendwie zeitlos und daher bis heute beliebt. Sie läuteten den Weg in die Moderne ein und wirken daher auf uns heute noch sehr vertraut.

Links: Art Déco-Ring, WG mit Diamanten und Smaragden Rechts: Art Déco-Ring, Platin mit Saphir und Diamanten
Links: Art Déco-Ring, WG mit Diamanten und Smaragden Rechts: Art Déco-Ring, Platin mit Saphir und Diamanten

Alle vorgestellten Objekte sind Teil der Auktion des Auktionshauses Kastern am 17. Juni. Das breitgefächerte Angebot umfasst alte und moderne Gemälde, Schmuck, Möbel, Porzellan, Uhren und vieles mehr. Auktionsbeginn ist um 11 Uhr in der Baringstraße 8 in Hannover. Die Ausstellung zur Auktion kann vom 6. bis 16. Juni besucht werden.

Entdecken Sie bei Barnebys alle Objekte des aktuellen Kataloges des Auktionshauses Kastern.