Das Metropolitan Museum of Art gibt gestohlenes Artefakt an Ägypten zurück

Vor allem während der Kolonialzeit und in Kriegen wurde und wird Kunst im großen Maßstab ihren Ursprungsländern entrissen, um anschließend in Museen anderer Länder und auf dem Kunstmarkt wieder aufzutauchen. Diese Art der "kulturellen Kriminalität" wird heute immer stärker attackiert.

Das Metropolitan Museum of Art gibt gestohlenes Artefakt an Ägypten zurück

Am 15. Februar übergab das Metropolitan Museum of Art in New York den vergoldeten Sarkophag des Nedjemankh der ägyptischen Regierung, nachdem sich herausgestellt hatte, dass er 2011 aus dem Land am Nil gestohlen worden war. Der erstaunlich gut erhaltene Sarkophag war des Herzstück der rund 70 Objekte umfassenden Ausstellung Nedjemankh and His Gilded Coffin gewesen, die seit Juli 2018 zahlreiche Besucher ins Museum lockte. Eigentlich sollte die Ausstellung noch bis zum 21. April 2019 laufen. Sie wurde jedoch sofort geschlossen, nachdem die wahren Hintergründe ans Licht gekommen waren.

Der Sarkophag des Nedjemankh kehrt nach Ägypten zurück | Foto: The Met
Der Sarkophag des Nedjemankh kehrt nach Ägypten zurück | Foto: The Met

Das Museum hatte den Sarkophag 2017 für ca. 4 Millionen USD beim Kunst- und Antiquitätenhändler Christophe Kunicki in Paris erworben. Kunicki ließ die Mitarbeiter des Met in dem Glauben, der Sarkophag hätte Ägypten 1971 auf legalem Weg verlassen, indem er ihnen eine gefälschte Ausfuhrerlaubnisse und weitere falsche Dokumente vorlegte. Nun hat das Museum herausgefunden, dass das antike Stück erst vor acht Jahren gestohlen worden war.

Christophe Kunicki (ganz rechts), der Antikenhändler, der vermutlich den Sarkophag 2017 an das Met verkaufte | Foto: La Nouvelle Republique
Christophe Kunicki (ganz rechts), der Antikenhändler, der vermutlich den Sarkophag 2017 an das Met verkaufte | Foto: La Nouvelle Republique

Laut der Antiquities Coalition, einer gemeinnützigen Organisation, die 2015 gegründet worden war, um den weltweiten illegalen Handel mit Antiken zu bekämpfen, war das Entfernen und Verkaufen solcher Stücke bis in die 1960er Jahre hinein, weitestgehend unbewacht und allgemein akzeptiert. Dann jedoch begannen Museen und archäologische Institutionen damit, die Öffentlichkeit über solche Diebstähle zu informieren, da diese Antiken auf dem Kunstmarkt und in privaten Sammlungen auftauchten. 1970 verabschiedete die UNESCO Maßnahmen, mit denen der zwischenstaatlichen Handel mit Antiken überwacht fortan werden sollte. Weitere Übereinkommen folgten, darunter die Convention on Stolen or Illegally Exported Cultural Objects des Internationalen Instituts für die Vereinheitlichung des Privatrechts in Rom, die ihren Fokus auf illegale Privatkäufe richtet.

Auch das berühmte Tal der Könige in Ägypten wird immer wieder Opfer von Kunsträubern | Foto: Robert Clark for National Geographic
Auch das berühmte Tal der Könige in Ägypten wird immer wieder Opfer von Kunsträubern | Foto: Robert Clark for National Geographic

Aufgrund der heutigen Kriegsschauplätze und politischer Unruhen, die auch ein Sicherheitsrisiko für antike Stätten mit sich bringen, ist das Thema Antikenhehlerei wieder verstärkt ins Bewusstsein der Behörden und der Öffentlichkeit gerückt. In Ägypten wurde sie verstärkt nach der Revolution von 2011 zum Problem, indem aus illegalem Antikenhandel Profit geschlagen wurde und zu einer Geldquelle für Terroristengruppen wie dem IS wurde.

Die Bibliothek in Zabid, Jemen, die von Huthi-Rebellen geplündert wurde | Foto: Alsahwa Yemen
Die Bibliothek in Zabid, Jemen, die von Huthi-Rebellen geplündert wurde | Foto: Alsahwa Yemen

Eine vergleichbare Situation herrscht mittlerweile im Jemen, wo der Bürgerkrieg nicht nur eine humanitäre Katastrophe ausgelöst hat, sondern auch zu massiven Plünderungen von Museen, Bibliotheken und Weltkulturerbestätten der UNESCO geführt hat. Wie die Antiquities Coalition berichtet, sind jemenitische Antiquitäten im Wert von 8 Millionen USD zwischen 2008 und 2018 allein in die Vereinigten Staaten eingeführt worden. Auch diese Antiken dienen der Finanzierung verschiedener Gruppierungen im Bürgerkrieg und berauben den Jemen seiner überaus reichen Kulturgeschichte.

Das römische Marmorrelief aus der zweiten Hälfte des 2. Jhs. wurde von Christie's an Italien zurückgegeben | Foto: Christie's via CNN
Das römische Marmorrelief aus der zweiten Hälfte des 2. Jhs. wurde von Christie's an Italien zurückgegeben | Foto: Christie's via CNN

Durch die kulturellen Plünderungen der letzten Jahre, befinden sich Museumssammlungen und der Kunstmarkt heute auf dem Prüfstand. Erst im Februar 2019 hatte Christie's acht gestohlene Antiken an Italien zurückgegeben, nachdem sich herausgestellt hatte, dass diese in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts aus der Villa Borghese und den Katakomben in Rom gestohlen worden waren. Im November 2018 gab der französische Präsident Macron bekannt, dass 26 Artefakte aus dem Musée du quai Branly in Paris nach Benin zurückgeführt werden, die dort 1892 nach der Zerstörung des Palastes von König Behanzin verschwunden waren. Auch das British Museum stimmte zu, einige Bronzeplaketten aus Benin zurückzugeben - allerdings nur als Leihgabe. Wie Reuters im November 2018 berichtete befinden sich "mehr als 90% von Afrikas kulturellem Erbe vermutlich in Europa."

Die Bronzen aus Benin werden nur als Leihgabe in ihr Ursprungsland zurückkehren | Foto: Dan Kitwood/Getty Images
Die Bronzen aus Benin werden nur als Leihgabe in ihr Ursprungsland zurückkehren | Foto: Dan Kitwood/Getty Images

Im Januar 2019 gab das British Museum bekannt, dass es ein Programm namens Circulating Artefacts gegründet habe, dessen Ziel es sei "eine semantische Datenbank der ägyptischen und kubischen Antiken [zu schaffen], die sich auf dem internationalen Kunstmarkt und in Privatsammlungen befinden... um so den Kunstmarkt transparenter zu machen und gleichzeitig als Abschreckung für Kunsträuber und andere Kriminelle zu dienen".

Max Hollein, Direktor des Met griff die Einstellung des British Museum in Hinblick auf den gestohlenen Sarkophag auf, und gab an: "Unser Museum sollte als Referenz für den respektvollen Umgang mit kulturellem Eigentum auftreten und führend in Hinblick auf die Befolgung von Richtlinien und Praktiken sein. Wir werden aus diesem Vorfall lernen [...] um zu verstehen, was wir tun können, um solche Vorfälle in Zukunft zu vermeiden."

Das Rijksmuseum in Amsterdam gab im März bekannt, dass es erwägt, eine Diskussion über die mögliche Rückgabe von Artefakten in ihre Ursprungsländer zu eröffnen. Nachdem das Museum damit begonnen hatte, den kolonialgeschichtlichen Hintergrund einiger Artefakte seiner Sammlungen zu untersuchen, erklärte der Direktor des Museums, Taco Dibbits, dass mit diesem Vorgehen schon viel früher hätte begonnen werden müssen und dass es dafür keine Entschuldigung gäbe. Die zehn Objekte, die nun möglicherweise zurückgegeben werden sollen, stammen aus Sri Lanka und Indonesien. Es gibt allerdings noch tausende gestohlene Objekte der Kolonialzeit in der Sammlung des Rijksmuseums.

Dieses gestohlene Relief aus einer Londoner Sammlung wurde 2014 vom British Museum als Teil eines Gebäudes von Thutmose IV. in Karnak identifiziert. Nun kehrt es nach Ägypten zurück | Foto: ©Marcel Marée
Dieses gestohlene Relief aus einer Londoner Sammlung wurde 2014 vom British Museum als Teil eines Gebäudes von Thutmose IV. in Karnak identifiziert. Nun kehrt es nach Ägypten zurück | Foto: ©Marcel Marée

Auch deutsche Museen sind damit beschäftigt, die Kolonialgeschichte aufzuarbeiten. Ende Februar gab das Linden-Museum in Stuttgart zwei Objekte an die namibische Regierung zurück, die deutsche Truppen vermutlich 1893 während eines Aufstandes gegen die damaligen Kolonialherrn entwendet und außer Landes gebracht hatten.

Die Aufarbeitung des kolonialen Erbes in den Museen hat gerade erst angefangen und ist eine wahre Mammutaufgabe. Doch nicht nur die Artefakte, die sich seit 100 Jahren in Museumssammlungen befinden, bedürfen einer Überprüfung. Auch auf dem Kunstmarkt müssen strengere Auflagen für die Eindämmung des illegalen Handels mit Antiken sorgen - und vor allem auch eingehalten werden.