Gustav Klimts außergewöhnliches Portrait Adele Bloch-Bauer I nimmt eine nicht minder außergewöhnliche Stellung in der Kunstgeschichte ein. Das Bildnis der schönen jungen Tochter des Generaldirektors des Wiener Bankvereins hat seit seiner Entstehung im Jahr 1907 eine wahre Odyssee hinter sich, die Konfiszierung durch die Nazis, Rückgabe an die Erben der Eigentümer und schließlich einen rekordbrechenden Verkauf im Jahr 2006 einschließt.

Gustav Klimts "Portrait Adele Bloch-Bauer I" (1907) | Foto via Fine Art Images Gustav Klimts "Portrait Adele Bloch-Bauer I" (1907) | Foto via Fine Art Images

Zum Zeitpunkt des Entstehens des Portraits war Adele Mitte Zwanzig und seit acht Jahren mit dem Zuckerfabrikanten Ferdinand Bloch verheiratet, der auch der Auftraggeber für das besagte und ein weiteres Portrait seiner Frau bei Maler Gustav Klimt war.

Adele wurde von ihren Zeitgenossen als rebellisch, elegant und oft kränkelnd beschrieben. Sie hätte gerne studiert, beugte sich aber schließlich den gesellschaftlichen Erwartungen und heiratete 1899 den 17 Jahre älteren Ferdinand Bloch. Das wohlhabende Paar betätigte sich in der Wiener Kunstszene als Förderer von Künstlern, einer davon war Gustav Klimt.

Adele Bloch-Bauer, ca. 1910 | Foto via galleryIntell Adele Bloch-Bauer, ca. 1910 | Foto via galleryIntell

Vor allem Adele, der die Rolle einer Mutter versagt blieb, fand als Mäzenin ein Betätigungsfeld, das ihr sehr am Herzen lag. Sie war mit Schriftsteller Arthur Schnitzler und Psychoanalytiker Sigmund Freud bekannt und galt als komplexe Persönlichkeit, die sich mit den modernen Aspekten der Künste ihrer Künste auseinandersetzte und enthusiastisch förderte.

Adele Bloch-Bauer ist die einzige Frau, die von Klimt zweimal portraitiert wurde. Außerdem stand sie ihm zwei weitere Male, ohne das dies damals publik wurde, für Judith I (1901) und Judith II (1909) Modell. Heute gilt sie daher als seine Muse - mindestens. Immer wieder wurden und werden Stimmen laut, die sagen, den Maler und seine Mäzenin hätte noch weit mehr verbunden.

GUSTAV KLIMT (1862-1918) Links: Judith I (1901) Mitte: Judith II (1909) Rechts: Adele Bloch-Bauer II (1912) | Alle Abb. via Wikipedia GUSTAV KLIMT (1862-1918) Links: Judith I (1901) Mitte: Judith II (1909) Rechts: Adele Bloch-Bauer II (1912) | Alle Abb. via Wikipedia

Hätte Adele dem Charme des Künstlers erliegen können? Vielleicht als eine Art Flucht aus ihrer ihr aufgezwungenen Ehe? Tatsächlich war Gustav Klimt, was Charme und Anziehungskraft auf das andere Geschlecht anging, umfassend ausgestattet. Das belegt allein schon die Tatsache, dass er 14-16 uneheliche Kinder hatte.

Gustav Klimt, 1905 | Foto via Wikipedia Gustav Klimt, 1905 | Foto via Wikipedia

Am 11. Dezember war bei Sotheby's in London ein Toi-et-moi-Ring mit einem braunen und einem weißen Diamanten versteigert worden, der einst von Ferdinand Bloch erworben worden war. Das Auktionshaus ging fest davon aus, dass dieser Ring den Finger von Blochs Frau Adele geziert haben dürfte.

Dieser Toi-et-moi-Ring mit Diamanten könnte einst von Adele Bloch-Bauer getragen worden sein | Foto: Sotheby's Dieser Toi-et-moi-Ring mit Diamanten könnte einst von Adele Bloch-Bauer getragen worden sein | Foto: Sotheby's

Adele Bloch-Bauer starb 1925 im Alter von nur 43 Jahren. Ihr Mann überließ den Ring daraufhin an seine Großnichte Helen Marie Stutzova weiter, die ihn wiederum ihrer Tochter Charlotte Mayer gab. Charlotte konnte den Nationalsozialisten entkommen und ließ sich 1939 in London nieder. Der Ring blieb bis zur Schmuckauktion 2018 im Besitz der Familie. Versteigert wurde er für 43.750 GBP (ca. 48.500 Euro), was sechsmal so hoch war, wie der zuvor geschätzte Preis von 5.000-7.000 GBP.

War es vielleicht die mögliche Liebesbeziehung, die Gustav Klimt und Adele Bloch-Bauer miteinander verbunden haben könnte, die den Höchstbietenden so tief in die Tasche greifen ließ?

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