1910 erhielt der russische Choreograf und Tänzer Mikhail Fokine den Auftrag, ein Ballett auf die Bühne zu bringen, mit dessen Aufführung die Zeitschrift Satyricon unterstützt werden sollte. Seine einzige Vorgabe war, dass es das Thema "Karneval" behandeln muss. Fokine dachte dabei sogleich an Robert Schumanns Klavierzyklus Carnaval von 1837.

Mikhail Fokine und Vera Fokina in "Carnaval", 1910 | Foto via Pinterest Mikhail Fokine und Vera Fokina in "Carnaval", 1910 | Foto via Pinterest

Fokine, Ballettmeister des Kaiserlichen Balletts in Sankt Petersburg, kümmerte sich um die Choreografie, die er von den besten Tänzern seiner Compagnie tanzen ließ, für die Kostüme sorgte Léon Bakst, der Maler und Bühnenbildner war. Die Kostüme der Tänzerinnen und Tänzer waren größtenteils von der Epoche des Biedermeier, aus der das Klavierstück stammt, inspiriert.

Nach der Uraufführung in Sankt Petersburg am 5. März 1910 wurde das Ballett von Sergei Djagilew aufgegriffen, der es von den Tänzern seiner Ballets Russes einstudieren und im Mai 1910 im Theater des Westens in Berlin-Charlottenburg aufführen ließ. Die männliche Hauptrolle tanzte niemand geringeres als Vaslav Nijinsky, einer der bedeutendsten Balletttänzer und Choreografen des frühen 20. Jahrhunderts.

Die Inszenierung in Berlin war ein voller Erfolg und Modelleur Paul Scheurich griff das Ballett auf, um für die Meißner Manufaktur dessen Hauptcharaktere in Porzellan zu gestalten. Es war eine seiner ersten Arbeiten für die bedeutende Manufaktur.

Zwei der weiblichen Figuren, Estrella und Chiarina, werden am 28. Dezember in der Kunst- und Antiquitätenauktion bei Eppli in Stuttgart angeboten.

Als literarische Vorlage seiner Choreografie hatte sich Mikhail Fokine von den Figuren der Commedia dell'arte inspirieren lassen, dem traditionellen italienischen Theater des Barocks.

Dessen Charaktere inspirierten um 1760 auch Porzellanmodelleur Franz Anton Bustelli zur Kreation von 16 Figuren für die Manufaktur Nymphenburg, die zu den berühmtesten Erzeugnissen des Porzellanherstellers zählen und auch heute noch produziert werden.

Sieben Figuren der Commedia dell'arte aus dem 20. Jahrhundert können ebenfalls in der Auktion von Eppli ersteigert werden.

Insgesamt kommen in der Auktion, die am 28. Dezember um 11 Uhr in der Eppli Auktionshalle in Leinfelden-Echterdingen stattfindet, 783 Lose zum Aufruf, die eine Vielzahl an Kategorien umfasst, darunter alte und moderne Gemälde und Aquarelle, Schmuck, Uhren, Spielzeug, Grafik, Asiatika und Wein.

Am darauffolgenden Tag findet am selben Ort eine weitere Auktion mit Münzen, Medaillen, Briefmarken und Historika statt. Beginn ist ebenfalls um 11 Uhr.

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