Die größte Sammlung mit deutschem Notgeld von 1914/15 wird versteigert

Beim Anblick des Kataloges zur aktuellen Auktion der Teutoburger Münzauktion werden sich Freunde der Numismatik gewiss zunächst die Augen und dann die Hände reiben.

Die größte Sammlung mit deutschem Notgeld von 1914/15 wird versteigert

Jede Menge numismatische Schätze beinhaltet der Katalog zur 124. Auktion der Teutoburger Münzauktion, die am 24. und 25. Mai in Borgholzhausen stattfinden wird. Das Angebot umfasst seltene und gesuchte Stücke, der Antike, des Mittelalters und der Neuzeit sowie aktuelle Sammlerstücke.

Als absolutes Top-Los der Versteigerung präsentiert das Auktionshaus mit der Sammlung Diessner die weltweit größte Sammlung mit deutschem Notgeld von 1914/15. Die etwa 2500 unterschiedlichen und teilweise äußerst seltenen oder sogar unikaten Scheine aus rund 380 verschiedenen Ausgabestellen des damaligen Deutschen Kaiserreiches sind in 16 großformatigen Alben sortiert, die aufwändig gestaltet und mit vielen Informationen gespickt wurden.

Deutsches Notgeld von 1914/1915. Sammlung Hans-Jürg Alfred Dießner | Fotos: Teutoburger Münzauktion
Deutsches Notgeld von 1914/1915. Sammlung Hans-Jürg Alfred Dießner | Fotos: Teutoburger Münzauktion

Bei dieser einmaligen Gelegenheit handelt es sich um die private Sammlung von Hans-Jürg Alfred Dießner, dem Verfasser des Kataloges DEUTSCHES NOTGELD BAND 11 Das deutsche Notgeld von 1914/15, von dem der glückliche Käufer ein vom Autor signiertes Exemplar dazu erhält.

Eine 300 Jahre ältere Notmünze kann man unter den weiteren Highlights der Auktion entdecken. Unter Fürst Gabriel Báthory (1608-1613) wurden 1611 in Siebenbürgen einseitige Nottaler ausgegeben. Der Fürst war ein entfernter Cousin der berüchtigten ungarischen Gräfin Elisabeth Báthory, die angeblich junge Mädchen zu Tode gefoltert und - wie die Legende besagt - deren Blut zur eigenen Verjüngung verwendet haben soll.

Links: Siebenbürgen, Einseitiger Nottaler 1611, Hermannstadt | Foto: Teutoburger Münzauktion || Rechts: Elisabeth Báthory(1560-1614), die 1611 als Serienmörderin zu lebenslanger Haft verurteilt | Foto via Wikimedia
Links: Siebenbürgen, Einseitiger Nottaler 1611, Hermannstadt | Foto: Teutoburger Münzauktion || Rechts: Elisabeth Báthory(1560-1614), die 1611 als Serienmörderin zu lebenslanger Haft verurteilt | Foto via Wikimedia

Zehn Jahre später wurde in der Pfalz dieser silberne Reichstaler geprägt, der den Landesherrn Friedrich V. nicht nur als Kurfürst von der Pfalz, sondern auch als König von Böhmen benennt. 1619 war ihm die böhmische Königskrone angetragen worden, die er gerne annahm und sich so in Opposition zu dem eigentlichen "Amtsinhaber", dem Römisch-Deutschen Kaiser. Friedrichs Herrschaft dauerte nicht lang, nur etwa ein Jahr bis 1620. Von seinen Feinden erhielt er darum den Spottnamen "der Winterkönig".

Links: Gerrit van Honthorst (attr.), Friedrich V., um 1625, Wien, Heeresgeschichtliches Museum | Foto via Wikimedia || Rechts: Pfalz-Simmern, Reichstaler 1621, Heidelberg | Foto: Teutoburger Münzauktion
Links: Gerrit van Honthorst (attr.), Friedrich V., um 1625, Wien, Heeresgeschichtliches Museum | Foto via Wikimedia || Rechts: Pfalz-Simmern, Reichstaler 1621, Heidelberg | Foto: Teutoburger Münzauktion

Friedrichs kurze Herrschaft war einer der Mitauslöser für den religiös motivierten Dreißigjährigen Krieg. Auf Seiten der Protestanten nahm auch der schwedische König Gustav II. Adolf daran Teil und zwar sehr erfolgreich. 1631 besiegte er das kaiserliche Herr in der Schlacht von Breitenfeld, an die die vorliegende Goldmedaille erinnern soll.

Erfurt - unter schwedischer Besatzung, Goldmedaille (Guss) v. S. Dadler 1631 | Fotos: Teutoburger Münzauktion
Erfurt - unter schwedischer Besatzung, Goldmedaille (Guss) v. S. Dadler 1631 | Fotos: Teutoburger Münzauktion

Das kleine Fürstentum Anhalt-Zerbst hatte den Dreißigjährigen Krieg auf protestantischer Seite miterlebt. Knapp 100 Jahre nach dem Westfälischen Frieden, der den Krieg 1948 beendet hatte, heiratete Prinzessin Sophie Friederike von Anhalt-Zerbst den russischen Thronfolger Peter. Als dieser 1762 als Peter III. den Zarenthorn bestieg, war seine Herrschaft noch kürzer als jene des "Winterkönigs", nämlich gerade einmal sechs Monate. Daher ist es nicht verwunderlich, das der vorliegende Rubel mit seinem Profilbild eher selten anzutreffen ist.

Links: Russland, Rubel 1762, St. Petersburg || Rechts: Russland, 10 Rubel 1776, St. Petersburg | Fotos: Teutoburger Münzauktion
Links: Russland, Rubel 1762, St. Petersburg || Rechts: Russland, 10 Rubel 1776, St. Petersburg | Fotos: Teutoburger Münzauktion

Sophie Friederike, die mittlerweile Katharina hieß, hatte ihren ungeliebten und unfähigen Gemahl vom Thron gestoßen um selbst Zarin zu werden - ihre Herrschaft sollte schließlich 34 Jahre dauern. Eine, im vorliegenden Erhaltungszustand sehr seltene Goldrubelmünze Katharinas kommt ebenfalls zum Aufruf.

Auf stolze 14 Kilogramm bringt es eine Sammlung mit Silbermünzen aus aller Welt. Die unsortierte Sammlung mit Münzen ab ca. 1840 könnte so manchen Schatz beinhalten!

Karton mit ca. 14 Kilo Silbermünzen aus aller Welt (brutto) ab ca. 1840 | Foto: Teutoburger Münzauktion
Karton mit ca. 14 Kilo Silbermünzen aus aller Welt (brutto) ab ca. 1840 | Foto: Teutoburger Münzauktion

Ergänzt wird das spannende numismatische Angebot der Auktion durch die Versteigerung eines Antiquitätennachlasses. Für die Präsentation dieses speziellen Loses hat die Teutoburger Münzauktion eigens eine Halle angemietet, in der alles vorab der Auktion begutachtet werden kann. Das Los setzt sich zusammen aus Uhren des 19. und 20. Jahrhunderts, Glas, Porzellan, Möbeln, Büchern und einer Barometersammlung.

Riesiger Nachlass eines Antiquitätensammlers | Fotos: Teutoburger Münzauktion
Riesiger Nachlass eines Antiquitätensammlers | Fotos: Teutoburger Münzauktion

Die 124. Versteigerung der Teutoburger Münzauktion beginnt am 24. und 25. Mai jeweils um 10 Uhr. Bereits am 23. Mai ab 13 Uhr Münzen aus China und anderen asiatischen Ländern in einer Onlineauktion.

Zu den Highlights zählen hier mehrere chinesische Panda-Goldmünzen, die die Volksrepublik seit 1982 in verschiedenen Feingewichten als Sammlermünze ausgibt. Die Wahl des immer wieder neu dargestellten Motivs fiel auf den Großen Panda, das Nationaltier Chinas.

Links: 1000 Yuan GOLD Panda 12 Unzen Feingold 1986. Panda mit Jungem | Foto: Teutoburger Münzauktion || Rechts: Panda Beim Verspeisen seiner Leibspeise | Foto via Unsplash
Links: 1000 Yuan GOLD Panda 12 Unzen Feingold 1986. Panda mit Jungem | Foto: Teutoburger Münzauktion || Rechts: Panda Beim Verspeisen seiner Leibspeise | Foto via Unsplash

Ein weiteres interessantes Los dieser Offerte ist eine vermutlich 1903 oder 1905 in der Münzstätte Berlin geprägte Probemünze der Provinz Szechuan, von der nur 3 bis 5 Exemplare existieren sollen. Es handelt sich um ein 10 Cash-Stück. Cash oder Kaschieren war vom 16. bis 19. Jahrhundert die von Europäern verwendete Bezeichnung für ost- und südostasiatische Kursmünzen.

10 Cash PROBE/PATTERN o.J.(1903/1905). Szechuan Provinz mit Dreizack-Flamme auf dem Drachen unter CHU | Fotos: Teutoburger Münzauktion
10 Cash PROBE/PATTERN o.J.(1903/1905). Szechuan Provinz mit Dreizack-Flamme auf dem Drachen unter CHU | Fotos: Teutoburger Münzauktion

Die Saalauktion findet bei der Teutoburger Münzauktion in der Brinkstraße 9 in Borgholzhausen statt. Eine Vorbesichtigung kann dort nach vorheriger Absprache vorgenommen werden.

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