Gestohlener Signac in der Ukraine wieder aufgetaucht

Ein Gemälde von Paul Signac, das 2018 aus dem Musée des Beaux-Arts in Nancy gestohlen worden war, konnte in der Ukraine sichergestellt werden. Die Polizei vermutet, dass die Täter auch in den Renoir-Raub in Wien verwickelt sind.

Gestohlener Signac in der Ukraine wieder aufgetaucht

Le Port de La Rochelle ("Der Hafen von La Rochelle"), ein Ölgemälde von Paul Signac (1863-1935), wurde am Dienstag von den ukrainischen Behörden in Kiew sichergestellt, beinahe ein Jahr, nachdem es am 24. Mai 2018 aus dem Musée des Beaux-Arts in der französischen Stadt Nancy gestohlen worden war. Das Werk aus dem Jahr 1915 wurde aus seinem Rahmen geschnitten, der als einziger Zeuge zurückblieb, denn das Geschehen spielte sich außerhalb der Sichtweite der Überwachungskameras ab. Die Staatsanwaltschaft bezeichnete die Täter als "hartgesottene und besonders gut organisierte Kriminelle".

Paul Signac, Le Port de La Rochelle, 1915 | Foto: Musée de Nancy
Paul Signac, Le Port de La Rochelle, 1915 | Foto: Musée de Nancy

Das 46 x 55 cm große Gemälde zeigt die Hafeneinfahrt des an der französischen Atlantikküste gelegenen La Rochelle. Wiederentdeckt wurde es bei einem Mann in Kiew, der verdächtigt wurde, einen Juwelier ermordet zu haben. "Wir haben Informationen über eine Gruppe von Leuten erhalten, die im vergangenen Jahr nach Käufern für in Europa gestohlene Gemälde gesucht hat", sagte Polizeichef Sergei Tykhonov gegenüber AFP. "Im Rahmen der Recherchen konnten mehrere Kunstwerke sichergestellt werden, darunter auch dieses Gemälde."

Eine von einem französischen Gericht beantragte Prüfung bestätigte die Echtheit des Gemäldes, das in einer Zeremonie am 23. April an Isabelle Dumont, französische Botschafterin in Kiew, übergeben wurde. Der ukrainische Innenminister Arsen Avakov zeigte sich erfreut, das Gemälde dem Museum in Nancy zurückgeben zu können.

Der Wert des Gemäldes von Paul Signac wurde nach dem Diebstahl auf rund 1,5 Millionen Euro geschätzt. Es war Teil einer Sammlung von 117 Kunstwerken, die die Witwe des Glaskünstlers Émile Gallé dem Museum überlassen hatte. Der für den Fall zuständige Sergei Kniazev erklärte, dass die ukrainische Polizei gemeinsam mit ihren österreichischen Kollegen nun überprüfen wolle, ob die Diebe auch mit dem Diebstahl von Renoirs Golfe, mer, falaises vertes in Verbindung stehen, der sich letzten November in Wien abgespielt hatte.

Paul Signac war ein bedeutender Vertreter des französischen Neo-Impressionismus, der zusammen mit Georges Seurat zur Entwicklung des Pointillismus beigetragen hat. Signac hatte eine große Leidenschaft für die Seefahrt. Seine Villa in Saint-Tropez nannte er La Hune ("Krähennest" bzw. "Mastkorb"). Dort bildete er viele seiner Zeitgenossen in dem pointillierten Stil aus. Le Port de La Rochelle führte Signac in jenem Jahr aus, in dem er zum offiziellen Maler der Marine ernannt wurde.

Paul Signac, Le Port au soleil couchant, Opus 236 (Saint-Tropez), 1892 | Foto: © Christie's
Paul Signac, Le Port au soleil couchant, Opus 236 (Saint-Tropez), 1892 | Foto: © Christie's

Ein neues Rekordergebnis für ein Werk Paul Signac hatte es gerade erst im Februar gegeben, als Le Port au soleil couchant, Opus 236 (Saint-Tropez) ("Der Hafen bei Sonnenuntergang") von 1892 bei Christie's für 22,7 Millionen Euro versteigert wurde.

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