Hochkarätiger Smaragd von Katharina der Großen bei Christie's

Die kommende Schmuckauktion von Christie's in Genf hat mehr als nur ein royales Schmuckstück zu bieten. Eines davon ist ein 75 ct schwerer Smaragd, der sich einst im Besitz von Russlands großer Zarin Katharina II. befunden hat.

Hochkarätiger Smaragd von Katharina der Großen bei Christie's

75 ct sind natürlich schon allerhand. Tatsächlich wog der tiefgrüne Smaragd, der bei Christie's zum Aufruf kommen wird, ursprünglich stolze 107 ct. In diesem Format gelangte er im 18. Jahrhundert in den Besitz von Zarin Katharina II., die sich in den 34 Jahren, in denen sie über Russland herrschte, den Beinamen "die Große" erhalten hatte.

Fjodor Stepanowitsch Rokotow (um 1736-1808), Portrait von Katharina II., 1763 | Foto via Wikimedia Commons
Fjodor Stepanowitsch Rokotow (um 1736-1808), Portrait von Katharina II., 1763 | Foto via Wikimedia Commons

Katharina, geboren 1729 als Prinzessin Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst in Stettin auf die Welt gekommen war, wurde 1745 mit dem nachmaligen Zaren Peter III. verheiratet. Dieser bestieg 1762 den Thron - jedoch nicht für lange. Bei einem Staatsstreich setzte Katharina Peter gemeinsam mit den mit ihr verbündeten Offizieren ab. Er starb unter letztendlich nie völlig geklärten Umständen. Seine Witwe wurde indessen zur russischen Zarin gekrönt und regierte das riesige Reich 34 Jahre lang. Ihre Herrschaft, die sie weitestgehend nach den Gedanken der Aufklärung zur führen versuchte, war ein Goldenes Zeitalter für Russland. Katharina erwies sich zudem als große Förderin der Künste und gründete 1764 das Eremitage Museum im Winterpalast von Sankt Petersburg.

Blick in die 1764 von Katharina II. gegründete Eremitage | Foto: Hunter and Bligh
Blick in die 1764 von Katharina II. gegründete Eremitage | Foto: Hunter and Bligh

Neben ihrer hervorragenden Kunstsammlung besaß Katharina natürlich auch großartigen Schmuck. Am berühmtesten dürfte wohl der rund 190 ct schwere Orlow-Diamant sein, der seit 1776 das goldene Szepter der Zaren ziert - und wie alle berühmten Diamanten selbstverständlich mit einem Fluch belegt ist...

Der Orlow-Diamant im goldenen Zepter der russischen Zaren. Ausgestellt in der Rüstkammer des Moskauer Kremls | Foto: Elkan Wijnberg/Wikimedia Commons
Der Orlow-Diamant im goldenen Zepter der russischen Zaren. Ausgestellt in der Rüstkammer des Moskauer Kremls | Foto: Elkan Wijnberg/Wikimedia Commons

Nach ihrem Tod 1796 gingen Katharinas Schätze, darunter auch der Smaragd, um den es hier geht, in den Besitz ihres Sohnes und Nachfolgers Paul I. über. Dieser vererbte den Stein seinem Sohn Nikolaus I., der wiederum seinem Sohn Alexander II. Alexander überreichte den Smaragd seiner Schwiegertochter Marie zu Mecklenburg am Tag ihrer Vermählung mit seinem Sohn, dem Großherzog Wladimir, 1874.

1917 kam es zur Russischen Revolution und Marie, die nach ihrer Hochzeit Maria Pawlowna hieß, musste aus Russland fliehen. Zunächst hielt sie sich im Kaukasus auf, anschließend im Badeort Anapa am Schwarzen Meer, um schließlich im Februar 1920 über Venedig nach Frankreich zu reisen, wo sie sieben Monate später starb.

Großfürstin Maria Pawlowna (1854-1920) mit ihrem berühmtesten Diadem, 1908 | Foto via Wikimedia Commons
Großfürstin Maria Pawlowna (1854-1920) mit ihrem berühmtesten Diadem, 1908 | Foto via Wikimedia Commons

Maria Pawlowna Romanowa war besonders berühmt für ihre umfangreiche Sammlung herausragenden Schmucks. Als sie Russland verlassen musste, konnte sie mit Hilfe des mit ihr befreundeten britischen Antiquitätenhändlers Albert Stopford fast 250 Stücke ihrer Schmucksammlung außer Landes schmuggeln.

Nach Maria Pawlownas Dahinscheiden verkauften ihre Kinder ihre Schmuckstücke in den 1920er Jahren an die Königshäuser Europas und den amerikanischen Geldadel. Eines der Diademe wurde von der englischen Queen Mary erworben, der 107 ct schwere Smaragd ging an Pierre Cartier.

Queen Elizabeth II. mit dem Diadem der Großfürstin Anna Pawlowna, das ihre Großmutter Queen Mary 1920 erworben hatte | Foto: Popsugar
Queen Elizabeth II. mit dem Diadem der Großfürstin Anna Pawlowna, das ihre Großmutter Queen Mary 1920 erworben hatte | Foto: Popsugar

1954 schlug der bekannte Juwelier Ralph Esmerian Cartier vor, den Smaragd auf 75 ct zu verkleinern und in Tropfenform zu schleifen, das die die Klarheit des Edelstein besser zur Geltung bringen würde. Gesagt, getan. Eingefasst wurde der Stein anschließend in eine prachtvolle Diamantkette aus dem ehemaligen Besitz der wohlhabenden Whitney-Familie. Das neuentstandene Schmuckstück wurde von John D. Rockefeller Jr. gekauft, dem Sohn des Gründers von Standard Oil. Rockefeller hatte ein besonderes Faible für Smaragde: 1930 kaufte er eine Brosche, deren 18,04 ct zentraler Smaragd in einem Ring neugefasst wurde. Dieser Ring wurde vor zwei Jahren bei Christie's versteigert und für 5,5 Millionen USD vom Juwelierunternehmen Harry Winston erworben.

Mehr über den Rockefeller-Smaragd können Sie hier nachlesen

Links: Der Rockefeller-Smaragdring, der 2017 versteigert wurde Rechts: Das Collier mit dem 75 ct wird am 15. Mai in Genf versteigert | Fotos: Christie's
Links: Der Rockefeller-Smaragdring, der 2017 versteigert wurde Rechts: Das Collier mit dem 75 ct wird am 15. Mai in Genf versteigert | Fotos: Christie's

Das Collier mit dem nunmehr 75 ct schweren Smaragd blieb bis 1971 im Besitz der Familie Rockefeller. Bei einer Auktion wurde es von Ralph Esmerian für 1 Million USD ersteigert. Später verkaufte er es weiter an den aktuellen Besitzer, der den Smaragd in eine neue Diamantkette fassen ließ.

In der Auktion bei Christie's wird der Smaragd, der so viele prominente Besitzer aufweisen kann, mitsamt der neuen Kette mit einem Schätzpreis von 2,3-3,5 Millionen USD angeboten.

Auch diese royalen Schmuckstücke werden Mitte Mai in Genf versteigert.