Barnebys: Artserver ist ein Projekt Ihrer Galerie „Westphal Berlin - Kunst & Projekte“ in Berlin-Grunewald. Wann und warum wurde Artserver gegründet?
Stefan Westphal: Die Onlineplattform Artserver wurde bereits 2004 gegründet - von mir und einem Freund, Michael Janssen, der Programmierer ist. Meine tägliche Arbeit in seiner großen Galerie hat mir gezeigt, dass Galerien damals nicht daran geglaubt haben, dass hochwertige Kunst tatsächlich über das Internet verkauft werden könnte. Die wenigsten hatten eine Homepage, geschweige denn einen Webshop. Bei meinen Anfragen für Werke, die ich online verkaufen wollte, musste ich immer viel erklären und habe zunächst immer nur die Bilder bekommen, die sich in der Galerie nicht mehr bewegt haben. Nach den ersten Verkäufen, damals vor allem ins Ausland, haben meine Partner begriffen, welche Vergrößerung der Reichweite mit dem Internet möglich ist. Zum einen bekam ich für meinen Onlinehandel nun andere Bilder, zum anderen bauten weitere Galerien nach und nach eine eigene Internetpräsenz auf.

Welche Art von Kunst kann bei Artserver erworben werden?
Kunst jeglicher Art. Qualitativ hochwertige Arbeiten, aber auch solche, die eigentlich keinen Markt mehr haben. Wir decken alle klassischen Medien ab: Bilder, Arbeiten auf Papier sowie Skulptur und Plastik. Aktuell haben wir unter anderen ein Bild der Ferrareser Schule aus dem 16./17. Jhd. im Angebot und eine große Papierarbeit von Neo Rauch. Der Bogen ist also weit gespannt.

Was hat es mit dem „Marketplace“ auf sich?
Es gibt ja doch viele Bilder und Skulpturen, deren Künstler in Vergessenheit geraten sind und nach denen keiner mehr aktiv sucht - weder mit einer Online-Suchmaschine noch in den Galerien. Solche Positionen stellen wir auf dem "Marketplace", wo unsere Kunden dann stöbern können. Wenn dort etwas gefällt, ist der Preis meist überschaubar und man kauft das Kunstwerk und nicht den Namen oder ein Ranking.
Wie funktioniert der Kaufvorgang bei Artserver?
In den meisten Fällen per E-Mail. Es gibt die Möglichkeit nur mit einer E-Mail-Adresse fast anonym einen Preisvorschlag zu machen und dann schauen wir, ob es passt und ggf. einen Gegenvorschlag. Werden wir uns einig, kommt die Rechnung von der Galerie aus Berlin. Man hat also in jedem Fall auch einen „richtigen“ Ansprechpartner für den Versand etc. Natürlich kann man auch anrufen oder in die Galerie kommen.

Gibt es ein Kunstwerk oder einen Künstler bei Artserver, das bzw. den Sie aktuell besonders empfehlen können?
Nein. Eine Empfehlung erfolgt ja immer unter einem Gesichtspunkt. Meist der Wertsteigerung: „Kaufen Sie jetzt, nächstes Jahr kostet es das Doppelte“. Ich habe eine sehr konservative Ausbildung gehabt und es gibt schon genug Protagonisten auf dem Markt, die so die Interessenten in „Investments“ locken.
Was können Sie Neulingen im Bereich des Sammelns von Kunst ans Herz legen?
Da gibt es eine alte Weisheit: Kaufen Sie mit den Augen, nicht mit den Ohren. Wenn Sie etwas kaufen und sammeln, das Ihnen gefällt, haben Sie für den Rest Ihres Lebens Freude daran. Wenn die „Rendite“ vordergründig ist, gibt es mit Sicherheit andere Möglichkeiten. Und noch ganz wichtig: Schauen Sie sich viel Kunst an, in Museen, in Galerien und auf Messen. So bekommen Sie mit der Zeit ein „inneres Koordinatensystem“ und können Arbeiten für die eigene Sammlung darin verorten. Ebenfall ein bewährter Leitfaden ist es, jeweils in seiner Generation zu kaufen.
Wie schätzen Sie das Potenzial des Internets für den Verkauf von Kunst ein?
Das ist in dieser Fragestellung schwer zu beantworten. Ich denke, das dass Potenzial, Kunst tatsächlich zu verkaufen, bei den Galerien nahezu ausgereizt ist. Bei Auktionen wird es sich noch wesentlich weiter entwickeln können. Viel Potenzial hat meines Erachtens noch die Entwicklung der Künstlerselbstvermarktung, auch wenn das natürlich die Galerien nicht gerne sehen. Als Ergänzung des klassischen Handels wird es in Zukunft natürlich weiterhin eine extrem wichtige Rolle spielen. Und auf einem ganz anderen Blatt steht dann die Entwicklungen von Kunstarten, die über die Möglichkeiten von 3D entstehen. Sowohl im Druck als auch in der „virtuellen Welt“.
Wir danken Herrn Stefan Westphal für das Gespräch und wünschen Ihm weiterhin viel Erfolg mit seiner Galerie in Berlin und natürlich mit Artserver - entdecken Sie mehr!
Titelfoto: Galerist Stefan Westphal auf der Paper Positions in Basel, im Hintergrund Werke von Niq Nanu Daah | Foto: Christian Kneisel
