Am 25. April endet die Onlineauktion "Nordic Design" von Bukowskis Dependance in Helsinki. Obwohl der Name der Auktion es vermuten lässt, befinden sich unter den über 300 Losen auch Arbeiten internationaler Künstler. Bieten Sie mit auf Schöpfungen von Rut Bryk, Hans J. Wegner, Timo Sarpaneva und Ludwig Mies van der Rohe. Einige Highlights finden Sie im Folgenden.

Bereits in jungen Jahren machte sich das künstlerische Talent von Fulvio Bianconi bemerkbar. Zunächst richtete sich sein Interesse auf das Zeichnen von Cartoons, bevor er in den frühen 1930er Jahren eine Karriere als Grafikdesigner in Mailand in Angriff nahm. Doch wenige Jahre später wechselte er sein Arbeitsgebiet erneut und er begann sich für die Glaskunst zu interessieren, woraus eine langjährige Zusammenarbeit mit der Glasmanufaktur Venini in Murano entstehen sollte. In den 1950er Jahren war Bianconi einer der produktivsten und einflussreichsten Künstler der Manufaktur. Durch Bianconis moderne Designsprache erhielt Venini internationale Aufmerksamkeit, nicht zuletzt durch die Teilnahme an der Biennale von Venedig im Jahr 1950, als die Manufaktur mehrere Entwürfe von Bianconi präsentierte. Die aus klarem Kristallglas gefertigte Vase A Macchine mit ihrem abstraktem Design war eine der auf der Biennale vorgestellten Schöpfungen.
Während seiner gesamten Karriere in der Welt der Glaskunst machte sich Bianconis Hintergrund als Grafikdesigner und Cartoonist bemerkbar, wohnte seinen farbenfrohen Entwürfen doch viel Humor und Verspieltheit inne.

In den 1980er Jahren gab es immer mehr internationale Künstler, die für den finnischen Keramikhersteller Arabia arbeiteten, wodurch sich die Formensprache des Unternehmens erweiterte. Einer dieser Künstler war der japanische Designer Jun Kaneko, der 1987 als Gastkünstler bei Arabia tätig war.
Kaneko hatte in seiner Heimat Kunst studiert bevor es ihn in den 1960er Jahren in die USA zog, wo er seine Ausbildung fortsetzte. Dort, am Chouinard's Art Institute in Los Angeles, begann er sich für Keramik zu interessieren. Damals nahm die Bewegung rund um moderne amerikanische Keramik allmählich Gestalt an. Während seiner gesamten Karriere hat Jun Kaneko sein japanisches Erbe mit der westlichen Moderne kombiniert.

Der finnische Keramiker Birger Kaipiainen begann im Alter von 22 Jahren für Arabia zu arbeiten – und tat dies dann ein halbes Jahrhundert lang. Er entwarf alles von Skulpturen über Service bis hinzu Wandreliefs. Am bekanntesten ist er jedoch für seine dekorativen Teller, die er häufig mit Früchten und Blumen verzierte. Doch war es nicht nur die Natur, die ihn inspirierte, auch die Kunst in byzantinischen Kirchen und die Traumwelten Marc Chagalls hinterließen ihre Spuren. Mit seinen romantischen Kreationen ging Kaipiainen einen völlig anderen Weg, als die meisten anderen finnischen Designer, die auf Minimalismus eingestimmt waren. Die in der Auktion vorliegende Schale mit einem Muster raus Blumen und Perlen stammt aus der Sammlung von Arabias CEO Harry Blomster.

Doch auch Paavo Tynell ließ sich für seine dekorativen Messingleuchten am liebsten von der Natur inspirieren. Seine Werke hängen im Lasipalatsi "Glaspalast") in Helsinki, im Büro des UN-Generalsekretärs in New York sowie in zahlreichen Privathäusern. Tynell hatte früh erkannt, dass es in Finnland an Designobjekten aus Metall mangelte und gründete daher 1918 das Unternehmen Taito Oy AB. Der Kronleuchter, der bei Bukowskis versteigert wird, war eine Auftragsarbeit für die Alte Kirche in Lahti. Der Leuchter besteht aus Messing mit floralem Dekor. Die acht Lampenhalterungen bestehen aus weiß bemaltem Metall.

Alvar Aalto und Otto Korhonen lernten sich in den späten 1920er Jahren kennen, als sie gemeinsam das Lantmannahus in Südwestfinnland planten. Aalto war gerade nach Turku umgezogen, wo Otto Korhonen einige Jahre zuvor die Firma Oy Huonekalu- ja Rakennustyötehdas AB gegründet hatte. Da Aalto und Korhonen die gleichen Visionen hatten, die von den neuen Designprinzipien inspiriert waren, begannen sie, neue Herstellungsmethoden auszuprobieren. Das Ergebnis der Zusammenarbeit waren Möbel mit einer völlig neuen Designsprache und einer neuartigen Konstruktion.

Der Sessel vom Modell 50101, der Teil der Offerte ist, wurde in den späten 1920er Jahren entworfen und war eng mit der Veränderung von Aaltos Formensprache zu jener Zeit verbunden. Das Möbelstück vereint ein klassisches Design mit einer funktionalistischen Konstruktion. Zwei dieser Sessel schenkte Aalto seinem Freund, Architekt Kaj Englund, der sie in seinem Haus in Englund aufstellte. Wenn Aalto Englund besuchte, bevorzugte er es, in einem "seiner Sessel" zu sitzen. Wer diesen Sessel ersteigert, wird künftig also dort sitzen können, wo bereits der berühmte finnische Desinger und Architekt Platz genommen hat.
