Dass Rembrandt Harmenszoon van Rijn ein Mann ohne jedes Selbstbewusstsein gewesen sein könnte, wird wohl kaum jemand annehmen. Der Sohn eines Müllers und einer Bäckerstochter schlägt ganz selbstverständlich den Weg eines Malers und Radierers ein, malt im Alter von nur 25 Jahren ein so außergewöhnliches Bild wie Die Anatomie des Dr. Tulp und heiratete mit Saskia van Uylenburgh eine Patriziertochter, die gesellschaftlich eigentlich viel höher als er steht. Auch Rembrandt selbst diente sich immer wieder als Motiv. Um dabei keine Langweile aufkommen zu lassen, bediente er sich seiner Sammlung internationaler (oft orientalischer) Kleidungsstücke und Gegenstände, die er bereits in seinen Anfangszeiten als Künstler anzulegen begann.

Drei Original-Radierungen Rembrandts gehören zu den Highlights der kommenden Auktion von Kiefer Buch- und Kunstauktionen, die vom 8.-10. Oktober in Pforzheim stattfinden wird. Die Selbstporträts zeigen den Künstler mit jeweils einer anderen Kopfbedeckung, die er vermutlich aus seiner "Requisiten-Sammlung" herausgesucht hatte: Selbstbildnis mit Barett, von vorn gesehen (1634), Selbstbildnis mit Pelzmütze (1631) und Selbstbildnis mit erhobenem Säbel (1634).

So berühmt wie Rembrandts Radierungen sind auch jene des spanischen Künstlers Francisco de Goya, darunter dessen im späten 18. Jahrhundert entstandene Serie mit 80 Aquatinta-Radierungen Los Caprichos. In der Auktion kommt ein vollständiges Exemplar der 5. Ausgabe von 1799 zum Aufruf. Ergänzend dazu sei auf die 76 Kaltnadelradierungen aus Les Caprices de Goya de Dalí hingewiesen – ein Werk, in dem sich Salvador Dalí mit der Arbeit Goyas auseinandersetzte.

Eine wunderbare Versammlung altkolorierter Holzschnitte stellt das 1543 in Basel erschienene New Kreüterbuch des deutschen Mediziners und Botanikers Leonhart Fuchs dar, nachdem später übrigens auch die Pflanzengattung der Fuchsien benannt wurde.

In der Kategorie "Photographie" darf ein interessantes Album mit 158 Aufnahmen von Mitgliedern des europäischen Adels nicht unerwähnt bleiben. Die Bilder zeigen Persönlichkeit wie Queen Victoria und Kaiserin Elisabeth (siehe Abbildung). Letztere sammelte ebenfalls Fotografien, allerdings von schönen Frauen, die nicht zwangsläufig dem Adel angehören mussten.

Tiefere Einblicke in das Leben einer bedeutenden Familie im 19. Jahrhundert bietet die Sammlung von über 480 Originalbriefen von Johanna von Puttkammer, der Ehefrau von Otto von Bismarck, in vier Bänden. Empfängerin der Briefe war Johanna von Bismarcks Patentochter Marie Meister.

Interessant ist auch die Entwurfszeichnung zu dem Monumantalgemälde Amor und Psyche des Schweizer Malers Léo-Paul-Samuel Robert von ca. 1875. Robert, der vor allem für seine Aquarelle mit Vögeln und Raupen bekannt ist, beschäftigte sich in seinem Frühwerk mit mythologischen Themen. Der Standort der fertigen Gemäldes Amor und Psyche ist allerdings unbekannt.

Auch eine der größten Keramikuhrensammlungen der Welt kommt in der Auktion zum Aufruf. Die Uhren, die meist von ihren Beistellern begleitet werden, wurden in den 1980er Jahren hauptsächlich auf Antiquitätenmessen in Belgien zusammengetragen.

Ebenfalls dekorativ, jedoch zusätzlich mit einem interessanten historischen Aspekt ausgestattet, ist ein Schiffsmodell der Titanic, ausgeführt im Jahr 1999 von der Firma Fine Art Models in nur 50 Exemplaren. Zu dem Modell im Maßstab 1:192 gehört eine Vitrine aus Schwarznuss und Glas.

Zum Schluss sei noch auf das am höchsten bewertete und umfangreichste Los der Offerte hingewiesen: Der Lagerbestand eines Antiquariats mit über 75.000 Werken. Die Bücher stammen überwiegend aus dem 20. Jahrhundert, jedoch sind auch ältere Druckwerke dabei.
Die Versteigerungen der fast 4000 Lose findet vom 8.-10. Oktober online statt (Beginn ist jeweils um 10 Uhr). Gebote können telefonisch, schriftlich, per Fax und via Internet abgegeben werden.
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