Verabschieden tut sich auch das finnische Auktionshaus Annmaris am 12. Dezember, jedoch nur von der diesjährigen Auktionssaison. Aus diesem Anlass hat das Versteigerungsunternehmen ein weiteres Mal ein beeindruckende Offerte zusammengetragen, die große Namen des finnischen Designs, darunter Paavo Tynell, Birger Kaipiainen, Alvar Aalto und Tapio Wirkkala, umfasst – aber auch Meister aus aller Welt. Unsere sieben Favoriten möchten wir Ihnen nun näher vorstellen.

Zunächst sei auf den Keramikkünstler Michael Schilkin hingewiesen, der im russischen Trubino geboren wurde, 1921 jedoch nach Finnland floh, um einer schlimmen Hungersnot zu entkommen. Eigentlich der Kunst zugetan, arbeitete er als Lkw-Fahrer, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen.
1937 begann Schilkin für Arabia zu arbeiten, wo er ein Kollege von Künstlern wie Birger Kaipiainen, Rut Bryk und Tapio Wirkkala war. Im selben Jahr erhielt er die finnische Staatsbürgerschaft, wodurch er seine neue Heimat bei der Weltausstellung in Paris vertreten durfte, wo er auch sogleich mit einer Goldmedaille ausgezeichnet wurde. Zu Beginn seiner künstlerischen Karriere widmete sich Schilkin vor allem biblischen Themen, wechselte dann aber zu dem, wofür er heute am bekanntesten ist: Tierskulpturen aus Steinzeug und Ton, die wilde Tiere wie Bären, Löwen und Panther.

Tapio Wirkkala konzentrierte sich nicht auf ein bestimmtes Material, sondern kombinierte für seine zeitlosen und originellen Entwürfe Glas, Porzellan, Holz, Metall und Kunststoffe. Seine Designs wirken schlicht, erforderten jedoch viel Arbeit.
Klare und einfache Linien zu erzielen, sei die größte Herausforderung eines Designers, wie Wirkkala einmal selbst anmerkte. Er stellte sich dieser Herausforderung und wurde dadurch zu einem der bedeutendsten Schöpfer der europäischen Moderne im Allgemeinen und der finnischen Modernen im Besonderen. Bei Annmaris ist er nun mit mehreren Losen vertreten, darunter der Couchtisch 9020, den er in den 1950er Jahren für Asko entwarf.

Das italienische postmoderne Designerduo Afra und Tobia Scarpa konzentrierte sich bei seinen Entwürfen auf die technischen und ästhetischen Möglichkeiten des Materials und ließ sich oft von Tobias Vater, dem venezianischen Architekten und Designer Carlo Scarpa, inspirieren.
1969 entwarf das Paar den ikonischen Sessel Soriana für den italienischen Hersteller Cassina. Im darauffolgenden Jahr auf den Markt gebracht, wurden die Schöpfer das Möbelstücks für dessen einzigartiges und komplexes Design mit dem Compasso d’Oro ausgezeichnet. Soriana war das erste Polstermöbel ohne Innenstruktur und wird nur von Metalldrähten geformt und getragen.

Der dänische Designer Paul Henningsen, der zunächst eine Ausbildung zum Mauerer absolvierte, dann aber in Kopenhagen ein Architekturstudium begann, ist heute für seine Leuchten bekannt, deren gestaffelte Schirme, das Licht reflektieren ohne zu blenden.
1926 begann Henningsen mit dem Leuchtenhersteller Louis Pulsen zusammenzuarbeiten und gemeinsam brachten sie die sogenannte PH-Lampe auf den Markt. Ein weiterer Klassiker ist Henningsens Deckenleuchte Septima type 5, die 1957 zur Deckenleuchte Kotte weiterentwickelt wurde. Der erste Prototyp von Septima type 5 wurde 1928 im Kunstindustrimuseet (heute Designmuseum Danmark) in Kopenhagen präsentiert, ein Exemplar der frühesten Version kommt jetzt bei Annmaris zum Aufruf.

In den 1940er Jahren eroberte der finnische Designer Paavo Tynell seine Heimat im Sturm. Schon bald waren seine von der Natur inspirierten Messingleuchten aber auch andernorts anzutreffen, wie zum Beispiel im UN-Gebäude in New York. Eine bedeutende Phase seiner Karriere waren die Jahre 1945 bis 1947, als er die Innenausstattung für das neu eröffnete Finland House im Big Apple entwarf, was die Weichen für seine internationale Karriere stellte.
Bei Annmaris werden einige farbenfrohe und seltene Leuchten von Tynell angeboten, die der Designer in den späten 1950er Jahren speziell für den amerikanischen Markt entworfen hatte. Die meisten dieser Leuchten stammen aus einer Privatsammlung in Kanada, wo Tynells Arbeiten, die die finnische Firma Idman herstellte, von Lightolier verkauft wurden.

Auch schwedische Designer sind in Annmaris’ aktuellem Katalog vertreten. Einer von ihnen ist Hans-Agne Jakobsson, auf dessen Kerzenhalter L67 (2x) und L63 (6x) mitgeboten werden darf.
Im Alter von 18 Jahren legte Jakobsson seine Gesellenprüfung als Möbeltischler ab und gründete rund zehn Jahre später sein eigenes Unternehmen: Hans-Agne Jakobsson AB im småländischen Markaryd. Dort schuf er moderne Leuchten, deren strenge und elegante Formen er oft mit kräftigen Farben kombinierte.

Ursprünglich wollte Sting Lindberg seine begabten Hände nicht für die Formung von Keramik, sondern für eine Karriere als Konzertpianist verwenden. Dann geschah jedoch ein Unglück: Im Alter von 14 Jahren hackte er sich beim Holzspalten seinen linken Daumen ab. Während seiner Genesung entwickelte er ein großes Interesse am Zeichnen und ersetzte das Klavier schließlich durch Papier und Bleistift.
Sieben Jahre später verließ er seine Heimatstadt Umeå, um an der Konstfack in Stockholm Zeichnen zu studieren. 1937 bewarb er sich bei der Porzellanfabrik Gustavsberg – mit Erfolg. Während seiner dortigen Zeit schuf er klassische Service wie Prunus, Berså und Ribb. Lindberg konzentrierte sich jedoch nicht nur auf Porzellan, sondern schuf auch Steinzeugobjekte, darunter die glasierten Schalen und Vasen, die am 12. Dezember bei Annmaris angeboten werden.
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