Wie sich anhand des Artikels über die meistgelesenen Artikel 2019 im Barnebys Magazin bereits feststellen ließ, sind die Interessen auf dem Kunst- und Auktionsmarkt breit gestreut. Auch die Rekorde und höchsten Preise, die im vergangenen Jahr in den Auktionshäusern in Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz erzielt wurden, spiegeln dies wider.
Rekorde
Dass alte Kunst vermehrt wieder ins Blickfeld von Kunstfreunden und Sammlern rückt, zeigt das Beispiel des neuen Preisrekords für eine Arbeit des spätgotischen Bildschnitzers Michel Erhart aus Ulm. Von ihm bzw. seiner Werkstatt kam im Frühjahr eine polychrom gefasste Madonna mit Kind aus Lindenholz im Wiener Auktionshaus im Kinsky zum Aufruf. Das um 1490 ausgeführte Madonnenbildnis durfte einer von zwei hartnäckigen Bietern am Ende für 126.000 Euro (inkl. Aufgeld) mit nach Hause nehmen.

In derselben Auktion durfte sich auch der in Süddeutschland geborene, jedoch in Wien ausgebildete und tätige Maler Karl Josef Agricola über einen neuen Rekord freuen: Amor mit Pfeil und Bogen in einer Landschaft von 1827 fand für 121.000 Euro (inkl. Aufgeld) einen neuen Besitzer. Damit konnte Agricola, der den Epochen des Klassizismus und des Biedermeier zuzuordnen ist, seinen bisherigen Auktionsrekord weit hinter sich lassen.

Mit dem niederländischen Barockmaler Moyses van Uyttenbroeck durfte sich ein weiterer Alter Meister über einen neuen Spitzenpreis freuen. Im Kölner Auktionshaus Lempertz wurde sein monogrammiertes und mit 1627 datiertes Ölgemälde Bewaldete Landschaft mit Salmakis und Hermaphroditos im Mai für 372.000 Euro (inkl. Aufgeld) versteigert.
Zu den Highlights der Herbstauktion im Berliner Auktionshaus Grisebach zählte eine bezaubernde Postkarte, die Franz Marc 1913 mit einem Pferdemotiv bemalt hatte. Verschickt hatte er sie jedoch erst zwei Jahr später, als er als Soldat im Ersten Weltkrieg kämpfen musste. Empfängerin war die Witwe seines bereits im Krieg gefallenen Künstlerfreundes August Macke. In dem kurzen Schreiben erinnert sich Marc an die schönen Zeiten, die sie gemeinsam erlebt hatten. Vier Monate nachdem Franz Marc die Karte geschrieben hatte, wurde auch er ein Opfer des Krieges. Das so persönliche Werk Marcs war einem Privatsammler aus Süddeutschland 781.000 Euro (inkl. Aufgeld) wert - Weltrekord für eines Postkarte des Expressionisten.

Zurück im Auktionshaus im Kinksy: Dort wurde mit dem heiß umkämpften Damenbrustbild von vorne von 1897/98, das für 705.600 Euro (inkl. Aufgeld) einen neuen Besitzer fand, ein neuer österreichischer Rekord für eine Zeichnung von Gustav Klimt erzielt. Insgesamt ist es der dritthöchste jemals gezahlte Preis für eine Zeichnung des Wiener Malers.
Weitere Rekorde gab es in der Auktion für die österreichischen Künstler Franz Sedlacek, Alexander Rothaug und Rudolf Polanszky. Im Dezember zeigte das Auktionshaus im Kinsky, dass es auch in der internationalen Kunstszene mithalten kann, als es Keith Harings Serigraphien-Folge Flowers I-V aufrief. Um diese letzte Werkgruppe des 1990 verstorbenen Künstlers kam es zu einem dramatischen Bietergefecht, bis es schließlich zum neuen Weltrekordpreis von 90.880 Euro (inkl. Aufgeld) verkauft wurde.

Auch die Sparte "Fotografie" der Grisebach-Auktionen im Herbst konnte mit Otto Sanders Serie 70-teiliger Serie Menschen des 20. Jahrhunderts einen neuen Rekord in Höhe von 949.000 Euro (inkl. Aufgeld) einheimsen.
Das chinesische Bieter bereit sind, viel Geld für den Rückkauf der Schätze ihrer Vorfahren auszugeben, ist ein Geheimnis. Und so konnte das Zürcher Auktionshaus Koller ein grandioses Ergebnis für ein teilvergoldetes Bronze-Weihrauchbecken aus dem China des 17./18. Jahrhunderts erzielen, nachdem es dieses im Vorfeld der Auktion bereits auf einer Antiquitätenmesse in Hongkong präsentiert hatte. 4,86 Millionen CHF (inkl. Aufgeld), was ca. 4,46 Millionen Euro entspricht, war das herausragende Stück am Ende einem Sammler aus China wert - Rekord für ein Objekt dieser Art.

Auch ein anderes chinesisches Bronzegefäß sorgte bei seiner Versteigerung für Aufsehen: Ein Speisegefäß aus dem 12.-10. Jh. v. Chr. ging bei Lempertz mit einem Schätzpreis von 5.000-7.000 Euro ins Rennen. 210.800 Euro (inkl. Aufgeld) waren jedoch nötig, um aus dem Kampf darum als Sieger hervorzugehen.
Millionenpreise
Wenn es um erzielte Preise geht, die die 1 Million-Grenze im vergangenen Auktionsjahr überschritten haben, muss man sogar noch weiter in die Vergangenheit reisen, als bei den Rekorden: Ende Juni wurde bei Hampel in München eine bedeutende römische Skulptur aus feinem weißen Marmor für 1,036 Millionen Euro verkauft. Die zwar kopflose doch ansonsten gut erhaltene Skulptur mit einer nur selten anzutreffenden Höhe von 1,82 m wurde im 2. Jahrhundert von einem römischen Bildhauer nach griechischem Vorbild ausgeführt und befand sich zuletzt im Besitz des 2011 verstorbenen chilenischen Künstlers Claudio Bravo.

Gleich zwei Millionenpreise gab es in der Auktionswoche des Wiener Dorotheums, die vom 22.-24. Oktober stattfand. Am ersten Auktionstag konnte dort unter den Gemälden Alter Meister eine in Öl auf Holz ausgeführte Madonna mit Kind aus dem Umkreis Raffaels für 1.657.190 Euro (inkl. Aufgeld) einem neuen Besitzer überlassen werden. Am folgenden Tag war die Dame turque de Constantinople von 1881 des bedeutenden osmanischen Malers Osman Hamdi Bey der absolute Star - zu Recht, wurde sie doch für 1.770.300 Euro (inkl. Aufgeld) verkauft.

Ende Mai kam bei Lempertz u.a. Kunst aus der Kaufhof-Zentrale in Köln unter den Hammer. Eines des angebotenen Werke war ein seltenes monumentales Gemälde von Max Liebermann: Judengasse in Amsterdam von 1909. Den Zuschlag inklusive Aufgeld erhielt ein süddeutscher Sammler für 856.000 Euro. Da bei Einlieferungen aus Firmenbesitz noch ein Regelsteuersatz von 19% hinzukommt, musste der neue Besitzer insgesamt mehr als 1 Million Euro auf den Tisch legen.

Grisebachs bereits erwähnte Herbstauktion hatte neben dem Rekordergebnis für die Postkarte von Franz Marc auch einen Millionenpreis zu bieten, wenn auch unter Vorbehalt: Marc Chagalls spätes Werk Les fiancés aux anémones, das zugunsten des christlich-jüdischen Hilfswerks Kiriat Yearim versteigert wurde, erzielte 1.195.000 Euro (inkl. Aufgeld).

Auch Freunde (mit dem nötigen Kleingeld) von Classic Cars kamen dieses Jahr im Dorotheum auf ihre Kosten. Nachdem dort bereits 2018 ein Mercedes-Benz 300 SL von 1955 für rund 1,5 Millionen Euro versteigert worden war, knackte auch 2019 ein solches Fahrzeug die 1 Million-Marke. Der erzielte Preis lag hier jedoch "nur" bei 1,067 Millionen Euro (inkl. Aufgeld).

Nicht unerwähnt bleiben soll an dieser Stelle die Versteigerung des zweiten Teils der bedeutenden Twinight Collection mit Porzellan-Schätzen der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Anfang April bei Lempertz in Köln präsentierte Offerte erzielte ein sensationelles Gesamtergebnis von 3,6 Millionen Euro.

Damit endet unser kleiner Rundgang zu einigen der vielen Highlights, die das Auktionsjahr 2019 in Deutschland, Österreich und in der deutschsprachigen Schweiz zu bieten hatte und sind jetzt schon gespannt, was die kommenden 12 Monate bringen werden!


