Am 18. November stand bei Lempertz in Köln die Auktion „Alte Kunst und 19. Jahrhundert“ auf dem Programm. Als eines der Highlights kam das Gemälde Ein Kritiker zum Aufruf, mit dem dem damals 24-jährigen Wilhelm Leibl 1869 der Durchbruch als Maler gelang.
Geboren in Köln, erhielt Leibl seinen ersten Unterricht in der Malerei in seiner Heimatstadt am Rhein. Im Alter von 20 Jahren wechselte er an die Isar und studierte an der Königlichen Kunstakademie in München, 1868 in der Meisterklasse von Carl Theodor von Piloty. In jenem Jahr malte Leibl ein Bild, das eine Szene zum Thema hatte, wie sie jeder Künstler nur allzu gut kennt: der Besuch eines Kritikers im Atelier – ein von vielen Hoffnungen und Ängsten geprägter Moment.
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Ein Kritiker war eines von fünf Gemälden, die Wilhelm Leibl für die im Folgejahr stattfindende „I. Internationale Kunstausstellung im königlichen Glaspalaste“ in München einreichte. Neben Bildnis der Mina Gideon (1869, Neue Pinakothek, München, dort als Bildnis der Frau Gedon) erhielt es die besten Kritiken und bedeutete den Durchbruch für seinen Schöpfer. Während der Kunstausstellung lernte Leibl den ebenfalls teilnehmenden französischen Meister des Realismus, Gustave Courbet, kennen, der ihn nach Paris einlud und großen Einfluss auf sein Schaffen haben sollte.
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Während das Bildnis der Mina Gideon mit nach Paris reiste und dort im Salon mit einer Goldmedaille ausgezeichnet wurde, hatte Leibl seinen Kritiker noch vor der Ausstellung verkaufen können. Das Werk befand sich seitdem durch Erbfolge in Privatbesitz im Rheinland und wurde bei Lempertz zum ersten Mal überhaupt auf dem Auktionsmarkt angeboten. Geschätzt auf 200.000-250.000 Euro, erzielte Ein Kritiker schließlich 419.000 Euro, was einen neuen Rekord für Wilhelm Leibl bedeutete.
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