Im 291 Lose umfassenden Katalog der kommenden Auktion von Rütten am 19. Oktober macht die Porzellan mit knapp 90 Positionen die umfangreichste Kategorie aus. Zum Aufruf kommen Stücke aus den bekanntesten Manufakturen - sowohl als figürliche Kreationen als auch als Zierde für den Ess- oder Kaffeetisch.

Angeführt wird die Porzellanofferte von einer Kaminuhr, die nach 1934 in der Manufaktur Meissen angefertigt wurde. Die Uhr geht auf ein Modell von Paul Scheurich aus dem Jahr 1919 zurück, der mit den beiden Putten auf die frühe Meissner Produktion im 18. Jahrhundert anspielte.

Zu den herausragendsten Kreationen der Manufaktur Meissen gehört das Schwanenservice, das zwischen 1737 und 1742 für den sächsischen Premierminister Heinrich Graf von Brühl angeregt wurde. Bie Rütten kommen eine Prunkterrine, eine Henkelschale sowie zwei Salzschalen aus dem 20. Jahrhundert zum Aufruf.

Das Schwanenservice wurde von Johann Joachim Kaendler und Johann Friedrich Eberlein entworfen. Von diesen beiden Modelleuren sind auch Porzellanfiguren in der Auktion vertreten, die jedoch aus späteren Neuauflagen stammen, darunter ein Papagei und ein Kakadu, die die beliebten Vogelfiguren der frühen Meissner Produktion widerspiegeln.

Eine späterer Entwurf Kaendlers war die Kinderfigurengruppe Der Reigen von 1760. Gemeinsam mit Peter Reinicke entwarf er fünfzehn Jahre früher Figurenserie Die vier Kontinente. Auftraggeberin war die russische Zarin Elisabeth Petrowna. Bei Rütten darf auf eine Ausformung der Allegorie Amerika von 1814/16 mitgeboten werden.

Vielleicht sollten die Figurengruppen als Anregung der 1744 von Elisabeth gegründeten Porzellanmanufaktur in Sankt Petersburg dienen, die der dritte europäische dieser Art war. Die Produktion in der Kaiserlichen Manufaktur ging auch nach dem Ende des Zarenreiches weiter, u.a. mit der Serie Winterfreuden des Volkskünstlers Aleksej Worobiewski.

Zwischen 1925 und 2005 trug die Kaiserliche Manufaktur den Namen Lomonossow nach dem bedeutende Wissenschaftler Michail Wassiljewitsch Lomonossow (1711-1765). Aushängeschild wurde in dieser Zeit ein Service mit blauem Netzdekor, das auf das erste von Katharina II. bestellte Service zurückgeht.

Zu den bekanntesten Stücken der 1747 gegründeten Münchener Porzellanmanufaktur Nymphenburg gehören die 1760 von Franz Anton Bustelli entworfenen Figuren der Commedia dell'arte. Auch während der zweiten Blütezeit der Manufaktur zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde hervorragendes figürliches Porzellan hergestellt, darunter die seltene Figur Der Schnitter von 1928.

Auf die Spuren eines der bestgearteten Geheimnisse der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin kann man sich mit diesem Kaffee- und Teeservice der Form Neuzier begeben, das auf eine Bestellung Friedrichs des Großen zurückgeht. Sieben Jahre dauerte es, bis es den Chemikern gelungen war, den richtigen Farbton des verwendeten Bleu mourant zu treffen.

Nicht nur die traditionellen Manufakturen können Porzellanservice mit schönem Dekor herstellen: Mit dem seltenen Dekor Cheval d'Orient nimmt das französische Luxuslabel Hermès Bezug auf seine Anfangszeit im Sattlerwesen.
Die Kategorie Porzellan bildet am 19. Oktober um 13 Uhr den Auftakt der Auktion im Hause Rütten. Es folgen weitere Kategorien wie, Gemälde, Glas, Möbel, Asiatika, Skulpturen, Silber und Schmuck. Die Versteigerung findet im Auktionshaus in der Nymphenburger Str. 133 in München statt. Die Ausstellung zur Auktion ist dort vom 14.-17. Oktober geöffnet.

