Am 8. Dezember hat sich das Auktionshaus Hampel in München viel vorgenommen und versteigert mehr als 1.300 Lose aus insgesamt 15 Kategorien. Los geht es um 10 Uhr mit exquisiten Antiquitäten in der Auktion „Möbel & Einrichtung“ bevor die umfangreiche Offerte mit Werken Alter Meister, die in zwei Abschnitte unterteil ist, zum Aufruf kommt.
Hier machen vor allem die venezianischen Meister auf sich aufmerksam, allen voran Giovanni Antonio Canal, genannt „Canaletto“, dessen um 1740 gemeinsam mit Giovanni Battista Cimaroli geschaffenes Gemälde Caccia ai tori in Piazza San Marco („Stierrennen auf der Piazza San Marco“) die Offerte mit einem Schätzpreis im siebenstelligen Bereich anführt.

Das großformatige Gemälde zeigt den Markusplatz am Tag einer Stierhatz, wie sie in Venedig während des Karnevals oder bei Staatsbesuchen veranstaltet wurden. Während von Vedutenmaler Canaletto die Architektur gemalt wurde, steuerte Cimaroli die Figuren und Tiere bei – eine Zusammenarbeit, zu der es des öfteren gekommen war. Canaletto erhielt viele Auftragsarbeiten von Engländern, die Venedig besuchten, und auch Caccia ai tori in Piazza San Marco ist im Jahr 1761 als Teil einer englischen Sammlung dokumentiert. Später gelangte es zurück nach Italien und war Teil vieler Ausstellungen, anlässlich derer es immer wieder so intensiv behandelt und beschrieben wurde wie kaum ein anderes Gemälde jener Epoche.

Unbedingt hervorzuheben sind auch die beiden Werke, mit denen Giovanni Antonio Guardi in der Auktion vertreten ist und die unterschiedlicher nicht sein könnten: Zum einen das imposante und von kühlen Farben geprägte Triumphzug des Scipio, in dem das Rot des Mantels des Triumphators heraussticht und das eine spätere Idee der Historienmalerei vorgreift; zum anderem All‘ abbeveratorio („An der Tränke“), eine weitaus idyllischere Szene, die in warmen Farben und lockerem Pinselauftrag auf die Leinwand gezaubert wurde. Das Gemälde wird als Gemeinschaftsarbeit von Giovanni Antonio Guardi und seines Bruders Francesco betrachtet, der ebenfalls mit weiteren Werken in der Auktion vertreten ist.

Um eine Vorstudie zum dem um 1560 entstandenen Gemälde Das letzte Abendmahl, das sich in der Kirche San Trovaso in Venedig befindet, handelt es sich bei diesem Werk Jacopo Tintorettos. Die gewagte und von dunklen Schatten geprägte Komposition, die in ihrer endgültigen Fassung weniger düster ist, zeigt jenen Moment des Abendmahls, in dem Christus seinen Jüngern offenbart, dass einer von ihnen ihn schon bald verraten wird – eine Aussage, die die Jünger, obwohl sie dem Wein bereits gut zugesprochen haben, bestürzt auffahren lässt. Oben links ist eine schlafende Frau mit einer Spindel zu erkennen. Vielleicht eine Anlehnung an die antiken Schicksalsgöttinnen, die den Lebensfaden spinnen?
Nach der Versteigerung von Gemälden des 19./20. Jahrhunderts werden die Werke Alter Meister durch 57 weitere Arbeiten ergänzt, die aus einer Privatsammlung stammen. Anschließend stehen die Impressionisten und Künstler der Moderne auf dem Programm.

Hier kann man sich nicht nur für Blumenstillleben von Louis Valtat, Maurice de Vlaminck und Moïse Kisling oder Landschaften von Eugène Boudin begeistern, sondern auch für Bronzen von Edgar Degas und Auguste Rodin. Vor allem sei auf das sich so hingebungsvoll küssende Paar hingewiesen, das den Titel L’Éternelle printemps („Der ewige Frühling“) trägt und hier im zweiten Zustand von 1896 vorliegt. In einer Auflage von 69 Stück wurde diese Version zwischen 1898 und 1918 bei F. Barbedienne in Paris gegossen, das vorliegende Exemplar zwischen 1905 und 1910.

Mit in seine Heimat, auf den Montmartre in Paris, nimmt uns Maurice Utrillo in den beiden Gemälden, mit denen er in der Auktion vertreten ist. Dabei stellt Le Marché á Montmartre („Der Markt auf dem Montmartre“) eine eher ungewöhnliche Arbeit des Künstlers dar, dessen Stadtansichten sich sonst nicht unbedingt durch die Darstellungen von Personen auszeichnen. Hier hat es Utrillo offenbar die einkaufende Damenwelt angetan, vor allem deren Röcke, die rückseitig merklich rund geformt sind. Eine Vorliebe des Künstlers? Vielleicht ist es ja auch eine Reminiszenz an den Cul de Paris („Pariser Hintern“), die Damenmode der aufgebauschten Röcke, die vom 17. bis 19. Jahrhundert insgesamt viermal im Trend lag – das letzte Mal in den 1880er Jahren, als Maurice Utrillo das Licht der Welt erblickte.

Zuletzt sei auch noch auf diese herrliche Landschaft bei Saint Tropez hingewiesen, die Moïse Kisling 1918 in leuchtenden Farben auf die Leinwand zauberte. Kisling malte Porträts und Akte, aber auch Stilleben und Landschaften, wobei es ihm der Süden Frankreichs besonders angetan hatte. Nach der Rückkehr des gebürtigen Polen in seine Wahlheimat Frankreich im Jahr 1946 – Kisling war während des Zweiten Weltkriegs in die USA geflohen – ließ er sich dauerhaft in Sanary-sur-Mer an der Côte d’Azur nieder.
Im Anschluss werden Moderne & Zeitgenössische Editionen für junge Sammler sowie Skulpturen und Kunsthandwerk und Fossilien versteigert. Abgerundet wird das Angebot durch die abwechslungsreichen Living-Auktionen und Sammlerstücke aus der Welt des Films.
Die Versteigerungen finden am 8. Dezember ab 10 Uhr im Auktionshaus Hampel, Schellingstraße 44, in München statt. Die Ausstellung ist dort vom 3. bis 6. Dezember geöffnet.
