Gekleidet in eng anliegende Kostüme führen fünf schlanke Tänzerinnen auf einer Bühne aus weißem Onyx die gleiche Pose aus. Die kupferroten Kostüme aus kalt bemalter Bronze zieren unterschiedliche Ornamente, die Gesichter und Hände der jungen Frauen wurden aus Elfenbein geschnitzt.

Les Girls heißt diese um 1928 entstandene Figurengruppe des Meisters der Chryselefantinkunst Demétre Chiparus, den es aus seiner Heimat Rumänien ins pulsierende Paris zog, wo er in den Varietés und Theatern der Stadt den Geist der Années Folles erlebte und wie kaum jemand anderes in seinen Werken umzusetzen wusste.
Die herrliche Figurengruppe Les Girls wurde von der Pariser Bronzegießerei Edmond Étling in geringer Stückzahl ausgeführt. Ein Exemplar ist nun das Top-Los der „Jugendstil - Art déco. Skulpturen - Keramik - Metall - Möbel“-Auktion des Münchener Auktionshauses Quittenbaum am 9. Juni um 15 Uhr.

Les Girls ist nicht die einzige Arbeit von Chiparus, die in der Auktion zum Aufruf kommt, auf sieben weitere dürfen ebenfalls Gebote abgegeben werden. Hervorgehoben werden muss dabei die um 1925 entstandene Chryselefantinfigur Tanara, die eine am Boden sitzende Tänzerin darstellt, die sich gerade die Schuhe bindet.

Des Weiteren zeigt die Offerte, das Demètre Chiparus nicht der einzige Meister der Art déco-Plastik war. Weitere Highlights stammen von Ferdinand Preiss, darunter die ebenfalls um 1925 entstandene Rote Tänzerin, Otto Poertzel und Bruno Zach.

Mit Sarah Bernhardt und Loïe Fuller sind auch zwei echte Bühnenstars der damaligen Zeit in der Auktion vertreten. Loïe Fuller war eine amerikanische Tänzerin, die im späten 19. Jahrhundert die Pariser Bühnen mit ihrem Serpentinentanz im Sturm eroberte. Viele Künstler ließen sich von ihr inspirieren. Darunter auch Bildhauer Raoul Larche, der diese Figurenlampe aus vergoldeter Bronze, die auf der Weltausstellung von 1900 präsentiert wurde, nach der tanzenden Loïe Fuller formte.

Die berühmteste Schauspielerin ihrer Zeit, deren Name auch heute noch ein Begriff ist, war die in Paris geborene Sarah Bernhardt, die eine so vollkommene Darstellerin war, dass sie sogar Männerrollen verkörperte. Ab 1894 arbeitete sie mit dem Plakatkünstler Alphonse Mucha zusammen, der Plakate für Inszenierungen mit Bernhardt in der Hauptrolle schuf, die als emblematisch für den Jugendstil gelten. 1899 verkörperte Sarah Bernhardt die Titelrolle in Hamlet, das im Théâtre Sarah-Bernhardt, dessen Leitung sie in jenem Jahr übernommen hatte, aufgeführt wurde.
„Jugendstil - Art déco. Skulpturen - Keramik - Metall - Möbel“ ist nicht die einzige Auktion, mit der sich Quittenbaum Anfang Juni dem Kunsthandwerk des frühen 20. Jahrhunderts zuwendet. Bereits am 8. Juni findet um 15 Uhr die Auktion „Lalique Only“ statt, die den Werken des berühmten Glaskünstlers René Lalique gewidmet ist.

Zum Aufruf kommen Parfumflakons, Schalen, Tischuhren und vor allem Vasen, darunter die gesuchten Modelle Archers von 1921 und Ceylan von 1924.

Im Anschluss daran wird ab 16 Uhr thematisch passend Glas des Jugendstils und des Art décos versteigert. Highlights stammen hier von Künstlern wie Émile Gallé, Charles Schneider, Amalric Walter und Gabriel Arge-Rousseau, der u. a. mit der Tischlampe Fruits tropicaux vertreten ist.

Hervorgehoben werden muss auch die mit Intercalaire-Malerei verzierte Vase Papillon, bei der es sich vermutlich um eine Schöpfung Eugène Kremers handelt.

Den Abschluss der Auktionsreihe bildet am 10. Juni um 15 Uhr die Auktion „Extravaganz in Natur und Tanz“ mit figürlicher Keramik und Glas aus einer Privatsammlung, die sich vor allem auf Erzeugnisse der Manufakturen Meissen und Goldscheider aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zum Zweiten Weltkrieg konzentrierte.

Wie der Name der Auktion bereits verrät, kommen auch hier Darstellungen exotischer Tänzerinnen des frühen 20. Jahrhunderts zum Aufruf, darunter die Steingutfigur Tänzerin im Federkostüm, die in der Wiener Manufaktur Goldscheider ausgeführt wurde.

Doch auch bekleidete Damen sind Teil der Offerte. So kommen zwei von Annie Offterdinger geschaffene Modedamen zum Aufruf, die 1914 auf der Deutschen Werkbundausstellung in Köln gezeigt wurden.

Der Bereich „Natur“ der Offerte erinnert daran, dass trotz der neuen Formensprachen, die Jugendstil und Art déco mit sich brachten, auch auf Altbewährtes zurückgegriffen wurde. Als Beispiel dafür sei auf zwei Paduaner Hähne hingewiesen, die Ernst August Leuteritz 1854 nach einem Entwurf J. J. Kaendlers für die Manufaktur Meissen modellierte. Die in der Auktion angebotenen Ausführungen stammen von ca. 1924 und 1936.
Die Versteigerungen finden im Auktionshaus Quittenbaum, Theresienstraße 60, in München statt und werden live im Internet übertragen. Die Ausstellung zu den Auktionen kann vom 3. bis 7. Juni besucht werden.
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