Bevor Constantin Brâncuși nach Paris ging, hatte er in seiner Heimat Rumänien bereits einige Stationen hinter sich. Im Alter von elf Jahren war er aus seinem Elternhaus fortgelaufen und hatte nacheinander in einer Färberei, in einem Café und in einer Gastwirtschaft gearbeitet. Ab 1894 besuchte er Kunstgewerbeschule in Craiova, wo er zur Untermiete wohnte.

In dieser Zeit entwarf er einen Stuhl mit plastischem Greif- und Puttomotiv, den er auch selbst anzufertigen begann. Die Arbeit daran war noch nicht ganz beendet, als er 1896 nach Bukarest ging, um die dortige Kunstakademie zu besuchen. Er schenkte den Stuhl, den er vierzig Jahre später, 1937, persönlich mit einer Echtheitsbestätigung ausstattete, seinem Vermieter, der ihn innerhalb seiner Familie weitervererbte. Von wurde der Stuhl, der noch über seine Originalpolsterung verfügt, dem Auktionshaus Kiefer zur Versteigerung übergeben und ist eines der Highlights der Auktion am 10.-12. Dezember.

Brâncuși war 1937 nach Rumänien gereist, um an der Umsetzung eines Denkmals für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs in Targu-Jiu zu arbeiten. Eine Zeichnung des Tor des Kusses, das einen Teil des Ensembles darstellt, ist ebenfalls Teil der Offerte bei Kiefer.

1930 mietete Constantin Brâncuși ein Atelier in der Pariser Künstlerkolonie Ruche des Arts an, wo neben vielen anderen bekannten Künstlern auch Marc Chagall arbeitete. Chagalls traumhafte Mappe Le Cirque mit 38 Originallithografien von 1967 ist das Top-Los des Katalogs.

Weniger traum- denn albtraumhaft ist Francisco de Goyas bedeutendste druckgrafische Serie Los Caprichos, die zwischen 1793 und 1799 entstand. Goya vereinte auf den 80 Blättern Realität und Fantasie, die in Darstellungen voll aufgeladener Symbolik die gesellschaftlichen Probleme der damaligen Zeit aufgriffen. Bei Kiefer wird ein vollständigesExemplar der fünften Auflage angeboten.

Ist von großartiger Druckgrafik die Rede, darf Rembrandt natürlich nicht unerwähnt bleiben. Vor allem, wenn er, wie hier, mehrfach in einer Auktion vertreten ist, darunter mit der Originalradierung Selbstbildnis mit Barett von 1634.

Ebenfalls hervorzuheben ist mit Tableaux topographiques, pittoresqes, historiques, moraux, politiques, litteraires de la Suisse eines der schönsten Schweizer Ansichtenwerke, das zwischen 1780 und 1788 in Paris in fünf Bänden herausgegeben wurde.

Schöne Ansichten kann man auch mit diesem großen Guckkasten genießen, der um 1750 in den Niederlanden aus Eichenholz gebaut wurde. Mit dabei sind 189 passende kolorierte Kupferstiche mit verschiedenen Motiven, von denen achtzig für eine Effektbeleuchtung von hinten geeignet sind.

Ein weiteres gedrucktes Highlight der Auktion ist der Sommerteil von Der Heiligen Leben, das 1472 von Günther Zainer in Augsburg gedruckt wurde. Es handelt sich um die erste deutsche Ausgabe der Heiligenlegenden, das erste Augsburger Holzschnittbuch und zugleich eines der frühesten deutschen Holzschnittbücher überhaupt.

Um ein ganz anderes gedrucktes Werk handelt es sich bei Joan Mirós Makemono, eine Farblithografie, die der Künstler um 1956 in 50 Exemplaren auf Shadong-Seide ausführte. Die jeweils 41 x 970 Zentimeter messenden Banner werden aufgerollt in geschnitzten und bemalten Eichenschachteln aufbewahrt.

Nach dem Spanischen Bürgerkrieg verließ der spanische Dichter Rafael Alberti seine Heimat und ließ sich in Argentinien nieder, wo um 1950 Retornos de lo vivo lejano ("Erinnerungen an ein entferntes Leben“) schrieb. Im Jahr seiner Rückkehr, 1977, erschien die Gedichtsammlung in einer mit Farblithografien von Antoni Tàpies gestalteten Ausgabe.

Von dem mit zahlreichen Auszeichnungen geehrten, in zahlreichen Museen vertretenen und in zahlreichen Ausstellungen gezeigten deutschen Künstler Emil Schumacher kommt eine abstrahierte figurative Komposition zum Aufruf, die dieser 1994 als Keramikmalerei auf einer Basaltlava-Platte ausgeführt hat.

Die Dezember-Auktionen von Kiefer umfassen jedoch nicht nur Kunst, Gedrucktes und Antiquitäten, sondern auch einige Schmuckstücke. Eine ganz wunderbare Pretiosen ist dieses Rivière-Armband aus Gelbgold, das mit 39 Brillanten von zusammen ca. 15,76 ct besetzt ist.
Die Versteigerungen, bei denen über 3.700 Lose versteigert werden, finden vom 10. bis 12. Dezember im Auktionshaus Kiefer statt, aufgrund der aktuellen Situation vermutlich ohne Saalpublikum. Bieten Sie daher online, telefonisch, schriftlich oder per Fax mit.
