Das Runde muss ins Eckige - Wie die Uhr in die Tasche kam

Die Geschichte der Taschenuhr beträgt mittlerweile 700 Jahre. Vom Statussymbol wurde sie zum weit verbreiteten praktischen Modeaccessoire und ist heute hauptsächlich ein beliebtes Sammlerobjekt.

Das Runde muss ins Eckige - Wie die Uhr in die Tasche kam

Die Geschichte der Taschenuhr beginnt im 15. Jahrhundert, nachdem in dessen ersten Jahren der Federantrieb erfunden worden war. Dieser ermöglichte es, die Größe von Uhren erheblich zu reduzieren. Maßgeblich zur Verkleinerung der Uhren beigetragen hat der Nürnberger Schlossermqiseter Peter Henlein (um 1479–1542).

Die frühen Formen waren rund oder zylindrisch (Biasamapfeluhren und Dosenuhren). Diese Uhren wurden in Beuteln verstaut, der am Gürtel befestigt wurden. Auch an einer langen Halskette wurden sie getragen.

Links: Prunk Jaquemarts Automat aus massivem Gelbgold, Schweiz um 1810 Rechts: LEVASSEUR - Goldspindeluhr mit beweglichen Figuren, Paris um 1800
Links: Prunk Jaquemarts Automat aus massivem Gelbgold, Schweiz um 1810 Rechts: LEVASSEUR - Goldspindeluhr mit beweglichen Figuren, Paris um 1800

Aufgrund von Gangungenauigkeiten waren die frühesten Taschenuhren nur mit einem Stundenzeiger ausgestattet. Erst mit der Erfindung der Spindelhemmung im 17. Jahrhundert kam der Minutenzeiger hinzu. Viele weitere "Gadgets" sollten folgen.

Links: Silberne Taschenuhr mit Emaillemalerei, Schweiz um 1870 Rechts: PATEK PHILIPPE für M.W. GALT & BRO WASHINGTON - Silberlepine, Schweiz 1869
Links: Silberne Taschenuhr mit Emaillemalerei, Schweiz um 1870 Rechts: PATEK PHILIPPE für M.W. GALT & BRO WASHINGTON - Silberlepine, Schweiz 1869

Die Uhren wurden nun auch zunehmend flacher. In einer Westentasche o.ä. wurden sie jedoch noch immer nicht getragen. Im späten 17. und im 18. Jahrhundert wurde die Taschenuhr als Statussymbol von Damen und Herren gleichermaßen gut sichtbar über der Kleidung getragen.

Befestigt wurden sie mit einer meist prunkvollen Uhrkette, der soggenanten "Chatelaine", die an der Taille befestigt war.

Ulrike Sophie, Herzogin zu Mecklenburg (1923-1813) trug ihre Taschenuhr sichtbar auf Hüfthöhe
Ulrike Sophie, Herzogin zu Mecklenburg (1923-1813) trug ihre Taschenuhr sichtbar auf Hüfthöhe

Als sichtbares Statussymbol mussten diese Uhren möglichst nicht nur über eine entsprechende Mechanik, sondern auch über eine aufwändige Gestaltung verfügen. Und so kamen Taschenuhren mit feinster Emaillebemalung in Mode, die die unterschiedlichen Themen zum Inhalt haben konnte: Portraits, religiöse Szenen oder auch pikante Darstellungen aus den erotischen Sektor.

Links: OMEGA - Lepine Chronograph aus Gelbgold, Schweiz 1900 Rechts: PATEK PHILIPPE & CIE - Lepine aus Gelb- und Weißgold, Schweiz um 1910
Links: OMEGA - Lepine Chronograph aus Gelbgold, Schweiz 1900 Rechts: PATEK PHILIPPE & CIE - Lepine aus Gelb- und Weißgold, Schweiz um 1910
LOUIS LEROY & CIE - Frackuhr aus Platin, Höhe nur 2 mm, Besançon um 1900
LOUIS LEROY & CIE - Frackuhr aus Platin, Höhe nur 2 mm, Besançon um 1900

Für den Herrn entwickelte sich die Chatelaine zu der Uhrkette weiter, die etwa von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis ins frühe 20. Jahrhundert in Mode blieb. Die flache Herrentaschenuhr wurde in eine der Westentaschengesteckt. Die dazugehörende meist schlichte Kette wurde über der Weste getragen.

Nach dem Gemahl der englischen Königin Victoria (1819-1901) ist eine Sonderform dieser klassischen Uhrenkette benannt. Bei dieser verfügt die Kette über einen zusätzlichen schmückenden Anhänger, den es in einfacher oder doppelter Ausführung ("Double Albert") gab.

Damen trugen ihre Taschenuhr oft an einer Halskette.

Albert von Sachsen-Coburg und Gotha (1819-1861) mit Gattin Queen Victoria und sichtbar über der Weste getragener Uhrkette - allerdings ohne den nach ihm benannten Anhänger
Albert von Sachsen-Coburg und Gotha (1819-1861) mit Gattin Queen Victoria und sichtbar über der Weste getragener Uhrkette - allerdings ohne den nach ihm benannten Anhänger
Links: OMEGA - Art Déco-Frackuhr aus Gelbgold, Schweiz um 1930 Rechts: Art Déco-Frackuhr aus Platin mit Diamantsplittern, Schweiz um 1930
Links: OMEGA - Art Déco-Frackuhr aus Gelbgold, Schweiz um 1930 Rechts: Art Déco-Frackuhr aus Platin mit Diamantsplittern, Schweiz um 1930

Mit dem vermehrten Aufkommen der Armbanduhr nach dem Ersten Weltkrieg, erfuhr die Taschenuhr ihren Niedergang als beliebtestes Uhrenmodell.

Hier und da schoben die Regeln der Mode dem jedoch einen Riegel vor. Beim Tragen eines Fracks ist es nämlich verpönt, eine Armbanduhr zu tragen. Da auch die übliche Tragweise über der Westen nicht in Frage kommt, wird eine kurze Uhrkette am Revers befestigt und die Uhr in dem kleinen Täschchen darunter verwahrt.

Links: ROLEX - Militärtaschenuhr mit Leuchtzeigern aus Stahl, Schweiz um 1940 Rechts: A. LANGE & SÖHNE GLASHÜTTE - Marinebeobachtungsuhr (Lepine) mit Auf- und Ab-Werk, um 1940
Links: ROLEX - Militärtaschenuhr mit Leuchtzeigern aus Stahl, Schweiz um 1940 Rechts: A. LANGE & SÖHNE GLASHÜTTE - Marinebeobachtungsuhr (Lepine) mit Auf- und Ab-Werk, um 1940

Heute sind Taschenuhren hauptsächlich Sammlerobjekte, die mit vielen Funktionen (Komplikationen) als Meisterwerke der Uhrmacherkunst faszinieren.

CHRONOSWISS - Prunktaschenuhr mit Chronograph und Mondphase, vergoldete Meisterarbeit, um 1995
CHRONOSWISS - Prunktaschenuhr mit Chronograph und Mondphase, vergoldete Meisterarbeit, um 1995

Auf die hier vorgestellten Taschenuhren können Sie noch bis zum 10. Januar im Onlineauktionshaus Catawiki Gebote abgeben. Um mitbieten zu können, registrieren Sie sich bitte kostenlos auf der Website. Wie einfach das funktioniert, erfahren Sie hier.

Alle aktuellen Objekte von Catawiki finden Sie hier bei Barnebys.

Advert
Advert