Im Oktober 1812 teilte der Maler Joseph Anton Koch einem Bekannten in einem Brief mit, dass er zukünftig auch Porträts zu malen gedenke – ein Genre, das er, der auf Landschaften und Historienbilder spezialisiert war, bislang für sich abgelehnt hatte, da er die Einmischung der dargestellten Person fürchtete. Was lag also näher, als für einen ersten Versuch die eigene Ehefrau vor der Staffelei zu platzieren? Entstanden ist das in Öl auf Eichenholz ausgeführte Porträt von Cassandra Koch, geb. Ranaldi, möglicherweise in Wien, wo das seit 1806 verheiratete Paar von 1812 bis 1815 wohnte. Der eigentliche Lebensmittelpunkt war jedoch Rom, wohin man nach den Wiener Jahren zurückkehrte. Koch war 1794 durch ein Stipendium nach Italien gekommen, wo er sich im Jahr darauf in Rom niederließ. Nach seiner Rückkehr aus Wien wurde er Mittelpunkt jener Gemeinschaft deutscher Künstler, die als Nazarener bekannt wurden und deren Werk die Kunst der Romantik stark beeinflusste.

Joseph Anton Kochs Porträt seiner Ehefrau Cassandra kommt als eines der Highlights der Herbstauktion des Kunstauktionshauses Schlosser zum Aufruf, die am 22. und 23. November in Bamberg stattfindet.
Am ersten Auktionstag kommen ab 14 Uhr Gemälde, Moderne, Graphik und Skulpturen zum Aufruf, darunter das genannte Porträt.

Ebenfalls nicht unerwähnt bleiben darf das Tafelbild mit der Geburt Christi, das wohl ein Tiroler Meister um 1470/80 ausführte. Die Form des Werks, das sich seit drei Generationen in Familienbesitz befindet, lässt darauf schließen, dass es sich ursprünglich um die Flügelinnenseite eines Altarretabels gehandelt hat.
Weitere Highlights unter den Gemälden sind Die büßende Maria Magdalena aus dem Umkreis des Francesco Trevisani, das Porträt des Kaufmanns und Geheimrats Johann Jacob von Uckermann II, gemalt von Johann Heinrich Tischbein d. Ä., Großes Bildnis eines Geschwisterpaars von John Opie sowie Winterlandschaft mit Bauerngehöft und Kapelle des „Schwarzwaldmalers“ Karl Hauptmann.
Abwechslungsreich präsentieren sich die dreidimensionalen Werke der Auktion, der Skulpturen Alter Meister genauso umfassen wie moderne und zeitgenössische Arbeiten.

Aus der Werkstatt des Würzburger Bildschnitzers Tilman Riemenschneiders stammt dieser Kopf eines Bischofs aus Lindenholz, der ursprünglich entweder eine Büste und Teil einer Figur gewesen sein könnte. Riemenschneider hatte sich im frühen 16. Jahrhundert einen hervorragenden Ruf als Künstler erwerben können, war Meister der Gilde und Ratsherr und hatte ein gutes Vermögen erwirtschaftet. Die Hälfte davon büßte er ein, als er sich im Bauernkrieg gegen die Obrigkeit auflehnte und 1525 sogar zwei Monate im Kerker verbrachte. Im Anschluss daran führte er ein zurückgezogenes Leben und erhielt nur noch kleinere Aufträge.

Manchmal genügt schon ein kleiner Anstoß, um Dinge in Bewegung zu versetzen. So verhält es sich auch bei den Skulpturen des in Bocholt geborenen Künstlers Martin Willing. Aus Materialien wie Stahl, Duraluminium und Titan fertigt er bewegliche Skulpturen, die im Raum schwingen und den Begriff der kinetischen Kunst erweitern, indem sie ihre Form verändern. Großskulpturen Willings, die vom Wind bewegt werden, sind im öffentlichen Raum zu finden.
Am zweiten Auktionstag darf ab 11 Uhr auf Kunsthandwerk und Antiquitäten aus fünf Jahrhunderten mitgeboten werden.

Neben Silber, Glas und Porzellan kommt eine umfangreiche Schmuckofferte zum Aufruf, die von diesem außergewöhnlichen Anhänger aus dem 18. Jahrhundert angeführt wird. Das durchbrochen gearbeitete, spätbarocke Rocaillenwerk aus Silber und Gelbgold wird von Diamanten, einem facettierten Smaragd sowie einer Perle im Abhänger geziert.
Interessant sind auch mehrere Deckeldosen und ein Zier-Ei mit Frosch im Stil von Fabergé.

In der Möbelofferte kommt ein weiteres Highlight aus dem 18. Jahrhundert zum Aufruf. Um 1750 wurden in Paris diese acht Fauteuils im damals vorherrschenden Louis-XV-Stil geschaffen. Die originalen Rahmen aus Buchenholz weisen aufwändige Schnitzarbeiten mit Rocaillen, Blüten- und Blattwerk auf, während die Polster und Bezüge modern erneuert wurden. Die sich nach vorne hin verbreiterten Sitzflächen und die leicht zurückgebogenen Rückenlehnen der Sessel entsprechen der damaligen Praxis, die sich der Form der Damenmode mit breiten Reifröcken und steifen Miedern anpasste und den Damen somit ein bequemes Sitzen ermöglichte.
Die Versteigerungen finden am 22. und 23. November im Kunstauktionshaus Schlosser, Karolinenstraße 11, in Bamberg statt. Vorbesichtiungen sind dort vom 16.-21. November möglich.




