Die Schweizer Malerin Angelika Kauffmann hätte auch Sängerin werden können, denn ihre Sopranstimme war bereits eine Sensation, als sie erst zwölf Jahre alt war. Die wundervolle Stimme wurde von einer nicht weniger auffälligen Schönheit begleitet. Zudem beherrschte die so vielfach begnadete Künstlerin vier Sprachen: Deutsch, Italienisch, Englisch und Französisch. Auf ihrem ersten, 1753 gemalten Selbstporträt setzt sie sich als Sängerin in Szene. Dass sie sich schließlich für den in vorrevolutionärer Zeit als ehrenhafter angesehenen Beruf der Malerin entschied, sollte sie niemals bereuen.

Angelika Kauffmann wurde am 30. Oktober 1741 in Chur geboren, von wo ihre Mutter Cleofea Luz stammte. Ihr Vater Johann Joseph Kauffmann stammte aus dem österreichischen Schwarzberg. Als Künstler stattete er Paläste und Kirchen vom Bodensee bis Norditalien mit Fresken aus, sodass das Familienleben von häufigen Umzügen geprägt war. Über einen längeren Zeitraum blieb Familie Kauffmann in Como und Mailand, wo die junge Angelika ihre künstlerischen Talente entdeckte. Und es gab bereits die erste Anerkennung ihres Könnens vonseiten der ihren Vater fördernden Aristokratie.
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Angelika unterstützte ihren Vater bei der Ausführung seiner Aufträge und kopierte Meisterwerke. Sie erhielt sogar den Auftrag, ein Porträt des Bischofs von Como zu malen, was eine große Begeisterung beim Klerus hervorrief. Als sie fünfzehn Jahre alt war, starb ihre Mutter. Gemeinsam mit ihrem Vater zog sie in ihren Geburtsort zurück, wo eine von einem Feuer zerstörte Kirche wiederaufgebaut und ausgestattet werden musste. Die zwölf Apostel, die Angelika dafür im Stil des Rokokomalers Giovanni Battista Piazetta ausführte, stellen das einzig bekannte Fresko von ihrer Hand dar.
Überall, wo die Aufträge des Vaters hinführten, erhielt auch das junge Mädchen Einladungen und sie bereiste Österreich und Italien, wo sie Mitglieder der oberen Gesellschaftsschicht porträtierte und nach und nach ihr Wissen vertiefte. An jeder Station wurde sie als Ehrenmitglied der jeweiligen künstlerischen Akademien nominiert, in Rom, wo sie und ihr Vater seit 1763 lebten, war es 1765 die Accademia di San Luca.

In der Ewigen Stadt lernte Angelika Kauffmann den deutschen Kunsthistoriker Johann Joachim Winckelmann kennen, den sie ebenfalls porträtierte. Dadurch erhielt sie Zugang zu den illustren britischen Kreisen in Italien. Der Schauspieler David Garrick schickte sein von Angelika Kaufmann gemaltes Porträt nach London, wo es bei der Society of Artists aufgehängt wurde und großen Eindruck hinterließ. Ihr guter Ruf war ihr bereits vorausgeeilt, als sie im Juni 1766 mit ihrem Vater in London ankam – auf Empfehlung der Frau des britischen Botschafters in Venedig, Lady Wentworth.
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In London freundete sie sich mit mit dem Maler Joshua Reynolds an – seinen angeblichen Heiratsantrag lehnte sie ab – und entwickelte sich dank dieser fruchtbaren Beziehung künstlerisch weiter: Obwohl sie noch immer viele Porträts ausführte, widmete sie sich von nun an hauptsächlich der Historienmalerei, ein Genre, das damals eigentlich männlichen Künstlern vorbehalten war, galt es doch als das anspruchsvollste Genre und daher für Frauen als zu schwierig. Angelika konnte diese These widerlegen und malte Szenen der klassischen Mythologie und Allegorien.

Zusammen mit ihrer Kollegin Mary Moser gehörte Angelika Kauffmann 1768 zu den Gründungsmitgliedern der Royal Academy of Arts, wo auch ihre erste Ausstellung stattfand. Ihr Erfolg in der englischen Gesellschaft war so groß, dass sie gleich mehrere Aufträge für die Innendekoration von Privathäusern und öffentlichen Gebäuden erhielt. 1773 sollte sie gemeinsam mit anderen Mitgliedern der Academy die Saint Paul's Cathedral ausschmücken, der Plan kam jedoch nie zur Ausführung.
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Privat war Angelika Kauffman zunächst weniger Glück beschieden. Im November 1767 heiratete sie den angeblichen schwedischen Grafen Frederick de Horn, der sich jedoch als Heiratsschwindler entpuppte und sich mit ihren Ersparnissen aus dem Staub machte. Bereits im Februar 1768 wurde die Ehe wieder geschieden. Zu einer erneuten Ehe kam es erst 1781, und zwar auf Wunsch ihres Vaters: Der ebenfalls in England erfolgreiche Antonio Zucchi (1726-1795) war fünfzehn Jahre älter als Angelika und wurde nicht nur ihr Ehemann, sondern auch ihr Agent.
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Gemeinsam mit ihrem Vater und ihrem frischangetrauten Ehemann reiste Angelika Kauffmann über Österreich nach Venedig, wo Johann Joseph Kauffmann 1782 starb. Das Ehepaar Zucchi-Kauffmann zog weiter nach Rom, wo es im ehemaligen Haus des klassizistischen Malers Anton Raphael Mengs wohnte. Das Haus wurde schon bald Anziehungspunkt für die Künstler der italienischen Metropole und wurde auch von so manchem illustren Reisenden besucht, darunter Johann Wolfgang von Goethe und Johann Gottfried Herder sowie Kaiser Joseph II.
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In jenem Haus malte Angelika Kauffmann mit Selbstbildnis am Scheideweg zwischen Musik und Malerei 1792 ihr technisch bestes Selbstporträt. Nach dem Tod Antonio Zucchis 1795 wandte sie sich verstärkt religiösen Themen zu, bevor sie am 5. November 1807 selbst die Augen für immer schloss.
Angelika Kauffmanns aktueller Auktionsrekord wurde 2021 bei Christie's in New York mit Cornelia, Mutter der Gracchen erzielt, das für 1,1 Millionen US-Dollar verkauft wurde. Das Gemälde war 1788 im Auftrag des Fürsten Poniatowski, einem Neffen des damaligen polnischen Königs, entstanden. Es war das dritte Mal, dass sich Kauffmann mit dem Motiv auseinandersetzte. Die erste Fassung von 1785 befindet sich heute im Virginia Museum of Fine Arts (siehe oben), die zweite, eine Auftragsarbeit für Maria Karoline, Königin von Neapel-Sizilien, ist Teil der Sammlung der Klassik Stiftung Weimar.
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Aktualisierte Version eines Artikels vom 28. Oktober 2019

