„Die Ägypterin“ - Max Beckmanns geheimnisvolles Gemälde bei Grisebach

Auf eine viertägige Auktion der Spitzenklasse dürfen sich Kunstliebhaber und Sammler vom 31. Mai bis 2. Juni im Berliner Auktionshaus Grisebach freuen. Herausragende Werke deutscher und internationaler Künstler kommen zum Aufruf - allen voran Max Beckmanns geheimnisvolle "Ägypterin" von 1942.

"Die Ägypterin" stammt aus dem Nachlass Barbara Göpel, deren Mann Erhard das Gemälde 1942 beim Künstler erworben hatte. Barbara Göpel veröffentlichte später das umfangreiche Werkverzeichnis Max Beckmanns.
"Die Ägypterin" stammt aus dem Nachlass Barbara Göpel, deren Mann Erhard das Gemälde 1942 beim Künstler erworben hatte. Barbara Göpel veröffentlichte später das umfangreiche Werkverzeichnis Max Beckmanns.

Geheimnisvoll wie eine Sphinx blickt er seine Betrachter an: Max Beckmanns Weiblicher Kopf in Grau und Blau, den er 1942 im Exil in Amsterdam malte. Sphinx ist ein gutes Stichwort, denn es sollen Besucher in seinem Atelier am Rokin 85 gewesen sein, die das mysteriöse Portrait sofort mit dem einer Ägypterin assoziierten - wegen der dunkel umrandeten Augen und eben dem Hauch des Geheimnisvollen, der es umgibt.

MAX BECKMANN (1884 Leipzig - 1950 New York) - Weiblicher Kopf in Grau und Blau (Die Ägypterin), Öl/Lwd., bezeichnet, signiert und datiert, 1942
MAX BECKMANN (1884 Leipzig - 1950 New York) - Weiblicher Kopf in Grau und Blau (Die Ägypterin), Öl/Lwd., bezeichnet, signiert und datiert, 1942

Geheimnisvoll ist die Inspiration Beckmanns, die ihn zur Ausführung des Bildes beflügelte. Die schöne Dame  sei ihm im Traum erschienen, gab er selber an. Woher sie kam sei ihm nicht bekannt. Kleidung, Haartracht und Schmuck der Dame erinnern an das antike Griechenland. Fast wähnt man sich im Apollontempel von Delphi, wo die Pythia, das berühmte Orakel, so manche Weissagung gemacht hat.

Geheimnisvoll ist auch die Verwendung des Lichts, das das klassich-schöne Gesicht der "Ägypterin" von unten her beleuchtet. Was ist die Quelle des Lichts? Der eigenwillige Bildausschnitt verrät es nicht. Trägt die schöne Dame eine Kerze in der Hand, mit der sie durch dunkle Räume wandert - geradewegs in Beckmanns Traum?

"Die Ägypterin" stammt aus dem Nachlass Barbara Göpel, deren Mann Erhard das Gemälde 1942 beim Künstler erworben hatte. Barbara Göpel veröffentlichte später das umfangreiche Werkverzeichnis Max Beckmanns.
"Die Ägypterin" stammt aus dem Nachlass Barbara Göpel, deren Mann Erhard das Gemälde 1942 beim Künstler erworben hatte. Barbara Göpel veröffentlichte später das umfangreiche Werkverzeichnis Max Beckmanns.

Doch woher kamen diese Traumbilder im Jahr 1942? Einige Jahre zuvor hatten die Auffindung der Büste der Nofretete (1912) und die Öffnung des Grabes des Tutanchamum (1922) eine europaweite Ägyptomanie ausgelöst. Auch sorgte die schöne Ägypterin Nimet Eloui Bey damals im internationalen Jetset für Furore und die geheimnisvolle Dame scheint einige von Nimets Gesichtszügen aufzuweisen. Vielleicht sieht die "Ägypterin" auch einfach Max Beckmanns Frau Mathilde ähnlich. Vielleicht hatte sich auch das auf einer Bühne von unten angestrahlte Gesicht einer Tragödin in Beckmanns Unterbewusstsein festgesetzt.

Da Max Beckmann jedoch scheinbar selber nicht wusste, woher die schöne Dame kam, wird die Frage ihrer Identität niemals beantwortet werden können. Ist das bedauerlich? Wohl eher nicht, denn so wird das Werk seine mystische Aura niemals verlieren.

Beckmanns schöne "Ägypterin wird im Zuge der Frühjahrsauktionen des Berliner Auktionshauses Grisebach versteigert. Sehen Sie im Folgenden einige Highlights aus den insgesamt sieben Katalogen der Auktionen.

30. Mai, 15 Uhr - Kunst des 19. Jahrhunderts

ADOLPH MENZEL (1815 Breslau - 1905 Berlin) - Schlittschuhläufer (im Tiergarten in Berlin?), Kreide/Papier/Karton, monogrammiert, um 1855/56
ADOLPH MENZEL (1815 Breslau - 1905 Berlin) - Schlittschuhläufer (im Tiergarten in Berlin?), Kreide/Papier/Karton, monogrammiert, um 1855/56

Ein außergewöhnliches Werk Adolph Menzels ist in der Auktion mit Kunst des 19. Jahrhunderts zu finden. Das Pastellbild Schlittschuhläufer entstand kurz nach den berühmten Historienbildern zum Leben Friedrichs des Großen und steht mit seiner spontanen Lebhaftigkeit im krassen Gegensatz dazu. Die Inspirationen zu diesen "Freiluftksizzen" hatte Menzel in Paris erhalten, wo er sich zwei Wochen lang anlässlich der Weltausstellung aufgehalten hatte.

30. Mai, 18 Uhr - Moderne und Zeitgenössische Photografie

HORST P. HORST (1906 Weißenfels - 1999 Palm Beach Gardens, Florida) - The Mainbocher Corset, späterer Gelatinesilberabzug, Paris 1939
HORST P. HORST (1906 Weißenfels - 1999 Palm Beach Gardens, Florida) - The Mainbocher Corset, späterer Gelatinesilberabzug, Paris 1939

Auf eine der ikonischen Modefotografien darf am 30. Mai geboten werden. The Mainbocher Corset wurde 1939 vom deutsch-amerikanischen Fotografen Horst Paul Albert Bohrmann alias Horst P. Horst für die Vogue in Szene gesetzt. Das Bild ist eine perfekte Symbiose aus Horsts Blick für Mode und antike Skulpturen, die er eingehend studiert hatte und für seine Arbeiten modern zu interpretieren verstand.

31. Mai, 11 Uhr - ORANGERIE Ausgewählte Objekte

Brule-Parfum mit Pendule, Imari-Balustervase: Japan, Genroku Periode (1688–1704), Bronzemontierung: Frankreich 1755/60 und 1780, Pendule: Le Roy Paris um 1780, zusammengefügt wohl im 19. Jh.
Brule-Parfum mit Pendule, Imari-Balustervase: Japan, Genroku Periode (1688–1704), Bronzemontierung: Frankreich 1755/60 und 1780, Pendule: Le Roy Paris um 1780, zusammengefügt wohl im 19. Jh.

Im Frankreich des 18. Jahrhunderts war die Ergänzung japanischen oder chinesischen Importporzellans mit vergoldeten Bronzemontierungen im damals populären Rokokostil sehr beliebt. Die vorliegende Imari-Balustervase aus Japan erfuhr ebenfalls eine solche Dekoration, wobei sie die Auslässe unterhalb des Deckels zu einem sogenannten Brule-Parfum machten, sozusagen der "Lufterfrischer" der damaligen Zeit. Doch damit nicht genug: Zusätzlich wurde eine Pendule des französischen Hofuhrmachers Charles Le Roy eingebaut, wodurch das von einem Buddha gekrönte Stück zu einem außergewöhnlichen Exemplar jener Vasenuhren wurde, die im 19. Jahrhundert sehr beliebt waren.

31. Mai, 18 Uhr - Ausgewählte Werke

MARC CHAGALL (1887 Witebsk - 1985 Saint-Paul-de-Vence) - La joie, Gouache, Aquarell, Pastell, Bleistift/Velin, bezeichnet, signiert und datiert, 1955-7
MARC CHAGALL (1887 Witebsk - 1985 Saint-Paul-de-Vence) - La joie, Gouache, Aquarell, Pastell, Bleistift/Velin, bezeichnet, signiert und datiert, 1955-7

Nicht nur Max Beckmanns "Ägypterin", auch Marc Chagalls La joie ist in der Auktion "Ausgewählte Werke" neben weiteren Arbeiten bedeutender Künstler zu finden. Mit La joie brachte Chagall all seine Hoffnungen auf irdisches und himmlisches Glück zum Ausdruck. Ein sich an den Händen fassendes Liebespaar vor einem bunt blühenden Baum, das von einem Hahn begleitet wird. Hähne waren in Chagalls Werken ein Symbol für Fruchtbarkeit. Das Bild scheint wie ein Ausdruck der universellen Freude über sein privates Glück, das er mit seiner drei Jahre  zuvor geschlossenen Ehe gefunden hatte.

1. Juni, 11 Uhr - Moderne Kunst

LOTTE LASERSTEIN (1898 Preußisch Holland - 1993 Kalmar) - Dame mit roter Baskenmütze, Ölkreide/Papier, signiert, um 1931
LOTTE LASERSTEIN (1898 Preußisch Holland - 1993 Kalmar) - Dame mit roter Baskenmütze, Ölkreide/Papier, signiert, um 1931

Die moderne selbstbewusste Frau der Weimarer Republik stand Lotte Laserstein 1931 für ihre Dame mit roter Baskenmütze Modell. Sie wirkt kraftvoll und elegant zugleich, modisch aber nicht affektiert. Ihr Blick ist auf eine unbestimmte Person oder Ereignis gerichtet, das direkt vor ihr zu liegen scheint. Für die Umsetzung eines solchen Frauenportraits eignete sich Lotte Lasursteins der Neuen Sachlichkeit nahestehender Stil hervorragend. Dennoch verzichtete die Künstlerin nicht auf eben jenen Hauch Wärme, der der dargestellten Person die nötige Lebensnähe verleiht.

1. Juni, 18 Uhr - Zeitgenössische Kunst

ANSELM KIEFER (*1945 Donaueschingen) - „für Velimir Chlebnikow“, Acryl, Öl, Lack, Harz, Kreide, Blei u. Mischtechnik/Lwd., betitelt, 2004/05
ANSELM KIEFER (*1945 Donaueschingen) - „für Velimir Chlebnikow“, Acryl, Öl, Lack, Harz, Kreide, Blei u. Mischtechnik/Lwd., betitelt, 2004/05

Erst auf den zweiten Blick wird deutlich, dass es sich bei Anselm Kiefers Werk aus Acryl- und Ölfarbe, Harz, Kreide und Blei um ein Seestück handelt, in dessen unteren Mitte ein U-Boot aus Blei an Drähten befestigt schwebt, während über ihm die Wellen angerollt kommen. Laut seines Titels ist das Werk dem russischen Dichter des Futurismus Velimir Chlebnikow (1885-1922) gewidmet, dessen Wort- und Zahlenspiele Kiefer faszinieren. Die Anfertigung von insgesamt 30 solcher Seestücke geht auf Chlebnikows Prophezeiung zurück, dass sich Seeschlachten alle 317 Jahre wiederhole würden.

2. Juni, 11/15 Uhr - Third Floor. Schätzwerte bis 3000 Euro

GÜNTHER UECKER (*1930 Wendorf) - UECKER, Nagel auf Original-Leinenkassette mit 2 Radierungen, Prägedruck und 2 Lithografien, jeweils auf Velin bzw. Papier, und Katalog, signiert, 1970
GÜNTHER UECKER (*1930 Wendorf) - UECKER, Nagel auf Original-Leinenkassette mit 2 Radierungen, Prägedruck und 2 Lithografien, jeweils auf Velin bzw. Papier, und Katalog, signiert, 1970

Sämtliche Werke der Auktionen werden vom  25.-29. Mai in der Fasanenstraße 25, 27 und 73 ausgestellt. Die Auktionen finden zu den oben genannten Zeiten in Fasanstraße 25 statt.

Verschaffen Sie sich gleich hier bei Barnebys einen Überblick über die aktuellen Kataloge von Grisebach.

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