In den 1970er Jahren kam der in Jena geborene Georg Herold in die Bundesrepublik und studierte sechs Jahre lang bei Sigmar Polke an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg und machte schon bald als einer der „Jungen Wilden“ auf sich aufmerksam. Provozierend, kritisch und ironisch waren seine Arbeiten seine Art, auf den etablierten Kunstmarkt zu reagieren. Er wählte bewusst „dumme“, sprich einfache Materialien wie Lattenholz, Ziegelsteine und Schnüre, aber auch Knöpfe, Handtaschen und Nylonstrumpfhosen, um Kunstwerke zu schaffen, die für sich selbst sprechen und keiner ausgeklügelten Interpretation bedürfen.

Am 29. Juni ist Georg Herold mit einer solchen Arbeit aus Lattenholz von 1986/87 in der Sommerauktion des Münchener Auktionshauses Neumeier vertreten. Das signierte und datierte Werk ist das dritte aus einer Auflage von sieben Exemplaren.
Die Auktion umfasst 466 Lose aus vier Katalogen, die Kunsthandwerk und Antiquitäten, Schmuck, Graphik und Gemälde des 15.-20. Jahrhunderts sowie Moderne, Post War & Zeitgenössische Kunst umfassen. Herolds titellose Arbeit ist im letztgenannten Katalog zu finden.

Als Teil der kunsthandwerklichen Offerte, die die Sommerauktion um 14 Uhr eröffnet, kommt diese Vase von 1912 zum Aufruf, die von Josef Hoffmann entworfen und bei Loetz Witwe in Klostermühle ausgeführt wurde. Als Basis für das becherförmige Gefäß von 20,5 cm Höhe diente farbloses Opalglas, das eisglasartig strukturiert, geätzt und mit einem schwarzen Dekor überfangen wurde.

Aus einer Münchener Privatsammlung kommen mehrere gotische Plastiken zum Aufruf, darunter diese vermutlich aus Lindenholz geschnitzte und polychrom gefasste Figur der Heiligen Barbara, die als Märtyrerin und Schutzpatronin der Bergleute verehrt wird. Vergleiche mit anderen Figuren dieser Art deuten nicht nur auf die Jahre um 1480 als Entstehungszeitraum hin, sondern auch auf den Salzburger Raum als Herkunftsgebiet.
Mit einer Krone, wie die Heilige Barbara sie trägt, kann die Schmuckofferte zwar nicht aufwarten, dafür aber mit einer herrlichen Auswahl an glänzenden und funkelnden Ringen, Ketten, Broschen, Armreifen und Ohrringen, die unser aller Begehren wecken.

Zu den Highlights gehört hier dieser traumhafte Alliancering aus Weißgold, der in den 2000er Jahren von Wempe angefertigt wurde. Den zentralen Stein, ein facettierter Tansanit im Ceylonschliff von extra feiner Farbqualität (ca. 12,07 ct) begleiten zwei Diamanten im halben Octagon- bzw. Treppenschliff von zusammen ca. 2,05 ct.
Keine andere Neuentdeckung unter den Edelsteinen war in den vergangenen Jahrzehnten so erfolgreich wie der Tansanit. Vielleicht, weil Blau die am häufigsten genannte Lieblingsfarbe ist?
Kehren wir nun noch einmal zu der modernen und zeitgenössischen Kunst zurück, die die Auktionsreihe abschließt, nachdem zuvor Grafik und Gemälde des 15. bis 20. Jahrhunderts zum Aufruf kommen, darunter eine Sehnsucht weckende Ansicht von Venedig von Ludwig (Louis) Mecklenburg (siehe Titelbild).

In der späten Phase seines künstlerischen Schaffens beschäftigte sich Picasso nicht nur intensiv mit der Gestaltung von Keramik, sondern schuf auch eine Vielzahl an Linolschnitten, für die er die Technik des Eliminationsdrucks bevorzugte, die es ihm auf einfache Weise ermöglichte, mehrere Farben zu verwenden. Ein wiederkehrendes Modell in dieser Zeit war Picassos zweite Ehefrau Jacqueline Roque, mit der er in Südfrankreich lebte. Im vorliegenden Werk stellte er Jacqueline als vornehme Dame des 16. Jahrhunderts inklusive „Mühlsteinkragen“ dar.
Die Sommerauktion von Neumeister findet am 29. Juni ab 14 Uhr in der Barer Straße 37 in München statt. Die Ausstellung zur Auktion ist dort vom 23. bis 27. Juni geöffnet.
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