An diesen beiden Tagen sollten sich Liebhaber von Kunst und Kunsthandwerk nichts anderes vornehmen: Am 25. und 26. September bittet das Auktionshaus Hampel erneut zur Auktion nach München. In 10 grandios besetzten Versteigerungen werden ausschließlich Stücke von höchster Qualität aufgeboten.
Aufgrund der Fülle des hervorragenden Angebots, das auch Möble, Skulpturen, Silber, Bücher, russische Kunst und allerhand Dekoratives umfasst, möchten wir uns an dieser Stelle auf die gemalte Kunst beschränken, die in drei Kategorien zum Aufruf kommen wird.

Die Gemälde Alter Meister, die in zwei Sitzungen angeboten werden, umfassen religiöse und mythologische Themen, Portraits, Stillleben und Landschaften. Von eindeutig religiösem Inhalt ist das auf einer Nadelholztafel ausgeführte Werk des Meisters des Schwabacher Crispinus Altars. Dargestellt sind die Heiligen Sebastian, Martin und Rochus mit ihrer typischen Ikonographie: Martyrium durch Pfeile, Teilen des Mantels und Behandlung einer Pestbeule am Oberschenkel.

Ein in der Auktion angebotener Hausaltar-Triptychon wird als Gemeinschaftsarbeit des Antwerpener Malers Jan van Dornicke und dessen Schwiegersohn und Gesellen Pieter Coecke van Aelst angesehen. Die drei Tafeln zeigen die Anbetung durch die heiligen drei Könige, die Anbetung der Hirten und die Präsentation des Kindes im Tempel von Jerusalem.

Eindeutig als Nachfolger Caravaggios lässt sich der Utrechter Maler Dirck van Baburen mit seinem hier vorliegenden Gemälde Der ungläubige Thomas identifizieren, in dem er das Spiel von Licht und Schatten, dass sein Vorbild so meisterhaft beherrschte, hervorragend imitiert.

Unter den Stillleben ist besonders eines von Ambrosius Brosschaert dem Jüngeren hervorzuheben, das eine besonders exzellente Arbeit des Künstlers darstellt: Früchtestillleben mit Muscheln und Insekten vereint eine hoch dekorative Funktion mit der Genauigkeit einer Naturstudie.

Eine ganz andere Komposition ist ein rund 100 Jahre später entstandenes Stillleben mit Rebhuhn, Hase, Orangen, Zitronen und einem Teekessel. Eine beinahe identische Variante dieses Gemäldes ist Teil der Sammlung des Louvre.

Bei den Gemälden des 19. Jahrhunderts nimmt uns Gustave Courbet mit an einen stürmischen Grève ("Strand"). Durch Verwendung einer begrenzten Farbpalette ist es Courbet in meisterhafter Manier gelungen, die Bedrohung durch das aufziehende Unwetter einzufangen.

Weitaus freundlicher wirken hingegen die Gestade, die Eugène Boudin 1889 auf die Leinwand gezaubert hat und die in der Auktion mit Impressionisten und moderner Malerei zum Aufruf kommen. Zumindest im vorderen Teil des Gemäldes. Der Hintergrund scheint wie in einen Nebel getaucht. Möglicherweise hat Boudin hier die Gezeitenwelle der Seine, die bis 1960 auch das dargestellte Caudebec-en-Caux erreichte, als Motiv gewählt.

Mit Le matin sous les arbres kommt von Jean-Baptiste Camille Corot eine Arbeit zum Aufruf, die als Studie für das 1865 im Pariser Salon ausgestellte Gemälde La Bacchante retenant l’amour diente. Erstmals versteigert wurde die Studie in der Nachlassauktion Corots im Jahr 1875. Ein entsprechender Stempel befindet sich auf dem Werk.
1859 kehrte Edgar Degas von einer Studienreise durch Italien, auf der er seine Technik verfeinert hatte, nach Paris zurück. Er plante, sich nun der prestigeträchtigen Historienmalerei zuzuwenden, doch nach fünf deratigen Gemälden erkannte er, dass dies nicht seine Kunstgattung war. Ihn interessierte vielmehr das Hier und Jetzt. Auch seine Kopien älterer Gemälde, die zu jener Zeit entstanden, haben eher einen portraithaften Charakter. Ein weiteres Werk, das Degas nach Vorlage malte ist Fillette portant des fleurs dans son tablier, das nach Thomas Lawrence' Portrait der Louisa Georgina Murray (1825-27) und das die Offerte bei Hampel nun anführt.

Die kleine Miss Murray trägt ein weißes Tanzkleid mit roter Schärpe, was an jene Motive erinnert, denen sich Degas rund zehn Jahre später zuwendet: den Tänzerinnen der Pariser Oper. Vielleicht darf die Kopie von Lawrence' Gemälde als ein (unbewusster) Blick in die Zukunft gedeutet werden?

Mit Selbstbildnis (Ländliche Impression) des deutsch-niederländischen Malers Heinrich Campendonk wechseln wir nun zur modernen Malerei. Das in warmen Farben ausgeführte Gemälde entstand 1918 am Starnberger See, wohin Campendonk, der Mitglied der Künstlergruppe Der Blaue Reiter war, zwei Jahre zuvor vor dem Schrecken des Ersten Weltkriegs geflüchtet war.

Mit Alexej von Jawlensky ist ein weiterer Künstler aus dem Umfeld des Blauen Reiters in der Auktion vertreten. Der als Aquarell ausgeführte Tête de femme ist Jawlenskys "Kopfbildern" zuzuordnen, mit denen er sich 1917 während seiner Schweizer Exils erstmals auseinandergesetzt hatte.

Von Anselm Kiefer kommt ein Frühwerk zum Aufruf, das 1967 während seiner Studienzeit in der Klasse von Peter Dreher in Freiburg entstand. Es führt uns entgegen der sonstigen Werke Kiefers dessen erotisch angehauchte Künstlerseite vor Augen, mit einer rot gewandeten Schneiderpuppe in einem Atelier, die durch die teilweise naturalistisch dargestellte Merkmale einer Frau eine Art Mischwesen darstellt.
Die Auktionen finden am 25. und 26. September jeweils ab 10 Uhr im Auktionshaus Hampel in der Schellingstraße 44 in München statt. Die Ausstellung ist dort vom 20.-24. September geöffnet.
