Alte Meister und zeitgenössische Künstler sowie feinstes Kunsthandwerk und Schmuck sind gleichermaßen vertreten, wenn das Münchener Auktionshaus Neumeister am 14. und 15. April zur Frühjahrsauktion einlädt.
Die ersten 114 Lose der insgesamt über 700 Lose starken Offerte stammen aus einer Münchener Privatsammlung, die sowohl Porzellan und Silber, als auch antike Möbel und Gemälde (darunter viele Miniaturen) umfasst und ab 14 Uhr zum Aufruf kommt.

Zu den Highlights zählt hier eine goldstaffierte Meissner Kaffeekanne von ca. 1735. Die Ideallandschaften darstellende Bemalung stammt vermutlich von J. G. Heinze und Anselm Bader. Unter den Möbelstücken muss vor allem barocker Schreibschrank aus furniertem Nussbaum hervorgehoben werden. Bei dem Schreibmöbel handelt es sich um das um 1750 entstandene Meisterstück oder zumindest eine Arbeit des Mainzer Schreinermeisters Ulrich Sedlmayr.

Die Gemälde der Privatsammlung stammen aus dem 19. und den diesem vorausgehenden Jahrhunderten. Unter einer Losnummer kommen zwei Gemälde des österreichischen Malers Franz Christoph Janneck zum Aufruf. Diese sind Teil eines ursprünglich vierteiligen Zyklus’ des biblischen Themas um den Verlorenen Sohn. Die Gemälde waren Teil des Gründungsbestandes des 1872 eröffneten Metropolitan Museum of Art in New York.

Ein „Wiederholungstäter“ bei Neumeister ist der beliebte Maler Carl Spitzweg. In dieser Auktion ist er u. a. mit dem 16,9 x 13,6 cm messenden Ölbild Der Klausner vertreten. Das mit dem für Spitzweg typischen schnellen Pinselstrich ausgeführte Werk wurde vom Künstler mit dessen unverkennbaren Signatur versehen, die in die Farbe geritzt wurde.
Nach der Versteigerung von weiterem Kunsthandwerk und Antiquitäten endet der erste Auktionstag mit bezaubernden Schmuckofferte, die ab 17 Uhr zum Aufruf kommt.
Angeführt wird diese Offerte von einem Solitärring aus Platin, der um 1927 in Frankreich angefertigt wurde. Besetzt ist der Ring von einem beeindruckenden Diamanten im European Cut (bzw. Übergangsschliff) von 9,62 ct.

Auf zusammen ca. 15,25 ct bringen es die Brillanten an diesem Entourage-Collier aus Weißgold, einer deutschen Juwelierarbeit aus den 1970er Jahren. Die weißen Steine umgeben 19 nicht erhitzte Saphire im facettierten Mix Cushion Cut aus Sri Lanka, die zusammen ca. 77,27 ct wiegen.
Am 15. April geht es um 14 Uhr weiter mit Graphik und Gemälden des 15. bis 20. Jahrhunderts. Aus dem 17. Jahrhundert stammt das auf Holz ausgeführte Ölgemälde Paradieslandschaft mit Sündenfall, das Jan Brueghel d. J. zugeschrieben wird. Dargestellt sind Adam und Eva, denen sich die Schlange mit der verbotenen Frucht nähert. Paarweise bevölkern Tiere und Vögel die idyllische Landschaft mit einem Fluss oder See im Hintergrund.

Um eine weitere Arbeit aus dem 17. Jahrhundert handelt es sich bei dem hervorragenden Stillleben mit Weintrauben, Kirschen, Aprikosen, Schmetterlingen und einer Hummel in einer Steinnische, das von einem Maler aus dem Umkreis von Jan Davidsz. de Heem ausgeführt wurde. Besonders hervorzuheben sind hier die transluziden Oberflächen der Trauben und Kirschen.
Den Abschluss der Frühjahrsauktion von Neumeister bildet der Katalog „Moderne, Post War & Contemporary Art“, dessen Lose ab 17 Uhr versteigert werden.
Als erstes Los kommt die Radierung Das kranke Kind I aus dem Jahr 1894 von Edvard Munch zum Aufruf, die auf dem gleichnamigen Gemälde des Künstlers von 1885/86 basiert. Munch verarbeitete damit den frühen Tod seiner älteren Schwester Sophie. Bis 1927 setzte er sich immer wieder künstlerisch mit diesem traumatischen Erlebnis auseinander.

Um eine der berühmten Überbauungen von Arnulf Rainer handelt es sich bei Nachtigall aus der Werkgruppe Faces. Rainer übermalte hier 1970/71 eine Fotografie seiner selbst mit Ölfarbe und -kreide und bearbeitete die Schichten zusätzlich mit einer Kratztechnik.
Ansonsten vor allem für seine Ansichten des Berliner Großstadtlebens bekannt, ist Impressionist Lesser Ury hier mit dem um 1924 entstanden Leinwandgemälde Burgruine im Rheingau vertreten. Ury verbrachte jenen Sommer auf Schloss Reichartshausen, von wo aus er das Mittelrheintal erkundete und seine Eindrücke künstlerisch festhielt.

Zum Schluss sei noch auf das titelgebende Werk dieser Auktionsvorschau hingewiesen: Sitzender mit Hut, das Markus Lüpertz in den 1960er Jahren ausführte. Die Authentizität des Ölgemäldes wird nicht nur durch die Signatur des Künstlers in der oberen rechten Bildecke untermauert, sondern wurde von Lüpertz selbst auf mündlichem Wege bestätigt, der zudem seine Studienzeit als Entstehungszeitraum angab.
Die Auktion findet am 14. und 15. April im Kunstauktionshaus Neumeister, Barer Straße 37, in München statt. Vorbesichtigungen sind dort nach telefonischer Terminvereinbarung vom 8. bis 12. April möglich.
