Mit asiatischer Kunst vom Feinsten verabschiedet sich das Kölner Auktionshaus Lempertz am 11. Dezember von der Auktionsbühne des Jahres 2021. Davor haben Freunde und Sammler von moderner und zeitgenössischer Kunst am 3. und 4. Tag des Monats Gelegenheit die Lose dieser beiden Kategorien mitzubieten, die jeweils in einem Day Sale und einem Evening Sale zum Aufruf kommen.
Während sich bei den Highlights der Moderne französische und deutsche Meister auf Augenhöhe begegnen, umfassen die Top-Lose der zeitgenössischen Kunst auch große Namen von jenseits des Atlantiks.

Die Offerte mit moderner Kunst wird von einem Spätwerk Camille Pissarros angeführt. Verger à Varengeville avec vache (Un clos à Varengeville) entstand im Jahr 1899, dessen September Pissarro im Dorf Varengeville an der normannischen Küste verbrachte und die dortige in spätsommerliches Sonnenlicht getauchte Landschaft malte. Hier konnte er inmitten der Natur arbeiten, was ihm aufgrund eines Augenleidens nur noch bei warmen Temperaturen möglich war. Bei kalten Wetter nahm er mit seiner Staffelei an den Fenstern von Hotelzimmern in höher gelegenen Stockwerken Platz, weshalb seine Ansichten von Paris, die er auch im Entstehungsjahr des vorliegenden Werks malte, beinahe wie aus der Vogelperspektive eingefangen wirken.

Ob August Macke wohl auch das vorliegende Gemälde von Pissarro bewunderte, als er im Jahr 1908 zum zweiten Mal Paris besuchte, wo er die Impressionisten für sich entdeckte? Macke besuchte dort gemeinsam mit seiner späteren Verlobten Elisabeth Gerhardt und deren Onkel unter anderem die Galerie Bernheim-Jeune, die das Gemälde 1905 erworben hatte. Der Impressionismus beeinflusste die Arbeit des jungen Macke, so auch bei Sonniger Garten, das Elisabeth inmitten des grünen Gartens ihrer Eltern in München zeigt.

Ein weiteres Frühwerk eines bedeutenden Vertreters der deutschen Moderne liegt mit Max Beckmanns Die Straße aus dem Jahr 1911 vor, das uns von sonnenbeschienen Gärten in die graue Tristesse einer von Hochhäusern gesäumten Großstadtstraße entführt. Die Widmung „HBSL“ in der unteren rechten Ecke bedeutet „Herr Beckmann seiner Liebsten“, womit der Künstler seine Ehefrau Minna meinte.

Dem ihm vertrauten Kosmos der wiederholt verwendeten Motive und Symbole widmete sich hingegen Max Ernst im Jahr 1954, als er Flaneurs (Les enfants de la Huchette) auf die Leinwand brachte. Ernst vereint hier sein „Alter Ego“, den Vogelobren „Loplop“ mit der Mythologie der Hopi-Indiana, die er während seines Exils in Arizona kennengelernt hatte.

Die Highlights unter den Skulpturen der Offerte wurden von Ernst Barlach und Renée Sintenis geschaffen. Während Barlachs Der singende Mann von 1928 eine der gesuchtesten Plastiken des deutschen Expressionismus darstellt, begeistert Sintenis’ bezauberndes Großes stehendes Fohlen mit seiner beinahe lebensgroßen Höhe von 102 cm.

Die beiden Arbeiten verbinden gleich zwei Dinge: Zum einen handelt es sich jeweils um einen seltenen Guss, der zu Lebzeiten der Künstler ausgeführt wurde, zum anderen entstanden bei Werke in der Gießerei H. Noack in Berlin-Friedenau.
Weitere Highlights der Offerte stammen von Max Pechstein, Maurice de Vlaminck, André Derain, Lovis Corinth, Willi Baumeister, Emil Nolde, Ewald Mataré und Georg Tappert.
In den Auktionen mit zeitgenössischer Kunst darf man sich auf Arbeiten von Emil Schumacher, John Armleder, Günter Fruhtrunk, A.R. Penck, Joseph Kosuth, Anselm Kiefer und folgender Künstler freuen.

Mit seinen Siebdruckporträts sorgte Andy Warhol dafür, das die Bildnismalerei in der von der gegenstandslosen Malerei geprägten Nachkriegszeit wieder salonfähig wurde. Warhol setzte sowohl berühmte, als auch unbekannte Personen in Szene. Auch die Identität der hier abgebildeten Ms. B bleibt im Dunkeln. Nicht jedoch der Name der Name des ebenfalls abgebildeten Hundes: Yucca. Warhol selbst war stolzer Besitzer der beiden Dackel Amos und Archie. Letzterer begleitete ihn in den 1970er Jahren sogar ins Studio 54.

Während Andy Warhol in den 1960er Jahren seine berühmten Porträts aus der Taufe hob, begann sich Gotthard Graubner mit der Farbe als Objekt an sich, das nicht mehr länger nur Mittel zum Zweck ist. Auch bei Rufus von 1992/1995 steht die Farbe im Mittelpunkt, der er mittels des dreidimensionalen Bildträgers zu optischer Tiefe verhilft.

Wie ein Vorgang ergießt sich die orange-gelbe Farbe über den von Gerhard Richter in Graubabstufungen bemalten Hintergrund, der beinahe wie ein Spiegel wirkt. Auf abstrakte Weise scheint Richter hier die Trompe-l’œil-Malerei aufzugreifen.

Anfang der 1970er Jahre malte William Nelson Copley Alltagsgegenstände in großem Maßstab vor intensiv kolorierten Hintergründen oder in abstrakten Raumsituationen. Eines dieser Gemälde ist das vorliegende Baby Bonnet. Die Motive hatte Copley in einem Warenhauskatalog aus dem Jahr 1902 entnommen. Darin wurde die Babyhaube allerdings als Modell für die Dame geführt.
Werfen wir nun noch einen Blick auf die Asiatika-Auktion am 11. Dezember, die Kunst aus China, Tibet und Nepal sowie Japan umfasst.

Hier muss zunächst auf diese aufwändig verzierte Truhe aus dem China der Kangxi-Periode hingewiesen werden. Diese Art des Schnitzlackdekors wird in China „kuancai“ genannt. In Europa erhielt es die Bezeichnung „Koromandellack“, benannt nach der indischen Koromandelküste, von wo aus die Kunstwerke nach Westen verschifft wurden.

Der Bodhisattva Avalokiteshvara Ekadashamukha vefügt eigentlich neben elf Köpfen auch über tausend Arme, auf deren Darstellung man bei dieser tibetochinesischen Bronzefigur aus verständlichen Gründen jedoch verzichtet hat. Ansonsten besticht die Arbeit aus dem 18. Jahrhundert jedoch mit großer Detailgenauigkeit und einer feinen Vergoldung.
Beachten Sie auch die Fotografie-Auktion, die am 3. Dezember den Auftakt zu der Auktionsreihe bildet.
Alle Versteigerungen finden im Auktionshaus Lempertz, Neumarkt 3, in Köln statt. Vorbesichtigungen sind dort ab dem 27. November (Kunst und Fotografie) bzw. ab dem 4. Dezember (Asiatische Kunst) möglich.
Entdecken Sie alle Lose dieser Auktionsreihe gleich hier bei Barnebys!
