Dass aus einer arrangierten Ehe bisweilen echtes Glück entstehen kann, bewiesen Napoleons Stiefsohn Eugène de Beauharnais, der Vizekönig von Italien und spätere Herzog von Leuchtenberg, und die bayerische Prinzessin Auguste Amalie, nachdem sie sich Anfang Januar 1806 das Jawort hatten geben müssen. Insgesamt sieben Kinder entsprangen der Verbindung und sie alle wurden auf einem außergewöhnlichen Schmuckstück verewigt, dass nun am 4. Dezember im Auktionshaus Neumeister in München versteigert wird.
Das goldene Collier, das neben den Miniaturen der sieben Kinder auch ein Porträt von Eugène sowie eine Kamee mit dem Profil von König Max I. Joseph von Bayern, Augustes Vater, ziert, wurde in Augustes Schmuckverzeichnis mit der Nummer 94 aufgelistet. Vermutlich erhielt sie es um 1818 von ihrem Vater geschenkt.

Allgemein besaß Auguste eine überaus prachtvolle Schmucksammlung, mit vielen Stücken, die sie von ihrer Schwiegermutter, Kaiserin Joséphine, erhalten hatte. Diese Pretiosen gab sie selbst an ihre Töchter weiter, so etwa an ihre älteste, Joséphine, die als Gemahlin Oskars II. Königin von Schweden wurde: Die mit großen Saphiren besetzte Leuchtenberg-Parure ist heute Königin Silvias Signature-Look, während das außergewöhnliche Kameen-Diadem traditionell von Schwedens königlichen Bräuten getragen wird. Das Collier mit den Miniaturen vermachte Auguste jedoch ihrer dritten Tochter Amélie, die ab 1829 mit Kaiser Pedro I. von Brasilien verheiratet war. Seither in Privatbesitz, ist das Collier eines der Dezember-Highlights bei Neumeister, wo es als Bindeglied der Schmuck- und Kunstofferten zum Aufruf kommt.
Bevor am 4. Dezember Schmuck und Juwelen versteigert werden, steht jedoch Kunsthandwerk auf dem Programm, das die Dezember-Auktion von Neumeister um 14 Uhr eröffnet.

Hier ist vor allem eine rechteckige Dose aus rotem Jaspis hervorzuheben, deren Deckel ein in vergoldetem Silber gerahmtes Mikromosaik mit einer Darstellung des Forum Romanum ziert. Stücke wie dieses, aber auch entsprechend gestalteter Schmuck (ein wunderbares Beispiel dafür ist in der Schmuckofferte zu finden), waren beliebte Souvenirs oder Mitbringsel von jungen Herren, die von ihrer Bildungsreise durch Europa, Grand Tour genannt, heimkehrten. Das vorliegende Exemplar soll gemäß der Angabe des Einlieferers ein Geschenk Papst Pius’ VI. an einen Angehörigen der österreichischen Gesandtschaft in Rom gewesen sein.
In der Offerte „Graphik und Gemälde 15.-20. Jahrhundert“, in der uns auch Eugène und Amalie en miniature wiederbegegnen, muss neben einem Triptychon mit der Kreuzigung Christi, Arbeiten von Alexander Koester, Josef Wenglein, Saverio Dalla Rosa und Franz von Defregger sowie einer Rötelzeichnung, die Pierre-Auguste Renoir zugeschrieben wird, auch Blick auf Dresden im Sonnenuntergang von Johann Anton Castell hervorgehoben werden.

Castell, der ein Schüler des norwegischen Landschaftsmalers Johann Christian Clausen Dahl war, entwickelte eine Vorliebe für Darstellungen seiner Heimatstadt Dresden bei Sonnenuntergang, was auch bei dem vorliegenden, auf das Jahr 1849 datierte Gemälde zum Ausdruck kommt. Gut zu erkennen in der in ein warmes Rot getauchten Silhouette der Stadt sind die Kuppel der Frauenkirche, die Brühlsche Terrasse am Ufer der Elbe sowie die Türme des Residenzschlosses und der Hofkirche.
Ein weiteres hochinteressantes Los führt uns erneut an den bayerischen Königshof im 19. Jahrhundert, genauer gesagt zur berühmt-berüchtigten Affäre König Ludwigs I. mit Lola Montez, welche 1848 zur Abdankung des Königs führte. Bereits im Februar 1847 hatten vier seiner Minister um ihre Entlassung gebeten. Ein Entwurf zu deren Memorandum ist ebenfalls Teil der Offerte.
Um 18:30 Uhr bilden Moderne und Contemporary Art schließlich den Abschluss der Dezember-Auktion von Neumeister. Hier darf auf Max Beckmanns Kaltnadelradierung Selbstbildnis von vorn, im Hintergrund Hausgiebel genauso mitgeboten werden wie auf Picassos Lithographie Les deux modèles nus, Karl Schmidt-Rottluffs Stillleben sowie auf zwei unbetitelte Werke von Hermann Nitsch und Arman aus den Jahren 1987 bzw. 1990.

Zu den Highlights der dreidimensionalen Werke dieser Offerte ist neben Ruhende Löwin von Willy Zügel und Horst Antes' Figur 1000 ganz klar die schwarz-braun patinierte Bronze Pomone à la tunique von Aristide Maillol zu nennen. Die zwischen 1908 und 1910 entworfene Figur zeigt die altrömische Göttin der Baumfrüchte, Pomona, die als Attribute zwei Äpfel in den Händen hält. Die kraftvolle und doch ruhige Ausdrucksweise zeugt von Maillols Streben nach Harmonie. Die vorliegende Bronze stammt vermutlich aus einer Auflage von zehn Exemplaren der New Yorker Galerie Weyhe.

Gleich zweimal sind die berühmten blauen Hunde des US-amerikanischen Künstlers George Rodrigue in der Auktion vertreten. Für den im südlichen Louisiana geborenen Künstler stand die Bewahrung der Cajun-Kultur seiner Heimat im Mittelpunkt seines Schaffens. Auch der Blue Dog geht auf die dortige Legende um den Loup-garou („Werwolf“) zurück, wobei Rodrigues etwas harmlosere, verstorbene Terrier-Hündin Tiffany als Vorlage diente und nun den Betrachter mit leuchtend gelben Augen in ihren Bann zieht.

Die Dezember-Auktion von Neumeister findet am 4. Dezember ab 14 Uhr in der Barer Straße 37 in München statt. Die Ausstellung zur Auktion kann dort vom 28. November bis 2. Dezember besucht werden.

