Ein konkreter Poet bei Durán Arte y Subastas

Was es im April im Auktionshaus Durán zu ersteigern gibt? Zum Beispiel Kunst eines konkreten Poeten aus der Schweiz!

Ein konkreter Poet bei Durán Arte y Subastas

717 Lose kommen in der April-Auktion bei Durán Arte y Subastas am 30. Tag des Monats zum Aufruf. Das in Madrid ansässige Auktionshaus bewegt sich dabei zwischen alter und neuer Kunst und Grafik, Skulpturen aus Europa und Afrika, Uhren, Schmuck und Antiquitäten.

Unter den Werken des 20. Jahrhunderts gibt es zwei Arbeiten des Deutsch-Schweizers Dieter Roth zu entdecken. Der kosmopolitische Künstler, der in verschiedenen Ländern zuhause war wie auch in verschiednen Kunststilen, wuchs als Sohn einer Deutschen und eines Schweizers in Hannover auf. Während des Zweiten Weltkriegs geben seine Eltern ihn in die Obhut einer Pflegefamilie in der Schweiz. Dort beginnt er Gedichte zu schreiben und erste Zeichnungen und Aquarelle anzufertigen.

Dieter Roth (1930 - 1998), Ohne Titel, Tusche, Bleistift/Papier, signiert und datiert, 1977 | Foto: Durán
Dieter Roth (1930 - 1998), Ohne Titel, Tusche, Bleistift/Papier, signiert und datiert, 1977 | Foto: Durán

1947 begann Dieter Roth eine Ausbildung zum Werbegrafiker. Sein künstlerisches Interesse ist zu diesem Zeitpunkt bereits ungewöhnlichen Materialien, wie Schrott zugewandt, die er bemalt und zu Collagen verarbeitet. Später fertigt er auch gebackene Plastiken aus Brotteig.

In den 1950er Jahren probierte sich Roth in den verschiedensten Kunststilen und Medien: Er interessiert sich für die OP-Art, schreibt im Stil der Konkreten Poesie, dreht Filme und entwirft Muster für Textilien, Letzteres in Kopenhagen. Dort lernte er die aus Island stammende Sigri∂ur Björnsdóttir kennen, der er in ihre Heimat folgt und dort heiratet.

Die Arbeitssuche in Island gestaltet sich schwierig, 1958/59 lebt er zeitweilig in New York, beschäftigt sich mit Konstruktivismus und Kinetik. Die 1960er Jahre sind geprägt von Fluxus und Happenings. Mit seinen Literaturwürsten, für die er Günter Grass' Die Blechtrommel "verwurstete", d.h. zerkleinerte und mit Fett und Gewürzen in Wurstdärme füllte, wird er Teil der Eat-Art-Szene, die die Pop Art aufgriff und deren kommerziellen Aspekt weiterentwickelte.

Dieter Roth (1930 - 1998), Ohne Titel, Öl/Papier, signiert | Foto: Durán
Dieter Roth (1930 - 1998), Ohne Titel, Öl/Papier, signiert | Foto: Durán

Es war der Auftakt zu Roths Beschäftigung mit vergänglichen Materialien, aus den schließlich seine Schimmelbilder entstanden. Diese schuf er aus Lebensmitteln und holte sich für deren Formgebung "Hilfe" bei Maden und Insekten. Die Hochphase dieser Arbeiten war um 1970. Zu dieser Zeit teilte Dieter Roth, nachdem er Mitte der 1960er Jahre erneut in den USA gelebt hatte, seine Zeit zwischen Deutschland, Island und der Schweiz auf.

Zu Dieter Roths breitgefächertem Œuvre gehörten Drucke, Gemälde, Skulpturen und Geräuschaufnahmen, aber auch Entwürfe für Schmuck, Möbel und Plakate. Es waren jedoch seine Gedicht- und Kunstbände sowie immer größer werdenden Installationen, die zu seinen bevorzugten Medien wurden.

Obwohl Dieter Roths Arbeiten auch zuvor mehrfach in Europa und den USA ausgestellt worden waren, erhielten sie in den 1980er Jahren vermehrte Aufmerksamkeit. Es kam zu einer Reihe von Retrospektiven diesseits und jenseits des Atlantiks. Dieter Roth starb 1998 in seinem Atelier in Basel an einem Herzinfarkt.

Die beiden abgebildeten Arbeiten von Dieter Roth werden am 30. April ab 18 Uhr (Ortszeit) bei Durán Arte y Subastas in Madrid versteigert.

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