Nachdem sich Johann Joachim Kändler in seiner Anfangszeit als Modelleur in der Porzellanmanufaktur Meissen vor allem von der Natur inspirieren ließ und lebensnahe Tierfiguren schuf, die für ihren Realismus hoch gelobt wurden, wandte er sich gegen Mitte des 18. Jahrhunderts verstärkt der Darstellung des Menschen zu. Inspiration dazu fand er im höfischen Leben, das in Dresden und Umgebung zelebriert wurde, sowie in der musischen Welt im Umfeld des kurfürstlichen Hofes. Vor diesem Hintergrund entstanden mehrere Figurengruppen: jene mit den Charakteren der Commedia dell’arte, die berühmte ironische Affenkapelle und quasi deren Gegenstück, eine Galante Kapelle, deren musizierende Mitglieder menschlicher Natur sind.

Die insgesamt 16 Figuren der Galanten Kapelle, die von Kändler und Friedrich Elias Meyer wohl zwischen 1755 und 1760 entworfen wurden, stellen einen Dirigenten, einen Sänger und vier Sängerinnen sowie Musikanten mit ihren verschiedenen Instrumenten dar, die in für die Epoche typische Kleider gehüllt sind. Der Dirigent wurde nach einem Porträt des Sängers Domenico Annibale geschaffen, der den Großteil seiner Karriere an der Dresdner Hofoper verbracht hatte.
Eine vollständige Galante Kapelle von Meissen ist Ende des Monats eines der Highlights der Frühjahrsauktion im Nürnberger Auktionshaus Franke. Die Auktion findet an drei Tagen, vom 27.-29. April statt und umfasst über 3.100 Lose in 28 Kategorien, wobei Porzellan am letzten Auktionstag zum Aufruf kommt.

Ein weiteres Highlight der Porzellanofferte stammt ebenfalls aus Meissener Herstellung. Der Entwurf ist jedoch über 160 Jahre jünger, stammt jedoch von einem weiteren namhaften Künstler: Ernst Barlach. Dessen „Schwebender Gottvater / Schöpfer“ des Holzschnitts Der erste Tag diente 1922 als Vorlage für eine Figur, die aus rotem Böttgersteinzeug angefertigt wurde. Das nach seinem Erfinder benannte Böttgersteinzeug war 1707 die Vorstufe zum europäischen Porzellan, für dessen Herstellung der rote Ton des Feinsteinzeugs lediglich durch Kaolin ersetzt werden musste. Waren in der Meissner Manufaktur zunächst auch Objekte aus dem Böttgersteinzeug hergestellt worden, gab man die Produktion zugunsten des „weißen Goldes“ auf. Später wurde das Böttgersteinzeug wieder aufgegriffen und noch heute gehört es als geschützte Marke zum Repertoire der Meissener Manufaktur.

Wie eine dynamische Venus von Willendorf erscheint die Tanzende, die ein Highlight unter den Skulpturen des Auktionskatalogs darstellt. Ihr Schöpfer war der Bildhauer und Maler Christian Peschke, der in Stuttgart und München studiert hatte. Die für Peschke typischen voluminösen Figuren vereinen Bewegung und Ruhe, Geborgenheit und Lebensfreude und ergeben damit ein harmonisches Ganzes, das eine hohe (Symbol-) Kraft aufweist, hinter der das Individuum zurücktritt.

Unter den Gemälden muss auf dieses barocke Herrenporträt hingewiesen werden, welches von Robert Tournières selbst oder von einem Mitarbeiter in dessen Werkstatt ausgeführt wurde. Bei dem unbekannten Herrn mit der für die Zeit um 1700 typischen Allongeperücke handelt es sich vermutlich um einen Feldherrn oder eine Person von hohem militärischen Rang, worauf der Brustharnisch hindeutet.
Der aus Caen stammende Tournières studierte unter anderem beim Porträtmaler Hyacinth Rigaud, dessen berühmtestes Werk das Paradebildnis Ludwigs XIV. aus dem Jahr 1701 ist. Tournières selbst zeigte ebenfalls großes Talent in dem Fach und wurde sowohl als Porträt-, als auch als Historienmaler in die Königliche Akademie aufgenommen.
Kehren wir zum Schluss an den Anfang der Auktionstage zurück, die am 27. April um 13 Uhr mit der Versteigerung von Schmuck und Kleinuhren eröffnet werden.

Zu den Highlights gehört hier dieses gelbgoldene Armband aus der Serie Les Chaines von Chopard. Auf den ersten Blick ist zu erkennen, wie die Schmuckserie zu ihrem Namen kam, denn Les Chaines bedeutet übersetzt „Die Ketten“. Die vorliegende Kette für das Handgelenk besteht aus unterschiedlich geformten Gliedern die an zwei Stellen – dezent und prägnant zugleich – mit Brillanten, Rubincarrés und Saphircabochons besetzt sind.
Die Auktion beginnt an den beiden Folgetagen jeweils um 10 Uhr und findet im Auktionshaus Franke, Kalchreuther Straße 125, in Nürnberg statt. Vorbesichtigungen sind dort nach telefonischer Terminvereinbarung vom 24.-26. April möglich.
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